Spionageaffäre: NGO in Russland von Agenten bezahlt?
Moskau. Das Wichtigste an der TV-Reportage war nicht der Elektronik gespickte tote Briefkasten in Moskau in James-Bond-Manier, sondern der Vorwurf, russische Menschenrechtsgruppen würden von britischen Agenten geführt.
Die am Sonntagabend im russischen Staatsfernsehen gezeigte Reportage löste Protest bei russischen Menschenrechtlern - und in London aus. Nach der Darstellung der TV-Reportage war ein geheimnisvoller Stein auf einem Platz in Moskau das Zentrum des Spionageringes.
Als russische Agentenjäger des FSB den Stein durchleuchteten, wurde sein Inhalt sichtbar: beste Elektronik mit autonomer Stromversorgung.
In dem Stein war zur diskreten Datenübermittlung ein WiFi-Lesegerät versteckt, dass Daten von den PDAs der Agenten im Vorübergehen aufnehmen konnte. Jedes Mal, wenn ein Agent seine Nachrichten hier abgelegt hatte, tauchte wenige Tage später ein Vertreter der Britischen Botschaft in Moskau auf, um auf demselben Wege „en passant“ die Daten abzuholen.
Den FSB interessierte aber bereits weniger die Übertragungstechnik, als vielmehr der zweite Sekretär der Britischen Botschaft, der auch in der Nähe des Steines gesichtet worden sein soll. Dieser Botschaftsmitarbeiter habe außerdem aber auch Nichtstaatliche Organisationen (NGOs) in Moskau betreut.
Wurden Menschenrechtler von einem britischen Geheimagenten finanziert, fragt das Fernsehen
Einige russische Stiftungen hätten von ihm erhebliche finanzielle Zuwendungen aus Großbritannien erhalten. „Das Geld floß in Strömen“, erklärte ein FSB-Mann. In der Sendung wurden Zahlungsbelege an die Moskauer Helsinki-Gruppe gezeigt.
Britisches Foreign Office weist Vorwürfe zurück
Während die Britische Botschaft in Moskau schweig, wies das britische Außenministerium am Sonntagabend in einer Erklärung die Vorwürfe zurück. Die finanzielle Unterstützung Großbritanniens für russische NGOs erfolge in Einklang mit dem Gesetz. „Alle Hilfe wird offen geleistet und ist auf die Entwicklung einer gesunden Zivilgesellschaft in Russland gerichtet“, heisst es in der Erklärung laut Ria Nowosti.
Gehört Putin auch zu den "finsteren Kräften"?
Die Sprecherin der Helsinki-Gruppe, Ludmilla Alexejewa, die als große alte Dame der russischen Menschenrechtsbewegung gilt, erklärte, die TV-Sendung sei darauf gerichtet, bei ungebildeten Zuschauer Haß auf die Menschenrechtsbewegung zu erzeugen. „Das geschieht im Auftrag finsterer Kräfte in unserem Lande. Es geht darum, mit Hilfe des neuen Vereingesetzes die aktivsten Menschenrechtsorganisationen zu schließen.“
Das neue russische Vereinsgesetz, das am vergangenen Montag von Putin unterzeichnet wurde, stellt die Finanzierung von Stiftungen und Projekten aus dem Ausland unter verschärfte Kontrolle.
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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)