Weichensteller: RZD-Vizechef Wadim Morosow und Askar Mamin, der Chef der kasachischen Bahn (Foto: ab/.rufo)
Dienstag, 09.12.2008
Bahn-Gipfel: Kasachstan verzichtet auf Transsib II
Astana. Jahrelang waren die Eisenbahnen Lokomotiven des Wirtschaftsaufschwungs in der GUS. Nun bremst sie die Finanzkrise aus. In Astana beraten die Bahnchefs über Kooperationschancen, um die Krise zu meistern.
Auch im fernen Astana ist der Tod von Patriarch Alexi II. in Moskau spürbar. Der wichtigste Mann des Eisenbahner-Gipfels, RZD-Chef Wladimir Jakunin, war in der russischen Hauptstadt geblieben, um an der Beerdigung teilzunehmen.
Fallendes Güteraufkommen bei den Bahnen
In seiner Abwesenheit hatte Stellvertreter Wadim Morosow nicht nur gute Nachrichten. Im Oktober ist das Güteraufkommen der RZD um 4,4 Prozent gefallen. Wie lange die Krise anhalten werde, könne leider niemand genau sagen, musste er gestehen.
Typisch asiatische Diplomatie demonstrierte hingegen Kasachstans Bahnchef Askar Mamin. „Wir haben in den ersten zehn Monaten einen Zuwachs von rund zehn Prozent erzielt“, hob er hervor, um dann etwas wolkig hinzuzufügen, dass im November die Umsätze „leider ein wenig gefallen“ seien. Am Jahresende rechnet Mamin nämlich nur noch mit einem Wachstum von fünf Prozent.
Während die Flaute für die meisten der Mitglieder des 1520mm-Spurbreite-Bundes neu ist, hat Estlands Bahnchef Kaido Simmerman schon reichlich Erfahrung damit. Durch den „Liebesentzug“ der Russen nach dem sog. „Denkmalstreit“ steckt die estnische Bahn seit über einem Jahr in der Krise. „Doch die Krise ist nicht nur schlecht, sie hilft auch versteckte Reserven aufzudecken und effizienter zu arbeiten“, teilt er nun seinen Erfahrungsschatz mit den anderen.
Kooperation bei der Nutzung von Güter-Waggons
Eine Lehre ist offenbar bei allen Eisenbahn-Gesellschaften schon angekommen. In der Krise muss man enger kooperieren, um die Verluste gering zu halten. Auf dem Gipfel in Astana wurde zwischen der RZD-Tochter „1. Grusowaja Kompania“ und der kasachischen Bahn „Kasachstan Temir Scholy“ ein Kooperationsabkommen über die Nutzung von Güterwaggons unterzeichnet.
Das Abkommen stellt das rechtliche Rahmengerüst für die Beladung der russischen Waggons in Kasachstan. Die fehlende Rechtssicherheit hat bislang zu einer sehr ineffizienten Planung und Beladung geführt. Durch die Beseitigung des Hindernisses hoffen beide Seiten auf eine Verdopplung der Ladezahlen bei diesen Waggons.
Kasachen beerdigen Transeurasische Eisenbahn
Dem guten Verhältnis zu Moskau opfern die Kasachen wohl auch das zukunftsträchtige Projekt einer transeurasischen Eisenbahn von China nach Europa. Entsprechende Pläne zum Bau einer 8.000 Kilometer langen Bahn gibt es seit mehreren Jahren.
Immerhin beläuft sich der Handel zwischen Europa und China auf 700 Mrd. USD. Bislang werden die Waren verschifft oder per Transsib verschickt. Doch die Transeurasische Eisenbahn wäre nicht nur halb so lang wie der Seeweg, sondern immerhin auch 1.000 km kürzer als die Transsib. Zudem sollte die Bahn – laut Plan – nach dem europäischen Schienenmaß (1435 mm) verlegt werden, womit das lästige Umspuren von der russischen Breitspur entfallen würde.
Chinesen und Europäer sind stark an dem Projekt interessiert und bis vor kurzem waren es auch die Kasachen, die sich immerhin einen Transit von 35 Mio. Tonnen auf der Route ausrechnen (Zum Vergleich: 2007 verzeichnete Kasachstan 12,9 Mio. t Transitgüter). Doch das ist Geschichte.
Astana fürchtet Widerstand aus Moskau
„Derzeit führen wir keine Arbeiten an dem Projekt durch“, teilte Arman Sultanow, der für das Projekt zuständige Experte bei der kasachischen Bahn, nun Russland-Aktuell mit. Trotz aller Perspektiven habe Astana andere „Prioritären“, erklärte Sultanow. Die hochfliegenden Pläne liegen also auf (kasachischem) Eis.
Priorität hat in Astana nämlich die Kooperation mit Moskau. Dass Russland wegen der potenziellen Bedrohung für die Transsib dem Projekt von Anfang an feindlich gegenüber stand, ist kein Geheimnis.
Es scheint, dass sich die Moskauer Lobby in Astana durchgesetzt hat – vor allem, da die Kasachen nicht über ausreichend Kleingeld verfügen, um das Projekt allein und möglicherweise gegen den aktiven Widerstand Russlands durchzuziehen.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)