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Die Krise an den Finanzmärkten hat die Realwirtschaft getroffen. Nun soll reformiert werden.
Die Krise an den Finanzmärkten hat die Realwirtschaft getroffen. Nun soll reformiert werden.
Freitag, 14.11.2008

Kreml fordert neues Ordnungssystem der Finanzmärkte

Moskau. Ein Ende der monopolaren Welt fordert Moskau - auch im Finanzsektor. Das amerikazentrierte Finanzsystem habe in der Krise seine Schwäche bewiesen. Nun will der Kreml die Kontrolle auf mehrere Schultern verlagern.

Der G-20-Gipfel steht vor der Tür und die ersten Vorschläge zur Krisenbewältigung liegen auf dem Tisch. Während die US-Administration unter Bush möglichst wenig Veränderungen am System vornehmen möchte, drängen andere Staaten, darunter auch Russland auf mehr Mitspracherechte.

Russland sieht USA als Hauptschuldigen der Finanzkrise


In Moskau gelten die USA als Hauptschuldiger der Krise, auch wenn hausgemachte, eigene Fehler – vor allem die nach wie vor starke Abhängigkeit vom Öl – die Lage in Russland zusätzlich verschärft haben. „Grobe Fehler, vor allem von Seiten der USA haben weltweit zu ernsten Problemen geführt“, erklärte Präsident Dmitri Medwedew vor wenigen Wochen seinen Landsleuten per Video-Blog.

Daraus leitet Moskau das moralische Recht nach mehr Mitsprache auf den internationalen Finanzmärkten ab. Statt der einseitigen Fokussierung auf die Wall Street soll es künftig weltweit mehrere Zentren geben, in denen globale Wirtschaftspolitik gemacht wird. Neben Washington sind dies u.a. Peking, Moskau und Brüssel.

Neues Bretton-Woods gefordert


Darüber hinaus fordert der Kreml eine grundlegende Refom der internationalen Finanzorganisationen. „Wir müssen die Basis für ein neues Bretton-Woods-Paket, für ein neues Bretton-Woods-Abkommen schaffen“, sagte Medwedew in einem Interview mit der französischen Zeitung „Le Figaro“.

Bei Russland-Aktuell
• Ölpreis unter 50 Dollar: Kritische Grenze für Haushalt (13.11.2008)
• Medwedew wirbt für Euro-Atlantischen Sicherheitspakt (11.11.2008)
• Die Welt kann nicht aus einer Hauptstadt regiert werden (10.11.2008)
• Deutsche Wirtschafts-Vertreter bei Premier Putin (02.11.2008)
• Harte Landung für die russische Wirtschaft ? (27.10.2008)
In Bretton Woods, einer Kleinstadt in den USA, wurde 1944 die Basis für ein Wirtschafts- und Währungssystem gelegt, das 30 Jahre Bestand hatte. Goldstandard und feste Wechselkurse waren das Grundgerüst, dass der expandierenden Weltwirtschaft nach dem Kriegsende einen stabilen Rahmen verlieh,

Doch nicht nur der Finanzexperte André Kostolany (1906 – 1999) kritisierte immer wieder die starre Fixierung der Währungen auf den Goldpreis als wirtschaftsschädigend. In den 70er Jahren brach das Bretton-Woods-System tatsächlich zusammen, weil die USA ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen konnten.

Reform der internationalen Finanzinstitute und Abkehr vom Dollar gefordert


Erhalten geblieben sind jedoch die 1944 gegründete Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF). Eine ähnliche Neugründung von internationalen Finanzinstituten schwebt nun auch Moskau vor. Diese sollen mit neuen Vollmachten zur Regulierung der Märkte ausgestattet werden.

Im Gegensatz zu Bretton Woods fordert der Kreml zudem eine Abkehr vom Dollar in den internationalen Handelsbeziehungen. Seinen Öl- und Gashandel will Russland zukünftig möglichst in Rubel abwickeln.

„Marktwirtschaft bleibt oberstes Prinzip“


Darüber hinaus plädiert Medwedew für ein Frühwarnsystem der Finanzmärkte. Informationen müssten schneller weitergegeben werden, um auf Krisen zu reagieren, sagte er. Wie ein anonymer Sprecher der russischen Regierung Russland-Aktuell versicherte, werde sich der Staat aber nur in die Belange der Wirtschaft einmischen, um Hilfe zu leisten,

„Operativität und Effektivität sind die Maßstäbe des Handelns, die Basisorientierung auf eine freie Marktwirtschaft bleibt unangetastet“, sagte er. Wirtschaftliche Freiheit und Schutz des Eigentums stehen seinen Angaben nach nicht zur Disposition.



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