Putin war in seiner Jugend selbst aktiver Judoka. Nun ist er Maskottchen der russischen Olympiamannschaft (Foto: Archiv/.rufo)
Mittwoch, 06.08.2008
Premier Putin als Talisman zu Olympia nach Peking
Moskau. Höher, schneller, weiter. Die russischen Athleten wollen bei Olympia in Peking richtig abräumen. Mittendrin, statt nur beim Sportfernsehen dabei: Premier Putin. Russlands größter Sportfan gilt als Medaillengarantie.
Die letzten Tage waren hart für das russische NOK. Trotz aller Beteuerungen des russischen Anti-Dopingchefs Alexander Derewojedow, dass die Sbornaja sauber sei, wurden kurz vor den Spielen gleich mehrere russische Dopingsünder überführt.
Doping bei der Sbornaja
Zunächst traf es fünf Frauen der Leichtathletik-Mannschaft, darunter echte Medaillenhoffnungen wie Jelena Soboljewa (800 und 1.500m) und Darja Pischtschalnikowa (Diskuswerfen). Sie sollen ihre Dopingproben manipuliert haben, hieß es. Die DNS der abgegebenen Proben stimmte nicht mit ihrer eigenen DNS überein.
Danach traf es drei russische Geher, die auf das Dopingmittel EPO positiv getestet worden waren. Einer der Athleten bereitete sich bereits in Peking auf die Wettkämpfe vor, als der Dopingskandal bekannt wurde.
Putin als Talisman
Doch das alles ist Schnee von gestern, genauso wie der verletzungsbedingte Ausfall der Tennis-Diva Maria Scharapowa. Denn bereits am Wochenende beginnen die Spiele und die größte Medaillenhoffnung ist dabei: Wladimir Putin.
Der Premier gilt als Olympiahoffnung der Russen schlechthin. Zwar wird der Hobby-Judoka nicht selbst um die Medaillen mitringen, doch allein seine Teilnahme an den Spielen gilt als gutes Omen. Schließlich war es nach Ansicht der russischen Medien eben jener Putin, der durch seinen persönlichen Einsatz die Olympischen Spiele 2014 nach Sotschi holte.
Verdienste für den Sport in Russland
Zudem hat sich Putin in seiner Amtszeit tatsächlich einige Verdienste um den russischen Sport erworben. Nach Jahren des Verfalls brachte er dem Sport in Russland viel Aufmerksamkeit entgegen. Die Förderprogramme wurden deutlich ausgebaut.
Die großen staatlichen Konzerne, wie Rosneft, Gazprom (Gasprom) und Rosoboronexport wurden als Sponsoren für den Sport in die Pflicht genommen. Dank des starken finanziellen Engagements konnten neue Trainingsmöglichkeiten geschaffen werden, ausländische Trainer wurden verpflichtet, eigene Stars – sei es im Fußball, Eishockey, Basketball oder Volleyball – wurden zurückgeholt oder gehalten.
Die russischen Vereine konnten Erfolge feiern und auch die Nationalmannschaften waren wieder öfter in Siegerpose zu sehen.
Putins Auftritt in Peking als starker Mann in Russland
Zur Belohnung hat sich Putin nun die Reise nach Peking gegönnt. Er wird der einzige Premier unter etwa 80 Staatschefs und gut einem Dutzend Könige bei der Eröffnung der Olympischen Spiele sein. Allein wird er sich deswegen nicht fühlen, mit den meisten ist er sowieso bekannt.
Dass Putin auch nach seinem Rücktritt als Präsident der starke Mann in Russland ist, davon sind übrigens nicht nur die Russen überzeugt, von denen 36 Prozent Putin als Schlüsselfigur in der russischen Politik sehen, während Präsident Medwedew gerade einmal neun Prozent für die Nummer 1 im Staat halten. Auch US-Präsident Bush wird sich in Peking mit Putin zu einem kurzen Vier-Augen-Gespräch treffen.
Medaillen als Statussymbol
Natürlich spielt die große Politik auch in Peking eine Rolle. Dabei sind es weniger die Treffen am Rande der Olympischen Spiele, als vielmehr Siege und Medaillen, die den Status eines Landes bestätigen sollen.
Russland hat sich seit jeher als Großmacht im Sport verstanden. Und so wird auch Putin in Peking für die Sbornaja fiebern. 75 Medaillen sind Pflicht, heißt es. Insgeheim hofft Moskau, sogar die aufstrebende chinesische Mannschaft hinter sich zu lassen. Da ist es gut, dass das Aufputschmittel Putin auf keiner Dopingliste steht.
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