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Maria Iwanowa am Blüthner-Flügel (Foto: Ballin/.rufo)
Maria Iwanowa am Blüthner-Flügel (Foto: Ballin/.rufo)
Samstag, 15.12.2007

Blüthner gehört zum guten Ton in Russland

Moskau. Das Prädikat „Made in Germany“ hat in Russland einen guten Klang. Um so mehr, wenn es sich um den sächsischen Klavierbauer „Blüthner“ handelt. Das Geschäft der Leipziger blüht in Russland.

In den vergangen vier Jahren ist der Umsatz auf das Vierfache gestiegen. „In diesem Jahr haben wir etwa 200 Instrumente verkauft“, berichtet Maria Iwanowa, die Generaldirektorin der Blüthner-Filiale in Moskau. Die gelernte Pianistin leitet das Geschäft seit der Eröffnung der Niederlassung vor vier Jahren.

Davor war sie über zehn Jahre in Deutschland. Bei einem Solokonzert 1993 in Leipzig lernte sie auch die Blüthners kennen. „Sie haben mich später dann mehrfach eingeladen, spezielle Klavierkonzerte auf ihren Instrumenten zu geben“, erzählt sie.

Risiko hat sich gelohnt



Als Christian Blüthner, der Geschäftsführer des Familienbetriebs, beschloss, das mit der Wende eingeschlafene Russland-Geschäft wieder zu erwecken, bat er Iwanowa, ihm dabei zu helfen. Sie sagte zu. Damals sei es ein riskanter Schritt gewesen, sich im nicht gerade billigen Moskauer „Haus der Musik“ einzumieten, gesteht Iwanowa. Doch das Risiko hat sich gelohnt.

Das seit der Krise 1998 andauernde rasante Wirtschaftswachstum in Russland hat Privatleuten und Staat in den letzten Jahren eine größere finanzielle Bewegungsfreiheit verschafft. Allein in diesem Jahr soll das BIP um 7,3 Prozent wachsen.

Deutsche Unternehmen in Russland erfolgreich


Davon profitieren auch deutsche Unternehmen. 4.500 deutsche Firmen seien auf die eine oder andere Weise in Russland aktiv, teilt Jörg Hetsch, Vorsitzender des Verbands der Deutschen Wirtschaft in Russland, mit. Die Aussichten auf Erfolg seien gut, denn „in Russland ist man traditionell sehr deutschfreundlich“, fügt er hinzu.

Edelweiß oder nussfarben? Ein Blüthner-Flügel kann auch passend zum Design des Hauses gewählt werden (Foto: Ballin/.rufo)
Edelweiß oder nussfarben? Ein Blüthner-Flügel kann auch passend zum Design des Hauses gewählt werden (Foto: Ballin/.rufo)
Blüthner spürt dies deutlich. Da inzwischen auch wieder Geld im Kulturhaushalt da ist, bestellen immer mehr staatliche Konservatorien und Musikschulen einen neuen Flügel, um die oft veralteten Instrumente auszutauschen. Oft ist eine Bedingung in den Ausschreibungen, dass es sich um ein deutsches Instrument handeln müsse. Qualität aus Deutschland wird in Russland hoch geschätzt.

Zudem wächst der Wohlstand der Bevölkerung – wenn auch langsam. Nicht nur die superreichen Oligarchen, die in den 90er Jahren im Zuge der „Wildost“-Privatisierung vor allem der russischen Öl- und Gaswirtschaft ein Vermögen machten, sondern auch immer mehr Mittelständler können sich inzwischen teure Autos, exotische Reisen oder eben einen Blüthner leisten.

Russen zeigen gerne ihren Luxus


Und in Russland ist es in, seinen Luxus zu demonstrieren. Auf dem Nowy Arbat im Zentrum Moskaus tummeln sich mehr BMW und Mercedes-Luxusmaschinen als am Kudamm in Berlin. Sogar eine eigene Messe für Millionäre gibt es in der russischen Hauptstadt. Die im November laufende „Millionaire Fair“ mit Luxusgütern aller Art vom goldenen Handy über teure Zigarren und Uhren bis hin zu Luxushotels, Edelkarossen, Yachten und italienischen Möbeldesignern bietet alles für den gehobenen Geschmack und die gefüllte Geldbörse.

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Auch Blüthner nimmt an der Messe teil, denn Privatleute zählen inzwischen vermehrt zur Klientel. Ab 5.000 Euro gibt es ein Klavier bei Blüthner zu kaufen, freilich handelt es sich dabei um die „billigeren“ Irmler-Modelle des Hauses. Für das Mittelklasse-Modell Haessler sind mindestens 10.000 Euro fällig und für einen „echten“ Blüthner muss ein Musikliebhaber bis zu 130.000 Euro zahlen.

Ein Blüthner-Flügel ist mehr als ein Designermöbel


„In der Regel haben die Kunden größere Villen in den Moskauer Vororten und suchen sich ein Instrument entsprechend dem Design ihres Hauses“, erzählt Iwanowa. Doch sie bestreitet, dass die so genannten „neuen Russen“ den Flügel nur zum Protzen kaufen. Russland, das in der Vergangenheit immer wieder Musiker von Weltrang hervorgebracht hat, hat sein Interesse an Kunst und Musik neu entdeckt. Immer noch gibt es 150 Musikschulen in Moskau. Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder zum Klavierunterricht.

Besonders beliebt bei den Russen ist der Blüthner-Flügel „Nikolai II.“, den die Firma erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts im Auftrag des russischen Zaren anfertigte. Mit dem aus edlem Nussholz angefertigten Instrument verbinden viele Russen eine persönliche Beziehung des sächsischen Klavierbauers zu ihrem Land.

Die meisten Kunden stammen aus Moskau, schließlich ist die russische Hauptstadt das uneingeschränkte Zentrum des Landes. 80 Prozent des gesamten russischen Kapitals sind hier stationiert. Doch mitunter muss ein Piano sich auch auf lange Reisen machen. Ein Käufer aus der 3.500 km entfernten Altai-Region bekam seinen „Blüthner“ per Eisenbahnlieferung aus Moskau zugeschickt.

(ab/.rufo/Moskau)


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