Wohin mit den Rubeln? Unter die Matraze oder doch auf die Bank? (foto: ld/rufo)
Dienstag, 07.10.2008
Umfrage: Russische Banken für Geldeinlagen sicher?
St. Petersburg. Der russische Aktienmarkt ist im freien Fall, das einheimische Banksystem leidet an Liquiditätsengpässen. Russland-Aktuell fragte Petersburger Bürger, ob sie ihr Geld noch russischen Banken anvertrauen.
Andrej, Manager bei einer Petersburger Bank
Unsere Banken sind für Einlagen nicht weniger sicher als die europäischen. In Europa haben sie jetzt nach meiner Einschätzung sogar größere Schwierigkeiten, selbst in Deutschland musste die Dresdner Bank verkauft werden. So stark schüttelt es Russland noch nicht. Eine solche Situation, dass die zweitgrößte Bank des Landes zusammenbricht, gibt es hier nicht und wird es nicht geben.
Wjatscheslaw, Unternehmer im Handelssektor
Ich habe meine Einlagen bereits im Sommer zurück genommen, als die Krise erst in der Anfangsphase war. Die Banken haben kein Geld mehr, um Kredite auszugeben, wozu es also noch bei ihnen einzahlen und das Gesparte riskieren? Unser Staat ist schon jetzt nicht mehr zuverlässig und ich zweifle, dass Russland die weitere Krisenentwicklung überstehen wird.
Margarita, Verkäuferin
Infolge der Krise habe ich natürlich kein Vertrauen zu privaten Banken, die staatlichen finde ich aber durchaus sicher. Ich und mein Mann haben einige Spareinlagen in der Sberbank und sind nicht im Begriff, sie in der nächsten Zeit zurück zu ziehen. Solange Putin und Medwedew an der Macht sind, wird auch der Sberbank nichts passieren.
Pawel, Ingenieur
Ich habe noch keine richtigen Geldeinlagen. Neulich wollte ich ein Konto einrichten, wegen der Krise habe mich dazu jedoch nicht entschlossen. Ich glaube nicht, dass unser Bankensystem so sicher ist, wie man es uns sagt. Wenn nicht gleich jetzt, so wird uns die Finanzkrise etwas später sicherlich noch treffen.
Ismail, Dozent der Staatlichen Universität für Technologie und Design
Naürlich sind die Banken in Russland nicht mehr sicher. Ich habe ihnen zwar auch früher nicht viel vertraut, weil unser Bankensystem von Anfang an von Analphabeten geleitet wurde. Jetzt kann man aber endgültig nicht mehr von der “Stabilitätsinsel Russland” reden. In vielen Ländern gilt ein Inflationstempo von 11 Prozent schon als Krisenzustand, und die russische Zentralbank hat jetzt offiziell die Inflationsrate von 12 Prozent mitgeteilt und tut so, als ob das in Ordnung wäre. Unser Volk ist es aber derart gewohnt, arm zu leben, dass es die Krisenfolgen vielleicht auch gar nicht spüren wird.
Swetlana, Chirurgin
Ich habe keine Geldanlagen bei Banken und im Moment auch nicht den Wunsch, etwas anzulegen. Ich vertraue unserem Staat nicht, besonders jetzt.
Walentina, Buchhalterin
Alles hängt von der Bank ab. Ich habe ein Konto bei der Sberbank und keine Angst vor der Krise. Vielleicht schüttelt es noch ein wenig unsere Märkte, die Banken werden es jedoch ruhig überstehen.