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| Sanft dümpelt das Atomkraftwerk im Hafen: eine Projektzeichnung (Bild: sevmash.ru) | |
Donnerstag, 15.06.2006
Schwimmendes Atomkraftwerk wird auf Kiel gelegt
St. Petersburg. Die russische Atomenergiebehörde hat bei einer Werft in Severodwinsk das erste schwimmende Atomkraftwerk der Welt in Auftrag gegeben. Derartige Mini-AKWs sollen abgelegene Polarstädte versorgen.
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Der von Atomagentur-Chef Sergej Kirijenko mit der Werft „Sewmasch“ unterzeichnete Vertrag sieht den Bau des ersten auf einem Ponton stehenden Atomkraftwerkes bis zum Jahr 2010 vor. Der Reaktor basiert auf einem 70 Megawatt leistenden Aggregat, wie es bisher in Atomeisbrechern zum Einsatz kam.
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Erfahrung mit Eisbrecher-Reaktoren soll genutzt werden
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Da Russland das einzige Land der Welt ist, das eine atomar angetriebene zivile Eisbrecherflotte unterhält, möchte die russische Atomindustrie ihr Know-How nun auch auf anderem Gebiet nutzen: Die schwimmenden Reaktoren sind dazu gedacht, kleine Städte an der Polarmeerküste mit Elektroenergie und Heizwärme zu versorgen.
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Sicherheitsbedenken will Kirijenko dabei nicht gelten lassen: „Ein schwimmendes Tschernobyl wird es nicht geben“, so der frühere russische Regierungs-Chef. „Die Sicherheit wird durch die langjährige Erfahrung mit derartigen Atomreaktoren an Bord der sowjetischen und russischen Eisbrecher gewährleistet.“
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Eine Kette von Mini-Meilern entlang der Arktisküste
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Wie die „Iswestija“ heute berichtet, wurden als erste Standorte für die AKW-Pontons sechs Küstenstädte zwischen Archangelsk und Kamtschatka festgelegt. Insgesamt gebe es Bedarf für 20 solcher atomarer Mini-Meiler.
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Die dortigen Kraftwerke auf Ölbasis seien zu einem guten Teil überaltert. Außerdem ist es in der Polarregion – trotz der dortigen Öl- und Gasvorkommen – wegen der extremen Wetter- und Eisbedingungen nicht immer einfach, den Nachschub an Energieträgern zu gewährleisten.
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Traum der Atomlobby: Kraftwerke vom Fließband
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Der Vorteil der Schwimm-AKWs gegenüber anderen Kraftwerken liegt darin, dass sie an einem Ort in Serie gebaut und dann komplett an den Einsatzort bugsiert werden können. Auch die Probleme mit der Errichtung von verlässlichen Fundamenten auf Permafrostböden entfallen damit.
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Atomar gereinigtes Trinkwasser
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Einen weiteren großen Einsatzbereich sehen die Schöpfer der „AKW frei Haus“-Idee zudem in eher heißen Regionen des Globus: Um aus Meerwasser Trinkwasser zu gewinnen, sind enorme Energiemengen notwendig – und zugleich verspricht sich die Wasserversorgung der wachsenden Menschheit zu einer einträglichen Zukunftsbranche zu entwickeln.
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Dem Bericht zufolge verhandelt Russland in dieser Richtung bereits mit den Philippinen und Indonesien. Eine derartige atomar befeuerte Wasserquelle könnte eine Million Menschen versorgen, heißt es.
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Atom-Knowhow bleibt auch bei Export unter Verschluss
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Einen weiteres großes Plus sehen die Initiatoren im Wegfallen der – aktuell am Beispiel des Iran akuten – Problematik mit dem Export von Kerntechnologie und Brennmaterial an andere Staaten: Analog zu Schiffen können die 144 Meter langen und 30 Meter breiten schwimmenden AKWs, egal vor welcher Küste sie auch vor Anker gehen, russisches Eigentum bleiben. Verkaufen würden die Russen also weder Atomkraftwerke noch angereichertes Uran, sondern nur die Energie, die durch Leitungen an Land fließt.
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Die Betriebsdauer der Schwimm-Reaktoren wird mit 40 Jahren angegeben, nach zwölf Jahren, wenn es zum ersten Mal zur Generalüberholung heimgeholt werden müsste, soll sich ein solches Kraftwerk bereits amortisiert haben.
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Die Kosten des ersten derartigen Atomkraftwerks werden mit ca. 260 Mio. Euro angegeben. Als Pilotprojekt soll es nach seiner Fertigstellung aber nicht auf Reisen gehen, sondern die Werft Sewmasch, wo sonst Atom-U-Boote gebaut werden, mit Energie versorgen.
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(ld/.rufo)
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