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Weltkulturerbe Kolomenskoje




Mehr als ein Freilicht-Museum

UNESCO-Welterbe, Freilichtmuseum, Großstadt-Oase, Vergnügungspark – das ist das Park-Ensemble von Kolomenskoje. Einst lag die Zaren-Residenz weit vor den Toren der Stadt. Erst seit den 60-er Jahren gehört das 390 Hektar große Gelände zum Moskauer Stadtgebiet. Inzwischen sind die Vororte der russischen Metropole von allen Seiten um Kolomenskoje herumgewuchert. Doch der Park am hohen Ufer des Moskau-Flusses bleibt davon unberührt ein Paradies, um für einen Moment zur Ruhe zu kommen.

Älter als Moskau

Eigentlich ist Kolomenskoje viele hundert Jahre älter als Moskau. Archäologen entdeckten eine Siedlung aus dem 1 Jahrtausend vor Christus, deren Bewohner von Jagd, Fischfang und Töpferei lebten. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Kolomenskoje im Testament des Moskauer Großfürsten Iwan Kalita ("Der Geldsack") aus dem Jahr 1336, in dem er das Dorf seinem Sohn vermacht. An der Kreuzung mehrerer Handelswege hatte der Ort eine wichtige strategische Bedeutung zur Verteidigung der Moskauer Südflanke.

Das Vordertor

Um die Himmelfahrtskirche herum sind bis heute der Glockentrum der „St. Georgs“ Kirche aus dem 16. Jahrhundert, ein ehemaliger Wasserturm aus dem 17. Jahrhundert und das Vordere Tor, der einstige Paradeeingang zum Zarenpalast erhalten.

Im Torgebäude befindet sich heute das Museum von Kolomenskoje. In den ver- gangenen 80 Jahren wurden in diesem 2003 und 2004 grundlegend restaurierten Ge- bäude mehrere tausend Exponate zusammengetragen. Besucher können altrussische Malerei, über 2.000 orthodoxe Ikonen, Schnitzwerke, historische Bücher und eine der besten Sammlungen russischer Keramik sehen. Im Museum befindet sich das erste in Russland gedruckte Buch aus dem Jahre 1564. Sonderausstellungen informieren über die Geschichte der Zarenresidenz, die russische Pferdezucht und die Geschichte der Imkerei.


Der Zarenpalast

Als „schönsten Holzbau von ganz Russland“ oder auch als "achtes Weltwunder" bezeichneten Zeitzeugen den hölzernen Zarenpalast mit seinen 270 Zimmern. Der Bau wurde von dem Zaren Michail Romanow begonnen und von seinem Sohn Alexej Michailowitsch und seinem Enkel Fjodor Alexejewitsch vollendet. Hier gab sich die Zarenfamilie im 18. Jahrhundert in den Sommermonaten der Falkenjagd hin. Katharina die Große ließ den Palast 1767 dennoch wieder abreißen. Ein Modell, das im Museum von Kolomenskoje ausgestellt ist, läßt die grandiosen Außmaße des Baus erahnen.

Die Kirche der Madonna von Kasan

Der Palastbau war durch einen überdachten Gang mit der Kirche der Madonna von Kasan verbunden, die Zar Alexej Michailowitsch 1650 als Hauskirche der Herrscherfamilie errichten ließ. Von einer kurzen Unterbrechung in den Jahren 1941 und 1942 abgesehen wurde die Kirche nach der Oktoberrevolution nie geschlossen oder zweckentfremdet. Hier finden auch heute mehrere Gottesdienste am Tag statt.

Himmelfahrtskathedrale

Als ihm endlich der lang ersehnte Thronfolger Iwan geboren wurde - der später als "der Schreckliche" in die Geschichte einging - befahl Zar Wassili III. 1532 den Bau der Himmelfahrtskathedrale. Die Kirche mit ihrem 62 Meter hohen Zeltdach ist das älteste bis heute erhaltene Gebäude in Kolomenskoje. Sie wurde 1994 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
Einige Details der Kirche deuten darauf hin, dass die Baumeister aus Italien stammten, doch ihre Namen sind heute nicht mehr bekannt. Nur Mitglieder der Zarenfamilie hatten Zutritt zu dem Gotteshaus. Die kirchliche Überlieferung berichtet, dass im März 1917 unmittelbar nach der Abdankung des letzten russischen Zaren in der Himmelfahrtskirche auf unerklärliche Weise eine wundertätige Ikone entdeckt wurde. Das Bildnis der „Herrschaftlichen Mutter Gottes“ wird von orthodoxen Christen bis heute verehrt.


Haus Peters des Großen

In den 20er und 30er des vergangenen Jahrhunderts wurden Holzgebäude aus ganz Russland an ihren ursprüng lichen Standorten ab- und in Kolomenskoje wieder aufgebaut. Das Blockhaus von Peter dem Großen stand ursprünglich in Archangelsk. Der Zar hatte während eines Besuchs in Nordrussland 1709 in dem einfachen Holzbau mit vier Zimmern gelebt. Die Ausstellung, die hier heute untergebracht ist, ist ihm gewidmet.

Holzarchitektur

Auch ein Tor des Nikolaus-Klosters in Sewerodwinsk wurde 1934 nach Moskau gebracht und in Kolomenskoje wieder aufgebaut. Das Kloster selbst, in dessen Nähe einst der erste russische Seehafen am Weißen Meer gegründet wurde, gehört heute zum Gelände eines Rüstungsbetriebs und kann von ausländischen Touristen nicht besichtigt werden. Unweit des Klostertors befindet sich der Turm des Bratsker Gefängnisses, der 1959 aus Sibirien nach Kolomenskoje kam. In den Verließen dieses Gefängnisses war im 17. Jahrhundert der Protopope Awwakum eingekerkert, der als Begründer der Altgläubigen-Kirche gilt.

Johannes-der-Täufer Kirche

Die weiße Täufer-Kirche gilt als Vorbild der Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz. Sie liegt etwas abseits der anderen Gebäude jenseits eines kleinen Tals neben einem kleinen angegliederten Waldfriedhof. Der romantisch am hohen Ufer des Moskau-Flusses gelegene Bau wurde zur Herrschaftszeit von Iwan dem Schrecklichen erbaut, womöglich anlässlich seiner Krönung.

Treffpunkt und Festwiese

Wladimir Putin lud hier Gerhard Schröder zu einer Fahrt im Pferdeschlitten ein. Im Sommer kutschieren Troikas ganze Familien durch den Park. Moskauer verabreden sich zum Picknick auf den Wiesen oder zum Honig-Jahrmarkt. Im Winter lockt der russische Karneval, die Butterwoche.

Kurze Wege nach Kolomenskoje

Bis heute hat die eingemeindete Zarenresidenz ein nahezu ländliches Flair bewahren können. Dabei ist sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln längst hervorragend erreichbar. Gerade einmal 15 Minuten dauert die Fahrt mit der grünen Linie der Metro vom Roten Platz bis zur Station „Kolomenskaja“. Dort liegt der Park nur noch wenige Minuten Fußweg von der U-Bahn-Station entfernt. Im Sommer verkehren zwischen dem Zentrum und Kolomenskoje gelegentlich Ausflugsboote („Flusstaxis“) auf der Moskwa.

Kolomenskoje Geländeplan







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Jetzt ist richtig Winter in Russland - es gibt genug Schnee und Frost, ganz so, wie man es gewohnt ist. Als diese Langläuferinnen bei Selenogorsk an der Ostseeküste den Hügel herunterrutschten, hatte es allerdings noch nicht plusminus 20 Grad unter Null wie in den letzten Tagen. ( Topfoto: Deeg/.rufo)

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