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Wirtschaftsminister German Gref will mehr deutsche Investitionen nach Russland holen (Foto: Kurizina/.rufo)
Wirtschaftsminister German Gref will mehr deutsche Investitionen nach Russland holen (Foto: Kurizina/.rufo)
Mittwoch, 13.12.2006

Einfachere Spielregeln für deutschen Mittelstand

Moskau. Die Korruption macht deutschen Mittelständlern in Russland weiterhin zu schaffen. Das wurde am 12. Dezember in Moskau auf der Konferenz „Neue Perspektiven der deutsch-russischen Mittelstandskooperation“ deutlich.

Die erste derartige internationale Mittelstandskonferenz wurde von der gesellschaftlichen Organisation „Delowaja Rossia“, dem Verband der Deutschen Wirtschaft und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im neuen Gebäude der Akademie der Wissenschaften veranstaltet. Rund 300 deutsche und russische Vertreter mittelständischer Unternehmen diskutierten die russische Wirtschaftspolitik und die Chancen für geschäftliche Erfolge in Russland.

Russische KMU noch unterenwickelt


In seiner Eröffnungsrede versprach Wirtschaftsminister German Gref, im kommenden Jahr ein neues Gesetz über die Mittelstandsförderung zu verabschieden, das u.a. das Besteuerungsverfahren für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vereinfacht.

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„Es wird viel unternommen, um die Präsenz von deutschen mittelständischen Unternehmen in Russland zu stimulieren“, sagte Gref. So sei z.B. die Registrierungsfrist auf 5 Tage verkürzt und die Zahl der Tätigkeiten mit Lizenzpflicht von einst 3.000 auf unter 100 gesenkt worden.

Dennoch hält das Ministerium die mittelständische Wirtschaft in Russland für unterentwickelt. 2007 müsse ihr Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von derzeit 16 auf mindestens auf 20% gesteigert werden. Selbst das wäre allerdings unvergleichbar weniger, als in Deutschland, wo rund 94% aller Unternehmen klein- oder mittelständisch sind.

Deutschland – wirtschaftlicher Partner Nr. 1 für Russland


Der russische Markt wird Grefs Meinung nach immer attraktiver für deutsche Unternehmer und Investoren: für das Jahr 2007 werde ein BIP-Zuwachs auf dem Niveau von 6,8% und eine Inflation von unter 9% erwartet. „Deutschland ist Wirtschafts- und Handelspartner Nr.1 für Russland“, betonte Gref.

Auch Russland spielt eine immer größere Rolle in der Deutschen Wirtschaft: 2006 ist es vom 14. auf den 13. Platz unter Deutschlands wichtigsten Wirtschafts- und Handelspartnern geruckt, sagte der Bundestagsabgeordnete und Mittelstandsbeauftragter Hartmut Schauerte (CDU).

In seinem Vortrag sprach Schauerte die wesentlichsten Probleme an, auf die deutsche Unternehmen in Russland stoßen. Besonders scharf empfinde der deutsche Mittelstand das Problem der Rechtssicherheit. „Wirtschaftliche Risiken kann er schon bewältigen, aber nicht die der politischen Rahmenbedingungen. Korruption kann einfach zum existenziellen Problem für den deutschen Mittelstand werden“, klagte der Abgeordnete.

Wilder Kapitalismus ist vorbei


Eine Lösung sieht der Präsident der Assoziation „Delowaja Rossija“ Boris Titow in der Entwicklung von Sonderwirtschaftszonen. „Sie bieten Unternehmern die Möglichkeit, dem administrativen Druck und der Korruption zu entgehen. Eine Russland-weite Bewältigung dieses Problems in der nächsten Zeit können wir Ihnen leider noch nicht garantieren“, erklärte Boris Titow.

Russland könne trotz der bestehenden Probleme ein gefahrloses Klima für deutsche Investitionen bieten, so Titow. „Die Periode des wilden Kapitalismus ist vorbei,“ resümierte er. Besonders attraktiv für deutsche Investoren und Unternehmer sei der Tourismussektor in Russland. Die Branche erlebe derzeit dank der Schaffung von 7 Tourismus-Sonderwirtschaftszonen einen spürbaren Aufschwung.

Sieben Sonderwirtschaftszonen bereits bestimmt


Das Gesetz über „Sonderwirtschaftszonen in der Russischen Föderation“ wurde am 22. Juni 2005 angenommen. Versuche, Sonderwirtschaftszonen in Russland einzurichten, gab es noch Mitte der 90-er Jahre. Damals wurden sie aber in erster Linie zu einem Mittel der Steuervermeidung.

Deutsch-russische Handelskammer wird gegründet


Neben der Touristikbranche sei auch der Bausektor für deutsche deutsche Mittelständler interessant, so Wirtschaftsminister Gref: Der russische Bauboom und hohe Wohnungspreise sind gute Voraussetzungen für deutsche Bauunternehmen in Russland. Alle Konferenzteilnehmer äußerten sich positiv zur für 2007 geplanten Schaffung einer deutsch-russischen Handelskammer und eines Investorenklubs. Boris Titow fügte hinzu, die für Russland erste internationale Mittelstandskonferenz sollte von nun an jährlich durchgeführt werden.

(ak/.rufo)


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