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In grossen Höhen nicht für alle Wetterlagen gewappnet? (Foto: Archiv)
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Dienstag, 16.06.2009

Airbus prinzipiell durch Vereisung absturzgefährdet?

Moskau. Der Absturz des Air-France-Airbus sei kein Zufall. Alle Airbusse seien absturzgefährdet, weil das Enteisungssystem unzureichend sei - behauptet ein russischer Luftfahrtexperte. Propaganda gegen den Airbus?

Passend zur Präsentation des neuen russischen Regionalfliegers Suchoi Superjet 100 (der von russischen Konstrukteuren entwickelt, aber in Kooperation mit Boeing produziert wird) veröffentlich die Moskauer Skandalblatt Moskowski Komsomolez ein Interview mit Igor Lewin, einem Fachmann für Vereisungsprobleme in der Luftfahrt – mit denen sich russische Flugzeugkonstrukteure stärker auseinandergesetzt haben, als westliche.

Wahrscheinliche Absturzursache des Air France Airbus sei nicht die Vereisung von Geschwindigkeitsmessern, sondern des gesamten Flugzeuges gewesen, behauptet Lewin. Dies sei wahrscheinlich so, weil die Maschine kurz vor ihrem Absturz in eine Schlechtwetter- und Sturmzone geflogen sei, in der die Aussenbord-Temperaturen bei minus 50 Grad lagen und Sturmböen Wasser in grosse Höhen getragen haben könnten.

Das Enteisungssystem der Airbusse sei aber prinzipiell nur für Temperaturen bis minus 30 Grad ausgelegt. Dies entspreche zwar den europäischen Normen, diese seien jedoch nicht ausreichend an maximaler Sicherheit, sondern mehr an der Wirtschaftlichkeit der Passagiermaschinen orientiert, sagt Lewin.

Normgerecht und wirtschaftlich – aber unsicher?


Er habe auch Airbus-Vertreter auf das Problem aufmerksam gemacht, sei aber mit der Bemerkung abgewiesen worden, dass derart tiefe Temperaturen nur in Höhen auftreten, in denen es keine Luftfeuchtigkeit mehr gebe. "Schliesslich stürzt auch niemand ab."

In tieferen Lagen, in denen Vereisungsgefahr bestehe, seien die Temperaturen nicht tiefer als minus 30 Grad. Dafür seien aber die Enteisungsanlagen der Airbusse ausgelegt.

Bei Russland-Aktuell
• Ein oder zwei Russen an Bord des Air France Airbus (02.06.2009)
• Russische Airline S7 stutzt ihren Auftrag für Airbus (26.02.2009)
• Boeing fliegt mit zersplittertem Pilotenfenster (17.01.2009)
• Airline RosAvia soll Tupolews statt West-Jets kaufen (11.12.2008)
• Finanzkrise: Aeroflot überlegt Verzicht auf Airbus (08.10.2008)

Sowjetische Regierungsmaschine beinahe im Eispanzer abgestürzt


Lewin verweist auf einen Vorfall, bei dem seinerzeit eine sowjetische Regierungsmaschine in grosser Höhe bei minus 45 Grad so stark vereiste, dass es den Piloten nur mit Mühe gelang, das Flugzeug in der Luft zu halten. Vereisung der Tragflächen und Höhenleitwerke verändert die aerodynamischen Eigenschaften und die Tragfähigkeit von Flugzeugen erheblich.

Nach dem Beinahe-Absturz der Sowjet-Regierung, berichtet Lewin, seien die Enteisungsanlagen russischer Flugzeuge prinzipiell auf minus 50 Grad ausgelegt worden.

Bei europäischen Passagiermaschinen wie dem Airbus habe man darauf verzichtet, weil die Enteisungsanlagen mit Erwärmung der Aussenhaut arbeiten und dabei einen enormen Energieverbrauch von bis zu 10 % des Treibstoffaufwandes haben. Darum beschränke man sich im Westen auf die relativ kurze Start- und Landephase.

Eine wirtschaftliche Lösung, behauptet Lewin, könnten Impuls-Enteisungsanlagen für Flugzeuge sein, die bisher aber nur bei Boeing-Maschinen im Heckbereich eingesetzt werden.



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