Präsident Medwedew fürchtet in der Krise nicht um seine bescheidenen Ersparnisse (Foto: archiv/.rufo)
Donnerstag, 30.10.2008
Keine Panik: Medwedew lässt sein Geld auf der Bank
Moskau. Russlands Präsident Medwedew demonstriert Bärenruhe in der Finanzkrise. Während die meisten Russen panisch ihre Ersparnisse abheben und in harte Dollar tauschen, habe er sein Geld nicht angetastet, verriet er.
„Alle meine Konten auf den Banken habe ich behalten, keine Rubel in Dollar eingetauscht und auch keine Aktien gekauft“, sagte er dem Boulevardblatt „Argumenty i Fakty“. Er sei sicher, dass seinen Ersparnissen, „wie auch dem Geld aller anderen russischen Sparer“, keine Gefahr drohe, fügte der Kremlchef hinzu.
Medwedew vertraut den Banken
Laut einer vor den Wahlen im März 2008 ausgefüllten Vermögenserklärung verfügt Dmitri Medwedew über Millionen – allerdings nur in Rubel. 2,74 Millionen Rubel (umgerechnet knapp 80.000 Euro) liegen auf acht unterschiedlichen Konten des Präsidenten. Für jemanden, der jahrelang den Aufsichtsrat des russischen Erdgasmonopolisten Gazprom geführt hat, sind die offiziell angegebenen Ersparnisse damit relativ überschaubar.
Ob Medwedew sein Präsidentengehalt von immerhin gut 7.000 Euro im Monat ebenfalls aufs Sparbuch legt, wollte er allerdings nicht verraten. Ebenso unbekannt ist, welche Banken das Vertrauen des Kremlchefs genießen.
Und so sind die Russen nach wie vor unsicher, wohin mit den Ersparnissen. Im September haben die russischen Sparer daher 1,5 Prozent ihrer Guthaben abgehoben. Das sind immerhin 2,6 Milliarden Euro. Im Oktober verstärkt sich der Trend offenbar. Der Vize-Vorstandschef der Bank „Wosroschdenije“, Alexander Dolgopolow rechnet sogar mit einem Kapitalabfluss von bis zu 15 Prozent für das Bankensystem.
Eine Managerin der staatlichen VTB teilte Russland-Aktuell hingegen vertraulich mit, dass sich die Situation dort „im Vergleich zu vorher kaum verändert“ habe. „Die Kunden legen nach wie vor bei uns ihr Geld an.“
Vertrauenskrise führt zur Flucht der Anleger und Entlassungen
Etwas schlechter sieht es bei der größten Sparkasse des Landes, der Sberbank, aus. Ein Manager bekannte, dass er einen Kapital-Abfluss für Oktober erwarte. Es wäre der erste Verlust seit langer Zeit für das staatliche Finanzinstitut.
„Es gibt eine Liquiditäts- und Vertrauenskrise – die letztere provoziert die Flucht der Sparer“, klagt Gleb Fetisow Besitzer der Bankengruppe „Meine Bank“. Er fordert eine 100-prozentige Einlagensicherung, um das Vertrauen der Anleger wieder zu gewinnen.
Von dem Misstrauen sind insbesondere Privatbanken ohne sicheren staatlichen Rückhalt betroffen. Die Folgen der Finanz- und Vertrauenskrise werden am Beispiel von Renaissance Kapital deutlich.
„Am Mittwoch wurden massenhaft Mitarbeiter entlassen“, erklärt ein Bankmanager Russland- Aktuell vertraulich. Von den 15 Mitarbeitern der Abteilung seien drei übrig geblieben, fügte er hinzu. „Alle haben jetzt Angst, ihren Job zu verlieren“.
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