Michail Fridman: Kompromisslos und erfolgreich beim Schuldeneintreiben (Foto: Djatschkow/.rufo)
Freitag, 25.09.2009
Oligarchenstreit: Deripaska wirft Fridman Piraterie vor
Moskau. Der Kampf zwischen den Oligarchen Oleg Deripaska und Michail Fridman geht weiter. Die Alfa-Bank hat zwei Bankrottverfahren gegen Unternehmen von Deripaska eingeleitet. Der wirft seinem Kontrahenten Piraterie vor.
Insgesamt hat das Firmenimperium Oleg DeripaskasBasel gegenüber der Alfa-Bank rund 550 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Unter den Schuldnern sind Glawmosstroi, Gaz, En+ (besitzt die Mehrheit an Rusal) oder auch die Zellulosefabrik am Baikalsee.
Jagd auf Deripaska im Frühjahr eröffnet
Schon zu Jahresbeginn kam es zu einem scharfen Konflikt zwischen Fridman und Deripaska, als Fridman die Schulden mit dem Gerichtsvollzieher eintreiben wollte. Sogar KremlchefDmitri Medwedew mischte sich in den Streit ein und erklärte, es sei „unzulässig, wenn die eine oder andere Organisation, selbst wenn sie berechtigte Forderungen hat, in der Lage ist, die Arbeit einer ganzen Holding lahm zu legen.“
Kurz darauf einigten sich die beiden Streithähne auf eine Regulierung der Schuldenfrage. Der Waffenstillstand währte nicht lange und ging im Sommer in die nächste Runde. Damals ging es um die angeschlagene Baubranche, doch nun nimmt Fridman Deripaskas Kronjuwel Rusal ins Visier.
Rusal im Visier
Gegen zwei Tochterunternehmen des Aluminiumgiganten hat Fridman auf Bankrott geklagt. „Wir bewerten solche Handlungen der Alfa-Bank als eine Form von Piratentum, sie richten sich darauf die Tätigkeit des Unternehmens zu destabilisieren“, heißt es in einer Stellungnahme von Rusal dazu.
Das Problem bei diesen Klagen ist, dass sie Deripaskas Verhandlungen mit den anderen Gläubigern torpedieren. Rusal hat rund 20 Mrd. Schulden, ein Großteil davon bei westlichen Banken. Deripaska braucht die Zustimmung aller Gläubiger, um seine Schulden zu stunden. Das westliche Bankenkonsortium ist gesprächsbereit, die staatliche Bank VEB ist es auch – nur der „kleine“ Gläubiger Alfa-Bank ist renitent.
Vorzeitige Auszahlung Fridmans
Noch in der Nacht zum Freitag hat Deripaska daher alle Gläubiger zusammengerufen und um deren Einverständnis gebeten, die Alfa-Bank früher auszuzahlen, um den Konflikt aus der Welt zu schaffen. Nach dem Abnicken hat Rusal der Alfa-Bank die strittigen 74 Mio. USD überwiesen.
Der Konflikt ist damit nicht aus der Welt. Die Alfa-Bank hat noch Forderungen gegenüber anderen Rusal-Töchtern und ist gewillt, diese ebenfalls einzuklagen. Schlimmer noch, der Vize-Präsident der Alfa-Bank Wladimir Tatartschuk kündigte an, weitere Schulden Rusals gegenüber anderen Banken aufkaufen zu wollen, um den Druck auf Deripaska zu erhöhen.
Das Geschäft mit fremden Schulden
Mit dieser Taktik hat die Alfa-Bank im Sommer praktisch den Baukonzern Mirax in die Pleite getrieben. Der Mirax-Group gehören mehrere Projekte in Moskau-City, u.a. der geplante höchste Wolkenkratzer Europas, der Federation Tower. Wegen der Krise im Bausektor wuchsen die Schulden der Mirax Group gegenüber der Credit Suisse auf 241 Mio. USD. Die Alfa-Bank kaufte die Schuldscheine für 60 Mio. USD und begann das Bankrottverfahren.
Das Geschäft mit den fremden Schulden ist lukrativ, zumindest so lange die Alfa-Bank vor russischen Gerichten gewinnt.
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