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Vlies-Mäzen Rjabuschinski vor seiner Symbolfigur (Foto: ak/rufo)
Vlies-Mäzen Rjabuschinski vor seiner Symbolfigur (Foto: ak/rufo)
Montag, 17.03.2008

Retro-Ausstellung aus dem Avantgarde-Schrein

Moskau. In der Tretjakow-Galerie werden russische und französische Symbolisten ausgestellt. Dabei wollen die Organisatoren weniger deren Werke zeigen, als eine Ausstellung, wie es sie vor 100 Jahren gab, nachbilden.

Gleich am Eingang in den Ausstellungssaal im Krymski Wal trifft der Besucher auf zwei mannshohe Figuren: Ein nach der Mode der Jahrhundertwende-Zeit gekleideter Herr mit Melone und Gehstock schaut den Hereinkommenden entgegen, links hinter ihm lauert ein Halbnackter mit Schwert, Lanze und einem altgriechischen Helm auf dem Haupt.

Der erste ist der Mäzen und Laienmaler Nikolaj Rjabuschinski. 1906 startete er in Moskau die Kunstzeitschrift „Goldenes Vlies“, um die neue französische Kunst und deren einheimische Anhänger vorzustellen. Auf dem Umschlag einer der ersten Ausgaben prangte, umgeben von goldenen Vignetten, ein Argonaut. Jener, der Rjabuschinski in der heutigen Ausstellung begleitet.

Französische Meisterwerke der Jahrhundertwende kehrten zu der Ausstellugn nach Moskau zurück (foto: ak/rufo)
Französische Meisterwerke der Jahrhundertwende kehrten zu der Ausstellugn nach Moskau zurück (foto: ak/rufo)

"Journal artistique, litteraire et critique"


Die „künstlerische, literarische und kritische Zeitschrift ‚Goldenes Vlies’“ wurde dank der großzügigen, wenn nicht gar unbesonnenen Finanzierung Rjabuschinskis schnell zu einem Schaufenster der russischen Avantgarde.

Auf den fast tischgroßen Seiten wurden erstmals Werke von Wrubel, Bakst, Benua, Roerich, Petrow-Wodkin und Kontschalowski popularisiert. Jedoch räumte der begeisterte Spender und zugleich Chefredakteur vielleicht noch mehr Platz für Abdrucke der Franzosen ein: Matisse, van Gogh, Maurice Denis, Gauguin.

„Goldenes Vlies“ war von ihm im Prinzip als ein Vergleich zwischen der russischen und der französischen symbolistischen Schule gedacht. In den ersten zwei Jahren erschien die Zeitschrift zweisprachig. Hier wurden sogar Dichtungen des Symbolisten Konstantin Balmont ins Französische übersetzt.

Erste große Ausstellung der französischen Schule


Mit der aufwendigen Herausgabe des reichlich verzierten Heftes endete die Aktivität des Mäzens nicht. Er organisierte auch eine ganze Reihe von Ausstellungen. Die bedeutendsten waren die „Blaue Rose“ von 1907 und der „Salon des Goldenen Vlieses“, die ihre Türen im April 1908 öffnete.

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Ihr Ziel war es, die Auslese der „Vlies“-Ausgaben zu widerspiegeln. Ob aus privaten Sammlungen in Russland oder direkt aus Frankreich, Rjabuschinski holte dafür auch die meisten französischen Meisterwerke nach Moskau.

„Ihre faktisch erste große Ausstellung konnten die französischen Avantgardisten in Moskau im April 1908 feiern“ meinten Galeriemitarbeiter bei der Ausstellungseröffnung. Auf dieses runde Datum hat die Tretjakow-Galerie nun ihre Veranstaltung platziert.

Inkompatibel mit der sowjetischen Ideologie


Nach ihrem Aufschwung existierte die Zeitschrift jedoch nicht mehr lange. Bereits in den ersten sowjetischen Jahren wurde sie für bürgerlich und „inkompatibel mit der sowjetischen Ideologie“ erklärt und verboten. Die vergeuderische Gestaltung hatte allerdings den Spender schon gegen 1910 pleite gehen lassen.

Den tatsächlichen Umfang von Rjabuschinkis Bemühungen konnten erst die Organisatoren der Ausstellung „Salon Goldenes Vlies-2008“ einschätzen. Viele Gemälde fanden inzwischen neue Besitzer und standen nicht mehr zur Verfügung. Anderen mussten aus den Beständen mehrerer Moskauer und Petersburger Museen sowie Privatsammlungen geholt werden.

Van Dongens "Dame mit schwarzem Handschuh"
Van Dongens "Dame mit schwarzem Handschuh"
Vieles von damals ist jedoch dabei. Vertreten sind fast alle russische Symbolisten, darunter sowohl ihre Gemälde als auch modernistische Entwürfe zu Bühnenbildern. Es gibt außerdem eine rare Sammlung von Porträts der Dichter des „Silbernen Jahrhunderts“. Sie prägten das Bild, das man heute von Alexander Block, Konstantin Balmont oder dem Dramaturgen Wsewolod Mejerhold hat.

Besondere Aufmerksamkeit erregen auch dieses Mal wieder die französischen Meister, obwohl sie heute nicht so zahlreich wie damals von Rjabuschinski vorgestellt werden. So etwa Kees van Dongens „Dame mit schwarzem Handschuh“. Einen Teil der Exposition nehmen auch Original-Ausgaben der Zeitschrift „Goldenes Vlies“ selbst ein.

Die Veranstaltung im „Zentralen Künstlerhaus“ läuft noch bis zum 11. Mai.



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