Moskau. An der Krise ist Amerika schuld. Betroffen sind alle Staaten, auch Russland. Aber die Krise birgt nicht nur Gefahren, sondern bietet auch Chancen. Das ist die neue Botschaft von Video-Blogger und Präsident Medwedew.
Ein bisschen üben muss er das Ablesen vom Teleprompter noch – etwas starr geht der Blick des Kremlchefs über den Kamerarand hinweg. Unnötige Kameraschwenks tragen das übrige dazu bei, den Präsidenten etwas ungelenk wirken zu lassen.
„Grobe Fehler der USA“
Abgesehen von der Form ist die Botschaft inhaltlich gut auf die Bedürfnisse der russischen Bürger ausgerichtet. Immerhin wird ein Schuldiger präsentiert und Hoffnung für die Zukunft gibt es auch.
„Viele Länder wurden damit konfrontiert, dass eine Aneinanderreihung grober Fehler, insbesondere von Seiten der USA, zu ernsten Problemen führte“, beginnt Dmitri Medwedew seine Video-Ansprache an das russische Volk. Die Krise in den USA habe mit einem „Abpraller“ auch alle anderen Volkswirtschaften getroffen, erklärt Medwedew. Auch Russland sei durch seine Einbindung in den Welthandel betroffen, bekennt der russische Präsident.
In Russland ist alles halb so schlimm
Doch während andere Staaten nach den ausbleibenden Krediten bereits mit dem Teufelskreis - sinkende Nachfrage – sinkende Produktion – steigende Arbeitslosigkeit – sinkende Nachfrage…- kämpfen, sei Russland davon nicht betroffen, versichert der Präsident.
Das macht Hoffnung und lässt Nachrichten von der sinkenden Automobilproduktion, der Stagnation im Bauwesen und den geplanten Entlassungen im Finanzsektor Russlands fast vergessen. Die russische Regierung habe alle Maßnahmen getroffen, das Vertrauen in Banken und Finanzsektor wiederherzustellen, beruhigt Medwedew.
Eine Devisen-, Schulden- oder Bankenkrise werde die russische Führung nicht zulassen, so die nachdrückliche Botschaft Medwedews. Und er fordert, die derzeitigen Schwierigkeiten als Chance zu nutzen.
Konkurrenzfähigkeit durch Konsolidierung und Energieeffizienz
Medwedew fordert die Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit russischer Unternehmen. Zum einen durch Konsolidierung, wie er derzeit im Bankensektor zu beobachten ist, wo kleine unrentable Kreditinstitute von großen staatlichen Banken geschluckt werden. Zum anderen durch eine verbesserte Risikovorsorge der Banken, d.h. weniger „faule“ Kredite sollen vergeben werden.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Erhöhung der Effektivität von Unternehmen. Diese sind praktisch dazu gezwungen, nicht nur die Organisationsstruktur zu straffen und die Arbeitsproduktivität zu erhöhen, sondern auch Energie zu sparen. Die Erhöhung der Energieeffizienz nennt Medwedew dabei ausdrücklich als Ziel, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.
Modernisierung gefordert
Zuletzt gesteht der Präsident auch Fehler der russischen Führung ein. Modernisierung sei vor allen in den Bereichen notwendig, „wo wir bisher zu langsam waren“, fordert Medwedew. Gesundheitsvorsorge, Justizreformen und Übergang zu Digitaltechnologien sind die Bereiche, die entgegen allen Ankündigungen bislang immer noch zu kurz gekommen sind.
Zugleich fordert Medwedew eine stärkere Rolle für Russland in der Weltwirtschaft. "Nur gemeinsam können die Probleme gemeistert werden." Die nächste Chance für eine Vertiefung der Kooperation gibt es am 15. November, beim Treffen der führenden Industrienationen in Washington.
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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)