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| Friedliches Miteinander beim Fußball-Gucken ist auch in Russland Norm. Foto: newsru.com | |
Mittwoch, 11.06.2008
Euro-2008: Eine Rote Karte für die ARD
Von Susanne Brammerloh, Verden/Aller. Als ob die Misere nicht schon groß genug gewesen wäre nach dem 1:4 gegen Spanien – die ARD machte mit einem geschmacklosen Beitrag im „Nachtmagazin“ aus tiefem Frust große Wut.
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Es ging darum, „Wie die Russen feiern“. Der Tenor: Die hohe Niederlage ist sch…egal, in Innsbruck tanzen und saufen die reichen Russen. Und Abramowitsch war natürlich auch da. Die Reporterin kreischte aufgeregt ins Mikrofon, den dürfe keiner auch nur eine Sekunde drehen, denn sonst würde die Veranstaltung sofort abgebrochen werden.
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Wo sind die 50.000 Russen?
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„50.000 Russen feiern“, hieß es da. Die Fete koste 500 Euro Eintritt. Soll heißen – alle 50.000 hatten sich versammelt, um mit dem Super-Oligarchen eine sündhaft teure Nacht zu verbringen?
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Kann man so dumm und naiv sein? Oder ist das einfach sträflich schlechter Journalismus? Das Fernsehteam hätte nur einmal über die Fanmeile gehen müssen und nachfragen, wer denn wie angereist ist.
Dann wäre schnell klar gewesen – die meisten der Russland-Supporter haben lange gespart für Reise plus Ticket und verbringen die Zeit vor und nach dem Spiel nicht anders als die Fans der anderen Nationen.
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Ein sattsam bekanntes Klischee
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Aber das wäre ja keine „Story“ wert gewesen. Nein, unter Abramowitsch machen wir es nicht. Das wollen die Leute in Deutschland ja anscheinend auch hören und sehen. Dieses Russland-Bild ist vielen lieb geworden.
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Darüber nachzudenken, wie es wirklich aussieht, kostet doch viel zu viele Mühe und Gehirnzellen. Und beides ist nicht sehr zeitgemäß in der Massenspaßgesellschaft, nicht wahr?
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Tausende schreckliche Schläger aus St. Petersburg
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Als ich heute morgen in der Zeitung las, die Bürger von Klagenfurt trauten sich nicht mehr auf die eigene Fanmeile, weil sie Angst vor deutschen randalierenden Rechtsradikalen haben, kam mir eine Erinnerung hoch, die an dieser Stelle so richtig gut das böse Bild abrundet.
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Ich meine die Berichterstattung in deutschen Medien im Vorfeld des UEFA-Pokal-Halbfinals zwischen Bayern München und Zenit St. Petersburg. Da wurde der „gewalttätige Petersburger Hooligan“ an die Wand gemalt, dass einem angst und bange wurde. Dass 3.000 Petersburger friedlich durch München zogen und die Stimmung einfach phantastisch war, wollte hinterher natürlich keiner mehr wissen. Ich weiß es, ich war dabei.
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Raus mit der Wut!
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Ich hätte auch gestern dabei sein können. Es wäre wohl besser gewesen, denn dann hätte ich mir dieses „Nachtmagazin“ nicht antun müssen und hätte die Trauer um das verlorene Spiel stattdessen mit ein paar netten Bürgern meiner zweiten Heimat Russland ertränkt.
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Aber nix für ungut – die Wut auf die einseitigen deutschen Medien gärte schon lange in mir und fand an dieser Stelle ein Ventil. Ich würde der deutschen Medienlandschaft wünschen, sich mal an die eigene Nase zu fassen und im eigenen Hof zu kehren, bevor man andere verleumdet und ewig ins schlechte Licht rückt.
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