Die nächsten 30 Jahre werden auf dem Petersburger Flughafen Fachleute aus Frankfurt Regie führen (Foto: ld/.rufo)
Freitag, 26.06.2009
Airport Frankfurt übernimmt SPB-Flughafen Pulkovo
St. Petersburg. Ein Konsortium aus der russischen Bank VTB, dem deutschen Airport-Betreiber Fraport und einem griechischen Partner hat den Zuschlag zum Umbau und Betrieb des Peterburger Flughafens Pulkovo bekommen.
Die Stadtverwaltung wählte am Donnerstag unter den verbliebenen drei Geboten den zukünftigen Flughafenbetreiber aus.
Neben dem VTB-Fraport-Konsortium mit dem klangvollen (übersetzten) Namen „Luft-Tor der Nördlichen Hauptstadt GmbH“ waren auch eine Partnerschaft aus Gazprombank, Strukturen des Petersburger Bankiers Juri Kowaltschuk sowie dem Wiener Airport und eine Gespann der Deripaska-Holding „Basowoj Element“ mit dem Flughafen Singapur zu der Ausschreibung angetreten.
Investoren-Wettbewerb nach Punkteschema
Die Bewerbungen wurden nach einem Punkteschema beurteilt – wobei sich die Stadtverwaltung zu Gute hält, dass es einen so fairen und bis zuletzt spannenden Wettbewerb unter Investoren für ein großes staatlich-privates Gemeinschaftsprojekt in Russland noch nie gegeben habe.
Die VneschTorgBank VTB, Fraport und ihr griechischer Partner Horizon Air Investments (sie gehört zur Copelouzos Group eines gleichnamigen griechischen Geschäftsmannes, der seit den 90er Jahren untern anderem gemeinsam mit Gazprom Erdgas nach Griechenland importiert) überzeugten den Smolny dabei vor allem durch den Finanzierungs-Teil ihres Gebotes.
Neues Terminal nach britischem Entwurf
Die geplanten Investitionen von etwas über 1 Mrd. Euro werden von der staatlichen VTB beigebracht, die ihrerseits bereits Finanzierungszusagen von der EBRD, der Citigroup und der russischen VneschEkonomBank (VEB) vorliegen hat. Etwa ein Drittel der Investitionen entfallen auf den Bau eines neuen Terminalgebäudes neben dem heutigen Abfertigungsbau Pulkovo-1, das 2013 fertig werden soll. Das gegenwärtige internationale Terminal Pulkovo-2 wird dann still gelegt.
Für den Neubau wurde bereits 2007 bei einem Architekturwettbewerb ein Projekt des britischen Büros „Grimshaw and Partners“ ausgewählt. Die Frankfurter Flughafenbetreiber-Gesellschaft Fraport übernimmt den fachlichen und technischen Teil der Flughafen-Renovierung und des Betriebs.
Lizenzdauer 30 Jahre - und die Stadt kassiert mit
Im November soll der Vertrag mit dem Konsortium unterzeichnet werden, der diesem den Flughafen ab 2010 für 30 Jahre zur Bewirtschaftung überlässt. Besonders gefiel der Stadtverwaltung dabei der Passus, dass die zukünftigen Betreiber der Stadt 11,5 Prozent ihres jährlichen Gewinns abführen werden – zusätzlich zu den regulären Steuerzahlungen.
Gegenwärtig ist der Flughafen Pulkovo mit 7,1 Millionen Passagieren (2008) der viertgrößte russische Flughafen nach den drei Moskauer Airports. Durch den Ausbau soll er für eine Kapazität von 17,5 Millionen Fluggästen fit gemacht werden.
Fraport AG: Pulkovo wird zum Hub ausgebaut
"Wir wollen mit unserem weltweit anerkannten Know-how den Flughafen Pulkovo als Hauptverkehrs-Knotenpunkt in einer der beliebtesten russischen Touristenregionen und einem stetig wachsenden russischen Luftverkehrsmarkt ausbauen und betreiben", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Fraport AG, Prof. Dr. Wilhelm Bender bei der entscheidenden Sitzung in St. Petersburg. Fraport ist schon jetzt an zahlreichen Flughäfen im In- und Ausland, vor allem im arabischen Raum und in Ostasien, beteiligt.
Der Pulkovo-Ausbau scheint damit das bislang einzige der Milliarden-schweren Petersburger Architektur- und Investitionsprojekte zu sein, das – trotz Krise – zügig vorankommt:
Das ursprüngliche Projekt für das Opernhaus Mariinski-II ist inzwischen geplatzt, in Neu-Holland tut sich gar nichts, der Gazprom-Wolkenkratzer „Ochta-City“ steht weiterhin nur auf dem Papier (wofür viele in der Stadt dankbar sind), das zentrale Markt-Areal Apraxin Dwor harrt noch immer auf seine Wiedergeburt als Business-Zone und auch der Bau der privat finanzierten Maut-Stadtautobahn SSD liegt krisenbedingt auf Eis und wird jetzt staatlich finanziert stückweise vorangetreiben.
Konkret gebaut wird in St. Petersburg von allen angekündigten architektonischen Wunderwerken der letzten Jahre nur am neuen Fußballstadion für "Zenit" auf der Kreuzinsel - aber auch dies in einer abgespeckten Version.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)