Gerhard Schröder ist nur einer von 56 Staatschefs in Moskau, die Putins Einladung folgten (Foto: Hannover Messe)
Donnerstag, 05.05.2005
Bush wohnt in Moskau am teuersten
Moskau. Nach dem neuesten Kenntnisstand kommen 56 Staats- und Regierungschefs zur Siegesfeier nach Moskau. Nur die Präsidenten von Litauen und Estland und der Nordkoreaner Kim Jong Il bleiben zu Hause.
US-Präsident George W. Bush muss von allen die höchste Hotelrechnung begleichen. Für 136 Quadratmeter im Mariott Grand Hotel an der Moskauer Hauptstraße Tweskaja wird er 2.250 USD pro Übernachtung hinblättern müssen. Im Schlafzimmer steht ein Kingsize-Bett. Das Appartement hat einen Kaminsaal, einen Verhandlungsraum sowie zwei großzügig dimensionierte Toiletten- und Baderäume.
Selbst jetzt tun allerdings die Bediensteten im Mariott Grand Hotel so, als wüssten sie nicht, wer bei ihnen wohnen wird. Auch die Unterbringung der anderen prominenten Gäste wurde bisher aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.
Die „Komsomolskaja Prawda“ lüftete allerdings die Geheimnisse.
Hu Jintao schätzt altertümliche Atmosphäre
Bisher wusste man nur ziemlich genau, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder wie immer im Hotel Baltschug-Kempinski an der Moskwa schräg gegenüber dem Kreml absteigen wird. Dank der Boulevard-Zeitung erfahren die Moskauer jetzt auch, dass ihm dort ein vier Quadratmeter großes Bett zur Verfügung steht.
Der chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao hat zusammen mit seiner Delegation das altehrwürdige Hotel Metropol belegt. Mit 2.000 USD pro Übernachtung wohnt er zwar deutlich enger, aber nur wenig billiger, als der US-Präsident. Der chinesische Führer schätze die besondere Atmosphäre des 1905 erbauten Hauses, heißt es. Last but not least: Es bietet original chinesische Küche.
Russisches Bier für französischen Präsidenten
Der französische Präsident Jacques Chirac wohnt für 1.500 USD pro Nacht im Hotel National am Anfang der Twerskaja am Kreml – wo auch schon Lenin und Churchill nächtigten. Zwar stehen Chirac nur 85 Quadratmeter zur Verfügung, dafür kann er aber einen herrlichen Blick auf den Kreml genießen. Anders als sein amerikanischer Kollege bringt er keinen eigenen Koch mit. Chirac liebt die russische Küche und sogar russisches Bier.
Es ist bis heute ein Rätsel, wie und wo Moskaus Stadtväter fast 60 standesgemäße Luxusappartements für alle Staats- und Regierungschefs auftreiben konnten. Bisher war man überzeugt, dass es so viele in der russischen Hauptstadt gar nicht gibt.
Die mit Abstand größte Delegation haben mit rund 400 Mitgliedern die Amerikaner. Mit fünf Flugzeuge werden sie nebst dem Autokonvoi des Präsidenten Bush nach Moskau gebracht. Hohen Gästen, die keine eigenen Autos mitbringen, steht die „Spezialgarage“ des russischen Föderalen Wachdienstes zur Verfügung.
Die kleinsten Delegationen begleiten den UNO-Generalsekretär Kofi Annan und die lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga. Dem UNO-Chef stehen nur 15 Begleiter zu. Ursprünglich wollte Vike-Freiberga der russischen Siegesfeier ganz fernbleiben, überlegte es sich aber dann doch kurzfristig anders. Die beiden kommen auch mit normalen Linienmaschinen nach Moskau.
Georgien und Ukraine gehen eigene Wege
Nach Angaben der „Komsomolskaja Prwada“ hat der georgische Präsident Michail Saakaschwili immer noch nicht entschieden, ob er kommt. Der Ukrainer Viktor Juschtschenko wird nur am 8. Mai und am Vormittag des 9. Mai in Moskau sein. Den 60. Jahrestag des Sieges über Hitlerdeutschland will er nach eigenen Worten am 9. Mai zusammen mit seinem Volk in Kiew feiern. Die Welt verdanke den großen Sieg den Ukrainern nicht weniger als den Russen.
Das Pikante an der Situation in Kiew ist, dass Juschtschenko Veteranen der Roten Armee und Angehörige der westukrainischen Hilfstruppen der Wehrmacht an einen Tisch setzen will.
(adu/.rufo)
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