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Die russischen Ermittler wollen Beresowski im Litwinenko-Fall ausfragen (Foto: Djatschkow/.rufo)
Die russischen Ermittler wollen Beresowski im Litwinenko-Fall ausfragen (Foto: Djatschkow/.rufo)
Dienstag, 16.01.2007

Litwinenko-Fall: Russen wollen Beresowski befragen

Moskau. Die russische Generalstaatsanwaltschaft will im Litwinenko-Fall den Exil-Oligarchen Boris Beresowski in London verhören. Scotland Yard will dagegen noch einmal nach Moskau, um die Untersuchungen fortzusetzen.

„Wir schließen nicht aus, dass das Verbrechen von russischen Staatsbürgern verübt wurde, die im Ausland leben“, sagte Russlands Generalstaatsanwalt Juri Tschaika. Daher wollen die russischen Ermittler nach London reisen, um dort u.a. den tschetschenischen Emissär Achmed Sakajew und den Exil-Oligarchen Boris Beresowski zu befragen. Beide galten als Vertraute des übergelaufenen FSB-Agenten Alexander Litwinenko, der im November 2006 an einer Polonium-Vergiftung starb.

Allerdings versicherte Tschaika, dass Beresowski nur wegen des Attentats auf Litwinenko befragt werden solle. Die russische Staatsanwaltschaft wirft dem Exil-Oligarchen darüber hinaus Betrug und einen versuchten gewaltsamen Staatsumsturz vor. Alle Auslieferungsanträge der russischen Behörden wurden in der Vergangenheit jedoch stets von London abgelehnt.

Russland will an Newslin heran


Auch den in Israel lebende Yukos-Großaktionär Leonid Newslin will die russische Generalstaatsanwaltschaft verhören. Gleichzeitig teilte Tschaika mit, dass seine Behörde versuche, dem russischen Milliardär die israelische Staatsbürgerschaft entziehen zu lassen:

Bei Russland-Aktuell
• Litwinenko-Mord: Scotland Yard sucht nach Phantom (29.12.2006)
• Moskau verdächtigt Newslin im Fall Litwinenko (28.12.2006)
• Litwinenkos Informant Scaramella festgenommen (25.12.2006)
• Steinmeier fordert Aufklärung von Litwinenko-Mord (21.12.2006)
• FSB ortet Spione bei ausländischen Medien und NGOs (20.12.2006)
„Wir haben Beweise, dass Newslin die israelische Staatsangehörigkeit auf unrechtmäßige Weise erlangt hat. Mit Hilfe eines israelischen Anwalts wollen wir ihm auf gerichtlichem Weg die Staatsangehörigkeit des Landes entziehen.“ Moskau hatte Ende Dezember die These aufgestellt, dass Newslin hinter dem Anschlag auf Litwinenko stecke.

Scotland Yard reist erneut nach Moskau


Die Ermittler von Scotland Yard gehen offenbar einer anderen Spur nach. Sie wollen noch einmal in die russische Hauptstadt reisen, um weitere Befragungen vornehmen zu können. „Buchstäblich gestern haben wir eine Ermittlungsanfrage von unseren britischen Kollegen bekommen, in der sie darum bitten, noch einmal kommen zu können, gemeinsam zu arbeiten und Materialien auszutauschen“, bestätigte Tschaika die Anfrage von Scotland Yard.

Allerdings wollte der Generalstaatsanwalt zuerst einmal die eigenen Ermittler in London sehen, danach könne es gut sein, „dass wir unsere Kollegen hier empfangen“. Bei der ersten Reise nach Moskau war Scotland Yard u.a. bei der Befragung der russischen Geschäftsleute Andrej Lugowoi, Dmitri Kowtun und Wjatscheslaw Sokolenko anwesend. Die drei hatten sich mit Litwinenko am 1. November getroffen, dem Tag, an dem Litwinenko vermutlich vergiftet wurde. Die Fragen stellten allerdings russische Ermittler. Die britischen Behörden hatten die Zusammenarbeit damals als „zufriedenstellend“ bezeichnet.

Litwinenko selbst hatte auf seinem Totenbett Russlands Präsident Wladimir Putin für den Anschlag verantwortlich gemacht. Wer letztlich hinter dem Attentat auf den Kremlkritiker steckt, bleibt aber weiter unklar.

(ab/.rufo)


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