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Sergej Jastrschembski spielt Feuerwehr im heißen Wortstreit des Wochenendes. (Foto: archiv/.rufo)
Sergej Jastrschembski spielt Feuerwehr im heißen Wortstreit des Wochenendes. (Foto: archiv/.rufo)
Samstag, 23.02.2008

Kosovo: Russland schießt diplomatische Böcke

Moskau. Mit unvorsichtigen Äußerungen zur Kosovo-Frage haben sich am Wochenende der Russland-Vertreter bei der Nato Rogosin und ein Telejournalist von „Rossija“ blamiert. Auch Putin nahm kein Blatt vor den Mund.

Dmitri Rogosin Äußerung, Russland würde zu militärischen Mitteln greifen, sollten Nato und EU im Kosovo gegen die UN-Resolution verstoßen, und seine Vermutung, „die Unabhängigkeit des Kosovo werde aus Mitteln der Drogenmafia finanziert“, stieß beim stellvertretenden US-Außenminister Nicholas Burns auf blankes Entsetzen.

Burns verlangt von Russland, „darauf zu achten, was seine offiziellen Vertreter in der Öffentlichkeit äußern“. Laut Burns habe sich Russland wegen seiner Stellung zum Kosovo international isoliert, führe „eine zynische Politik durch“ und würde „dem Kosovo nur hinderlich sein“. Die russische Führung müsse „die äußerst verantwortungslosen und zynischen Worte seines Botschafters offiziell dementieren“.

Präsidentenberater Sergej Jastrschembski beeilte sich daraufhin, die Wogen zu glätten. Er betonte, das „Kosovo-Problem muss ausschließlich mit friedlichen Mitteln gelöst werden“. Dabei zeigt er sich „stark verwundert“ über Vermutungen in der westlichen Presse, Russland wolle militärische Gewalt anwenden.

Telekanal „Rossija“ verdirbt es sich mit Serbien

Einen weiteren diplomatischen Fauxpas erlaubte sich Freitagnacht der zweite russische Fernsehkanal. Wieder ging es um den Kosovo, aber dieses Mal bekam Serbien „sein Fett ab“. Bei der Beleuchtung der Umstände und Hintergründe um die Ausschreitungen in Belgrad befürwortete ein Fernsehjournalist den 2003 verübten Mord an Zoran Djindjic.

Bei Russland-Aktuell
• Rogosin: Kosovos Unabhängigkeit mit Mafia-Geld bezahlt (22.02.2008)
• Kosovo: Russland stellt sich voll hinter Belgrad (18.02.2008)
• Putin – Abschieds-Konferenz vor 1.300 Journalisten (14.02.2008)
Der damalige Premierminister sei „eine Marionette des Westens gewesen, die ihre Kugel gerecht verdient hatte“, erklang es da am Freitag um Mitternacht in der Nachrichtensendung „Westi pljus“, einer Art Zusammenfassung der Wochenereignisse. Und weiter: „Die heutige serbische Führung hat die Helden des serbischen Widerstands an das Tribunal in Den Haag verkauft.“

Das Entsetzen war nun auf Seiten der Serben, die ansonsten doch die treuesten Freunde Russlands sind. Vertreter der serbischen Botschaft in Moskau haben eine Aufzeichnung der besagten Meldung gefordert, verlangen eine offizielle Stellungnahme Russlands und die Entlassung des betreffenden Journalisten.

„Mit dem Knüppel eins auf die Birne“

Soweit die überaus deutlichen Worte. Teil II unseres kurzen Überblicks über die verbalen Breitseiten der russischen Offiziellen ist den metaphorischen Äußerungen dieses Wochenendes gewidmet. Der scheidende Staatschef Wladimir Putin, wollte eigentlich nur sagen, dass die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo für die betreffenden Länder völlig unvorhersehbare Folgen haben kann.

Heraus kam beim informellen GUS-Gipfel aber Folgendes: „Das ist ein Stock mit zwei Enden, und das zweite Ende wird ihnen irgendwann mal eins über die Rübe ziehen!“ Besonders zu Beginn seiner Zeit als Präsident liebte Putin solche gepfefferten Sprüche – wer erinnert sich nicht an den berühmten Spruch mit dem Abort, wo den Terroristen der Garaus gemacht wird…

Putin scheint nun, kurz vor seinem Abschied, zu jener geblümten Ausdrucksweise zurückzukehren. Diese Tendenz bestätigt auch die unlängst abgehaltene Abschiedspressekonferenz im Kreml, wo er den Wahlbeobachtern aus Europa auf ihre Beschwerden hin entgegenhielt, sie sollten „ihren Frauen erst einmal beibringen, Kohlsuppe zu kochen“.

Das Gespenst von 1938 kehrt zurück

Nach solchen Verbalblüten mutet der historische Vergleich von Anatoli Safonow fast archaisch an. Safonow, Sondervertreter des russischen Präsidenten für internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Terrorbekämpfung, sagte am heutigen Samstag, die Lage um das Kosovo schwöre die gleiche Situation herauf wie die Münchner Konferenz von 1938.

Aber auch hier ging es nicht ohne Metaphern ab: „Im Falle des Kosovo ist jetzt der Hahn gespannt, und keiner weiß, wann und was für ein Schuss da fallen wird“, reihte sich Safonow in die aktuelle Riege der Wahrsager ein.

„Schade, dass die Lehren der Geschichte vergessen werden, auch die von München 1938“, so Safonow. Damit meint er offensichtlich den „Kniefall“ des Westens vor Hitler, der im Endeffekt den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beschleunigte.

(Susanne Brammerloh, St.Petersburg)


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