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Der Schneematsch in Kaliningrad im November 2006 war etwas Ungewöhnliches. In Moskau der Normalfall (Foto: Mrozek/.rufo)
Der Schneematsch in Kaliningrad im November 2006 war etwas Ungewöhnliches. In Moskau der Normalfall (Foto: Mrozek/.rufo)
Freitag, 26.01.2007

Russland im unvermeidlichen Endkampf gegen den Schnee

Moskau. Es gilt auch in Moskau die Eiserne Regel: Für Stadtverwaltungen kommt der Winter immer völlig überraschend und Räumgerätschaften stehen nie in ausreichendem Maße zur Verfügung. Darum erklären Bürokraten den Schnee zum Feind der Menschheit.

In Moskau müssen pro Saison 25 bis 36 Millionen Tonnen Schneedreck von den Strassen geräumt werden. Er wird von mobilen Förderbändern auf etwa 1.000 LKW verladen, die ihn dann in die 27 Schneeschmelzanlagen am Stadtrand bringen, wo er entsorgt wird. Schnee von den Strassen Moskaus ist gefährlicher Sondermüll.

Schnee von den Strassen Moskaus ist gefährlicher Sondermüll


Bei Russland-Aktuell
• Moskau stehen kalte Tage bevor (25.01.2007)
• Weltmeer schuldig am warmen und stürmischen Winter (17.01.2007)
Die Moskauer Stadtverwaltung hegt gegenüber Schnee und Winter eine regelrechte Hassliebe. Denn Schnee bringt Stress und Vorwürfe. Andererseits sind aber Tausalz- und Chemikalieneinsatz und dann das anschließende Schneedreckräumen auch ein gutes Geschäft.

Darum erklärt die Stadtverwaltung den Winter und den Schnee zum natürlichen Erzfeind der Menschheit und führt Krieg mit allen Mitteln dagegen.

Unausweichlich ? Der Tod aller Romantik (Foto: Mrozek/.rufo)
Unausweichlich ? Der Tod aller Romantik (Foto: Mrozek/.rufo)
Für das Funktionieren der Megamaschine einer Metropole mit 12 bis 20 Millionen Verkehrsteilnehmern täglich ist das vielleicht auch unumgänglich. Statt den Schnee wenigstens bei stabilem Frost fest zu walzen und mit Sand oder Granulateinsatz befahrbar zu machen, wird er mit Chemie niedergekämpft, bis er in Gestalt knietiefer Matschströme am Straßenrand liegt.

Es ist der Tod aller Romantik und jedweden Schuhwerks – was die Massen der Verkehrsteilnehmer vermuten lässt, dass die Bürokratentheorie vom feindlichen Charakter des Schnees vielleicht doch stimmt.

Aber manchmal siegt die Natur doch


Aber manchmal siegt die Natur doch. Dann gibt es soviel Schnee, dass tagelang die Stadt ein weißes Paradies wird und die Moskauer erzählen untereinander noch jahrelang davon. Zumindest die Sorte von Moskauern, die sonst auch gerne in die Parks zum Skilaufen zieht.

Bei Russland-Aktuell
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• Russlands Orthodoxe Kirche will um Schnee beten (18.01.2007)
• Ist Russland als schneefreie Zone auch Russland? (10.01.2007)
• Rekordhitze in Russland: General Winter verschollen (15.12.2006)
• Golfstrom schaltet ab, neue Eiszeit beginnt bald (23.01.2006)

Es gibt in Moskau trotz aller Anstrengungen der Baukonzerne noch einige Naturreste und Parks, in denen man wunderbar Skilaufen kann. Langlauf oder sogar kurzen Abfahrtslauf mit Skilift. An den Sperlingsbergen mitten in Moskau gibt es sogar eine olympische Skisprungchance mit Blick auf den Kreml, gebaut vor einem Vierteljahrhundert.

Es gibt auch unzählige Schlittschuhbahnen auf den Hinterhöfen. Der Spaß funktioniert aber nur, wenn das Wetter und der Winter auch mitspielen. In diesem Jahr herrschte bis vor ein paar Tagen Hamburger Wetter, aber die neue Kunsteisbahn direkt am Leninmausoleum auf dem Roten Platz war trotzdem gut befahrbar.

Das dort – oder beim Kampf gegen die Schneemassen - verdiente Geld lässt sich am besten auf Alpenpisten demonstrieren, solange es sie noch gibt. Zur Not kommen auch die Skipisten rund um Putins Bergdatscha bei Sotschi in Frage.

Erst der globale Klimawandel könnte eine finale Lösung des Problems bringen

Derweil fahren in Moskau die einen 10 Millionen wie immer Metro und stapfen dann den Rest des Weges zur Arbeit schimpfend oder still leidend durch Matsch und Dreck. Und die anderen 2 Millionen trotzen allen Warnungen vor Staus, steigen stolz in ihren eigenen Salon-Jeep mit Sommerreifen, rutschen gegen eine Leitplanke oder bleiben in den Staus stecken, die sich trotz Tausalz und Chemikalieneinsatz überall bilden.

Erst der globale Klimawandel könnte eine finale Lösung des Problems bringen.

Von Dankwart Dahl, Moskau (td/.rufo)

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