Bei dem Beschuss wurden acht Häuser beschädigt (Foto: Erster Kanal)
Donnerstag, 10.11.2005
Dorf in Tschetschenien versehentlich beschossen
Moskau. Sechs Personen wurden verletzt, als die russische Armee die tschetschenische Ortschaft Starye Atagi bombardierte. Das Dorf sei mit einer Separatistenbasis verwechselt worden, entschuldigte sich das Militär.
Zwölf Geschosse, abgefeuert aus Granatwerfern, schlugen gegen halb drei Uhr morgens in dem friedlich schlafenden Dorf ein. Acht Häuser wurden zerstört, sechs Personen – ein Mädchen, vier Frauen und ein Mann – verletzt. Der Zustand der Achtjährigen wird als ernst bezeichnet.
Zufälliger Beschuss?
Das Militär hat sich inzwischen für das Versehen entschuldigt. Das Artilleriefeuer sei eigentlich gegen eine Separatistenbasis gerichtet gewesen. Beim Abschuss habe man wohl die Koordinaten verwechselt, teilte der Militärkommandant von Tschetschenien, Grigori Fomenko, mit. Der Chef des Militärbezirks Grosny, Anatoli Guskow, bezeichnete den Beschuss als „reinen Zufall“.
Der Vorfall hat heftige Reaktionen bei der tschetschenischen Republikführung ausgelöst. „Es kann nicht sein, dass zufällig zwölf Schuss aus einem Minenwerfer abgefeuert werden“, entgegnete ein Regierungsvertreter auf die Worte Guskows. Der Verwaltungschef von Starye Atagi, Wachid Gadajew, erhob weitere schwere Vorwürfe: „Ich glaube, dass es überhaupt keine Notwendigkeit für das Artilleriefeuer gab. Die Militärs machen das häufig, wenn sie betrunken sind, und leider werden sie viel zu selten dafür bestraft.“
Eine Bestrafung forderte zumindest in diesem Fall Präsident Alu Alchanow. Er kündigte eine genaue Untersuchung an. „Es müssen alle Maßnahmen getroffen werden, um die Schuldigen für das Geschehene zu finden und zur Verantwortung zu ziehen”, forderte Alchanow. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Strafanzeige gestellt.
Die Menschenrechtsorganisation „Memorial” hingegen teilte mit, dass solche Vorfälle keinen Seltenheitswert in Tschetschenien haben. Der letzte Vorfall dieser Art habe sich erst im Oktober ereignet, berichtete Memorial. Damals sei es glücklicherweise unblutig abgegangen.
Nicht die ersten Opfer in Starye Atagi
Im Jahr 2002 gab es in der Ortschaft Starye Atagi schon einmal einen blutigen Zwischenfall. Nachdem Extremisten in der Ortschaft vier Geheimdienstoffiziere getötet hatten, wurde das Dorf einer scharfen “Säuberungsaktion” unterzogen. Dabei kamen vier Bewohner ums Leben, zwölf gelten bis heute als vermisst. Während die Armee die Aktion als Schlag gegen die Terroristen wertete, sagten die Bewohner von Starye Atagi aus, dass es sich bei den Opfern um Zivilisten gehandelt habe.
Nach heftigen Protesten nahm sich der damalige tschetschenische Präsident Achmed Kadyrow der Sache an und versprach, eine objektive Aufklärung. Bis heute wurde allerdings niemand zur Rechenschaft gezogen.
(ab/.rufo)
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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)