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Kamaz - der Klassiker unter den russischen LKW. Seit 30 Jahren hat sich das Outfit kaum verändert (Foto: kamaz.ru)
Kamaz - der Klassiker unter den russischen LKW. Seit 30 Jahren hat sich das Outfit kaum verändert (Foto: kamaz.ru)
Montag, 28.07.2008

Daimler will sich in Russland bei Kamaz einkaufen

Stuttgart/Kasan. Die deutsche Daimler AG könnte schon bald bei Russlands größtem Lkw-Hersteller das Steuer in die Hand nehmen: Die Stuttgarter interessieren sich für ein 42-Prozent-Paket des Industriegiganten Kamaz.

Einst war das eine Unternehmen ein gigantischer „Musterbetrieb des sieghaften Kommunismus“ - und das andere eine weltweit bekannte Ikone des Kapitalismus: Mercedes-Benz kennt jeder.

Das Kamaz-Werk hingegen wurde erst in den 70er Jahren als eine der großen „Baustellen des Sozialismus“ am Wolga-Nebenfluss Kama aus dem Boden gestampft - samt vieler Zulieferbetriebe und der Retortenstadt Nabereshnyje Tschelny.

Kamaz-Laster haben sich in 30 Jahren wenig verändert


Inzwischen hat sich Kamaz gesundgeschrumpft und viel Ballast abgeworfen. Doch seine Produkte tragen noch immer die gleichen engen Fahrerkabinen wie beim Produktionsstart 1976 – Modernisierung und ein Investor tun bitter Not.

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• Autoindustrie: Petersburg – das Detroit Russlands? (20.06.2006)
• Russlands LKW-Bauer kommen in Schwung (12.04.2006)
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Nun soll der einst auf 100.000 Lkw jährlich ausgelegte Gigant unter den Mantel des Daimler-Konzerns schlüpfen: Die russische Investmentgesellschaft Troika Dialog (die bereits 25 Prozent des Lada-Herstellers Avtovaz an Renault verkaufte) verhandelt mit den Stuttgartern inzwischen exklusiv über den Verkauf von 42 Prozent der Kamaz-Aktien.

„Daimler Trucks“ bestätigte am Freitag sein Interesse: Vorerst prüfe man noch die Wirtschaftsdaten von Kamaz – aber bis Jahresende könnte der Deal abgewickelt sein. Pläne für ein eigenes Lkw-Werk in Russland dürften damit vom Tisch sein. Laut der Zeitung „Kommersant“ hatte Daimler dafür schon 200 Hektar im Westen Moskaus erworben.

Mercedes-Trucks in Russland bisher keine Bestseller


Nach dem gegenwärtigen Börsenwert dürfte das Kamaz-Paket Daimler mindestens 1,15 Mrd. Euro kosten – hinzu kommt aber wohl noch ein kräftiger Aufschlag für den Markteintritt in Russland.

Denn bisher verkaufen sich Mercedes-Lkw in Russland eher zäh: 2007 wurden laut Zollstatistik 1.682 neue Lastwagen mit dem Stern importiert. Scania, Volvo, MAN und die chinesische Marke Howo schafften gut das Doppelte.

Kamaz Marktführer bei schweren Lkw


Kamaz hingegen ist unangefochtener Marktführer bei den schweren Lkws in Russland: 2007 baute das Unternehmen in der Föderations-Republik Tatarstan 52.847 Lastwagen, die zu drei Vierteln im eigenen Land verkauft wurden.

Produktions- und Absatzzahlen waren gegenüber dem Vorjahr um solide 20 Prozent nach oben geklettert. Dies ist vor allem der boomenden russischen Bauwirtschaft zu verdanken, für die die robusten und günstigen Kamaz-Laster seit langem gewohnte Arbeitspferde sind.

Daimler könnte mittelfristig Mehrheitseigner werden


12 Prozent von Kamaz blieben nach dem Daimler-Einstieg bei Troika Dialog, 38 Prozent von Kamaz sind in staatlicher Hand, der Rest ist Streubesitz. Beide Seiten machen allerdings kein Geheimnis daraus, dass die Stuttgarter mittelfristig eine Aktienmehrheit übernehmen sollen.

Das Geschäft sollte sich für beide Seiten lohnen: Kamaz braucht vor allem eine neue Lkw-Kabine, um der wachsenden Billigkonkurrenz aus China Paroli bieten zu können. Und Daimler würde sowohl einen ausbaufähigen Produktionsstandort, als auch ein dichtes Händlernetz mit 300 Stützpunkten erwerben. Und dies auf dem inzwischen größten Lkw-Markt in Europa.



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