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| Tom Stoppard bei der Vorstellung seines Bühnenstücks (Foto: stoppard.ru) | |
Dienstag, 30.10.2007
Premiere: Neue Utopie im russischen Theater
Moskau. Rechtzeitig zum Jahrestag der Oktoberrevolution wartet der berühmte britische Dramatiker Tom Stoppard in Moskau mit einem Theaterstück über revolutionäre Utopien auf. Revolutionär auch die Spieldauer: Neun Stunden.
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Mit einer großen Premiere startet die russische Theatersaison. Die Trilogie „Bereg Utopii” („Ufer der Utopie”) führt die Begründer russischer revolutionärer Ideen aus dem 19. Jahrhundert auf die Bühne.
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Der Drehbuchautor vom „Ufer der Utopie” ist der britische Bühnendichter Tom Stoppard, der u.a. das Drama „Rosenkranz und Güldenstern sind tot” sowie das Drehbuch zum Film „Shakespeare in Love” geschrieben hat. In den letzten zwei Jahren war er mehrfach in Moskau, um bei den Aufführungen im Russischen Jugendtheater (RAMT) selbst mitzuwirken.
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Zeitgenossen von Puschkin und Marx
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Im Zentrum des Theaterstücks stehen die Literaten und Denker des 19. Jahrhunderts Iwan Turgenjew, Alexander Herzen, Michail Bakunin, Wissarion Belinski und viele andere, deren Denken die weitere Entwicklung der Gesellschaft Russlands beeinflusst hat.
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| Das Stück vermittelt Eindrücke aus dem Privatleben der Vordenker der Revolution (Foto: stoppard.ru) | |
Das neunstündige Stück ist aber keine Geschichte der ideologischen Polemik zwischen den Zeitgenossen und Bekannten Puschkins . Stoppard zeigt mehr ihr Privatleben, das ihren Idealen mitunter sogar zuwider läuft.
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Die Handlung spielt sich dabei nur im ersten Teil der Trilogie in Russland ab. Aus dem Dorf Prjamuchino im Moskauer Vorort treibt es die Helden in die europäischen Metropolen Paris, Berlin und London, nach Genf und Nizza.
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Weniger für Russland, mehr für England gedacht
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Das 2002 geschriebene „Ufer der Utopie” („The Coast of Utopia”) wird bereits in London und New York gespielt. An der zweijährigen Arbeit des Regisseurs Alexej Borodin an der russischsprachigen Version hat der britische Dramatiker ebenfalls teilgehabt.
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„Für mich ist es ein Glück, Das Ufer der Utopie in dem Land, über das es eigentlich erzählt, aufgeführt zu sehen”, sagte Stoppard bei der Uraufführung im RAMT Anfang Oktober, bei der viele Vertreter der Moskauer Prominenz, darunter auch der ehemalige Kulturminister und jetzige Leiter der Agentur für Kultur und Filmwesen, Michail Schwydkoi, anwesend waren.
Trotz der engen Auseinandersetzung mit der russischen Geschichte sei aber das Werk vielleicht sogar mehr an Großbritannien und Europa gerichtet, meint Stoppard. „Dort standen die traditionellen liberalen Werte noch nie vor solch einer Herausforderung wie heute, noch nie war die Spannung zwischen Reichtum und Armut so groß” sagte der 70-Jährige während der Veranstaltung.
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Kein Essen im voraus nötig…
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Das neue Stück wird nun im Jugendtheater RAMT am Teatralnaja Platz jeden Samstag gespielt. Der Theaterbesuch soll allerdings einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Alle drei Teile des Werks, „Die Reise”, „Der Schiffsbruch” und „Die Rettung” werden gleich nacheinander zwischen zwölf und 22 Uhr vorgestellt.
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Theaterliebhaber brauchen allerdings keine Angst vor dem Hungertod in der mehrstündigen Veranstaltung zu haben, meinen die RAMT-Mitarbeiter. In den fünf Pausen werde im Foyer für Imbiss und Unterhaltung gesorgt.
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Ein warmes (wenn auch verspätetes) Mittagsessen wird in der großen Pause zwischen 18:00 und 19:00 Uhr angeboten. In den Nachbarstraßen gibt es ebenfalls viele Restaurants. Wenn man seine Theaterkarte im Café „Sseno” in der Kamergerski Straße vorzeigt, bekommt man sogar einen zehnprozentigen Nachlass.
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…auch keine Vorkenntnisse
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Auch das ernste Thema soll keine Vorbereitung verlangen. Sir Stoppard, der selbst fünf Jahre lang die Biographien seiner Helden studiert hatte, versicherte kurz vor der Premiere persönlich, die Zuschauer bräuchten keine Nachschlagebücher vor dem Besuch zu wälzen. Die 35 Jahre aus dem Leben der russischen Utopisten werden gemeinsam miterlebt.
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Stoppard bereits mit zweitem Kassenschlager in Moskau
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Der Dramatiker Stoppard interessiert sich für Russland bereits seit langer Zeit. In seinen Stücken tauchen oft Namen aus der russischen Geschichte auf, in einigen Drehbüchern, darunter zum Beispiel „Dem Russland-Haus” (in der Verfilmung mit den Hollywood-Superstars Sean Connery und Michelle Pfeiffer besetzt) setzt er sich mit dem Land noch näher auseinander.
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In Russland selbst, wo Stoppard seit den 70er Jahren schon mehrmals zu Besuch war, ist er ebenfalls gut bekannt. Sein berühmtes Drama „Rosenkranz und Güldenstern sind tot” existiert im Russischen in einer Übertragung des Dichters Joseph Brodski. Das Stück ist seit Jahren ein Kassenschlager im Majakowski-Theater.
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Anna Kurizina/.rufo/Moskau
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