Die Moskauer Börse macht sich klein - und die Wirtschaft bremst ab (foto: tv/newsru)
Dienstag, 30.09.2008
Börsenkurse purzeln: Wirtschaftswachstum in Gefahr
Moskau. Nach dem superschwarzen Montag an der Wall Street folgt die russische Börse auch heute dem weltweiten Abwärts-Trend. Inzwischen ist offensichtlich, dass die Finanzkrise Russlands Wirtschaftsboom ausbremst.
Nach einer von der staatlichen Börsenaufsicht schon nach einer halben Stunde Uhr wegen zu stark abstürzender Kurse verfügten Zwangspause von zwei Stunden ist der Aktienhandel an den Moskauer Börsen um 12.30 Uhr wieder aufgenommen worden. Momentan steht der Micex um 3,5 Prozent und der RTS-Index um 1,7 Prozent niedriger als am Vortag. Der Micex rutschte dabei wieder unter die 1000-Punkte-Schwelle.
Anhaltende Talfahrt an der russischen Börse
Schon gestern waren der Micex um 5,5 Prozent und der RTS um 7,1 Prozent eingebrochen. Dabei war zum Zeitpunkt des Handelsschlusses das gestrige Desaster auf dem US-Markt noch nicht abzusehen: Vor dem Hintergrund des gescheiterten 700-Mrd-Dollar-Rettungsplanes waren gestern die wesentlichen US-Indexe um 7 bis 9 Prozent in den Keller gerauscht.
Die Börsianer sprechen inzwischen weltweit von einer totalen Vertrauenskrise der Anleger: Vor allem als risikoreich geltende Werte wie russische Aktien werden jetzt von ausländischen Investoren massiv abgestoßen - faktisch zu jedem Preis. Die beiden russischen Indexe sind gegenüber ihren Höchstständen Ende 2007 inzwischen etwa auf die Hälfte zusammengeschrumpft.
Investitionen werden zurückgehalten - der Boom läuft aus
Angesichts der anhaltenden Krise in der Finanzwelt wird inzwischen auch in der russischen Regierung mit deutlichen Folgen für das russische Wirtschaftswachstum gerechnet. „Wir werden in bedeutend langsameren Tempo zulegen“, erklärte Michail Kopejkin, Vize-Chef der russischen Regierungs-Administration auf einem Wirtschaftsforum in Genf. Konkrete Zahlen wollte er aber nicht nennen.
Zahlreiche russische Unternehmen hätten ihre Investitionspläne für die nächsten beiden Jahre bereits zusammengekürzt. Dies sei vorteilhaft, um eine nachhaltige Entwicklung zu sichern, aber schlecht für das russische Wirtschaftswachstum, so Kopejkin.
Jewgeni Jassin, der wissenschaftliche Leiter der Höheren Wirtschaftsschule in Moskau hält einen Einbruch ebenfalls schon für unvermeidlich: „Ich hoffe, wir geraten nicht ins Minus, aber ein Wirtschaftswachstum auf dem Niveau von 8,1 Prozent wie 2007 werden wir nicht mehr so bald erleben“, sagt er. Noch sei unklar, wie hilfreich sich die staatlichen Finanzspritzen für die notleidenden Sektoren auswirkten, so Jassin.
Russischer Staat pumpt 50 Mrd. Dollar ins System
Die russische Regierung hat gestern als weitere Hilfsmaßnahme bis zu 50 Mrd. Dollar bereit gestellt, um die Wirtschaftslage in Russland zu stabilisieren und große Banken-Crashs zu vermeiden: „Jede beliebige russische Bank und jedes Unternehmen können sich an die WneshEkonomBank wenden, um Kredite zur Abdeckung von Schulden bei ausländischen Kreditoren zu erhalten, die durch vor dem 25. September aufgenommene Kredite entstanden sind“, erklärte Premierminister Wladimir Putin.
Prognose: 2010 kommt die Stagnation
Igor Nikolajew, ein anderer von der „Nesawissimaja Gaseta“ befragter Analyst, rechnet ebenfalls schon für dieses Jahr mit einem deutlich niedrigeren Wachstum. 2009 seien dann noch 4 Prozent Zuwachs real.
„Aber 2010 droht unserem Wirtschaftswachstum dann schon der Rückgang auf Null. Und von Null bis ins Minus ist es dann nur noch ein Schritt“, so der Experte.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)