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Die Glühlampe hat ausgedient. Gestritten wird noch, wodurch sie ersetzt wird (Foto: Archiv/.rufo)
Die Glühlampe hat ausgedient. Gestritten wird noch, wodurch sie ersetzt wird (Foto: Archiv/.rufo)
Mittwoch, 24.03.2010

Kreml geht beim Energiesparen ein Licht auf

Moskau. Ein leuchtendes Vorbild will Russland beim Thema Energieeffizienz werden. Noch ist es aber Schlusslicht in Europa. Um die rote Laterne abzugeben, knöpft sich der Kreml die Glühbirne als Stromfresser vor.

Einst galt die Glühbirne, in der Sowjetunion auch „Iljitschs Lämpchen“ genannt als Symbol für technischen Aufschwung und Moderne. „Kommunismus, das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“, hatten die Bolschewiki nach der Revolution geworben.

Der Kommunismus ist out in Russland, auch die Glühbirne soll nun in Rente gehen, ab dem kommenden Jahr ist der Verkauf von Glühbirnen über 100 Watt verboten, ab 2015 soll sie ganz aus dem Handel genommen werden.

Streit um den Erben der Glühlampe


Doch derzeit streitet die Präsidentenkommission für Energieeffizienz noch darüber, wodurch die Glühbirne ersetzt werden soll. Statt der gewöhnlichen Energiesparlampe (Kompaktleuchtstofflampe) möchte der Kreml am liebsten gleich auf die supermodernen Leuchtdioden umsteigen. Die sind bei Lichtausbeute und Stromverbrauch um einiges effizienter als herkömmliche Energiesparlampen.

Doch die Nachteile der Leuchtdioden sind nicht zu übersehen. Derzeit produziert einzig eine Fabrik von Milliardär Michail Prochorow in Russland Leuchtdioden. Der Preis ist dementsprechend hoch: Bis zu 2.000 Rubel (50 Euro) kostet eine Lampe. Das ist zehnmal so teuer wie Energiesparlampen und der hundertfache Preis einer Glühbirne.

Leuchtdioden teuer und feuergefährlich


Kaum ein Russe wird sich überzeugen lassen, da zuzugreifen. Zudem würde die Produktionskapazität auch kaum ausreichen, um alle Verbraucher mit den Leuchtdioden zu versorgen.

Bei Russland-Aktuell
• Russland Geschichte: Iljitschs Glühbirne leuchtet (14.11.2009)
• Glühbirnen sollen 2014 aus dem Verkehr gezogen werden (08.10.2009)
• Ausgebrannt: Glühbirne in Moskau steht vor dem Aus (30.09.2009)
China hat bereits angeboten, in Russland zwei – vier Milliarden USD in den Aufbau einer neuen Lampenproduktion zu investieren. Doch in Moskau wird das Angebot mit Skepsis aufgenommen. Leuchtdioden sind feuergefährlich, Qualität „Made in China“ gilt nicht gerade als hochwertig.

Andererseits gibt es bei den Kompaktleuchtstofflampen Fragen bei der Entsorgung, da sie Quecksilber enthalten und es in Russland kein Entsorgungskonzept dafür gibt.

Sparen in anderen Sektoren bringt mehr


Experten sind zudem der Ansicht, dass das Auswechseln der Glühbirne zwar Einspareffekte bringt, doch für eine leuchtende Zukunft der „Energiesparnation Russland“ andere Sektoren wichtiger sind.

Im Bereich der kommunalen Wohnungsverwaltung werden in Russland rund 60 Prozent der erzeugten Energie verbraucht; der Großteil davon für Wärme. Eine bessere Isolierung von Gebäuden und Wärmenetzen sowie die Modernisierung der maroden Kesselhäuser, die auf effizientere Verbrennungsmethoden und Treibstoffe umgestellt werden müssten, sind vorrangig.

Setschin neuer Chef des Energiespar-Programms


Auch in dem Bereich arbeitet Russland schrittweise an Verbesserungen. Doch noch geht es nur zaghaft voran. Ob die jetzt vollzogene Ernennung von Igor Setschin zum obersten Energiesparer Russlands den nötigen Schub bringt, ist unsicher.

Setschin ist Vertreter der mächtigen Öl- und Gaslobby in Russland; sitzt unter anderem dem Aufsichtsrat des staatlichen Ölkonzerns Rosneft vor. Zwar könnten Gazprom und Co durch höhere Energieeffizienz im eigenen Land mehr Rohstoffe exportieren.

Doch so groß ist der Preisunterschied wegen der hohen Ausfuhrzölle, den gefallenen Exportpreisen bei gleichzeitig steigenden Binnenpreisen nicht mehr. Der Reformdruck der Öl- und Gaslobby scheint daher gering, zumal Setschin selbst die Kosten für eine effiziente Modernisierung auf etwa eine Billion Dollar schätzt.



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