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Der Schrecken der zivilen Seefahrt: Piraten im Golf von Aden (foto: focus.in.ua)
Der Schrecken der zivilen Seefahrt: Piraten im Golf von Aden (foto: focus.in.ua)
Dienstag, 28.10.2008

Vor Somalia: Russisches Kriegsschiff gegen Piraten

Aden. Am Horn von Afrika ist jetzt auch ein russisches Kriegsschiff im Einsatz gegen die Piraten. Das Küstenwachschiff Neustrashimy („Der Furchtlose“) wird dabei mit den Flotten der Nato-Staaten zusammenarbeiten.

Das 1993 in Kaliningrad gebaute Kriegsschiff gehört zur russischen Ostseeflotte und ist 130 Meter lang, 30 Knoten schnell und verfügt über eine Besatzung von 210 Mann. Es verfügt über diverse Geschütze, Torpedo- und Raketenwerfer und führt einen Ka-27-Hubschrauber mit sich.

Keine schwimmende Festung, sondern schnell und wendig: die "Neustrashimy"  (foto: weaponworld.ru)
Keine schwimmende Festung, sondern schnell und wendig: die "Neustrashimy" (foto: weaponworld.ru)
Das Kriegsschiff war von der russischen Regierung in Marsch gesetzt worden, nachdem Ende September somalische Piraten den ukrainischen Frachter „Faina“ gekapert hatten. An Bord des dieses Schiffes befinden sich 33 gebrauchte Kampfpanzer des Typs T-72, die nach Kenia geliefert werden sollten. Medienberichten zufolge war die ukrainische Lieferung aber auf Umwegen für die Aufständischen im Darfur-Gebiet des Sudan bestimmt.

Russischer Kapitän stirbt nach Piraten-Überfall


In Russland erregte der Fall aber eher deshalb Aufsehen, weil unter der Besatzung von 21 Mann auch drei Russen sind. Zu ihnen gehörte auch der Faina-Kapitän Wladimir Kolobkow, der einige Tage später an Bord an einem Herzanfall starb. Einem ukrainischen Vermittler in Kenia zufolge könnte seine Leiche schon alsbald auf das russische Kriegsschiff überstellt werden.

Der „Furchtlose“ hat heute seinen Dienst in der durch ständige Piratenüberfälle bedrohten Wasserstraße vom Suezkanal über das Rote Meer in den Indischen Ozean aufgenommen. Zuvor hatte das Schiff am Samstag im jemenitischen Aden angelegt, um Vorräte zu bunkern.

Bisher 60 Kaperungen in diesem Jahr


Im Golf von Aden sind in diesem Jahr schon 60 Schiffe von Piraten überfallen und zum Teil in deren Basen an der somalischen Küste entführt worden. Darunter war auch ein russischer Hafenschlepper, der im Februar von St. Petersburg nach Sachalin überführt wurde. Die Reederei kaufte Boot und Besatzung schließlich für 700.000 Dollar Lösegeld frei.

Seitens der Nato ist seit dem Wochenende ein Verband aus sieben italienischen und griechischen Kriegsschiffen vor Somalia im Einsatz. Die gekaperte „Faina“ wird zudem von amerikanischen und französischen Kriegsschiffen bewacht. Eine Flotte der EU-Staaten soll alsbald ebenfalls hinzustoßen.

Russisches Kriegsschiff kooperiert mit West-Flotte


Ein Sprecher der russischen Marine erklärte, dass das russische Schiff bei Bedarf an gemeinsamen Aktionen gegen die Piraten teilnehmen werde. Seine Hauptaufgabe sei jedoch der Schutz passierender russischer Schiffe, wobei man alle Aktionen mit den anderen Kriegsschiffen koordinieren werde. Die russische Besatzung sei bevollmächtigt, im Kampf gegen die Freibeuter Waffen einzusetzen, hieß es in Moskau.

Bei Russland-Aktuell
• Somalia will Abchasien und Südossetien anerkennen (01.10.2008)
• Piraten: Ukrainischer Frachter vor Afrika gekidnappt (26.09.2008)
• Piraten kapern vier Russen vor Somalia (27.05.2008)
• Piraten lassen russischen Schlepper ziehen (18.03.2008)
• Russisches Kriegsschiff sinkt in der Ägäis (18.02.2008)
Die somalische Regierung, die jedoch die Kontrolle über ihr zersplittertes Land faktisch verloren hat, hatte Russland zuvor den für die Piratenbekämpfung nötigen Status eines involvierten Landes zugesprochen. Der somalische Botschafter in Moskau bezeichnete Russland als „historischen Freund“ seines Landes und kündigte an, dass Somalia alsbald Abchasien und Südossetien anerkennen werde. Bislang hat dies außer Russland nur Nicaragua getan.

Aufgabe Nr. 2: Für Russland Präsenz markieren


Angesichts des internationalen Flottenaufmarschs am Horn von Afrika hat die „Neustrashimy“ aber auch eine weitere Aufgabe neben der Piratenabwehr: Sie soll für Russland Flagge zeigen und demonstrieren, dass Moskau dem Westen die Bewältigung derartiger Sicherheitsprobleme nicht allein überlassen möchte.

Und dass es sinnvoll ist, auch nach dem Georgien-Krieg weiter militärisch zusammenzuarbeiten.



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