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Keine Spur von Pleite. Hohe Wohnraumpreise in Moskau versprechen Immobilienfirmen satte
Keine Spur von Pleite. Hohe Wohnraumpreise in Moskau versprechen Immobilienfirmen satte
Donnerstag, 07.08.2008

Moskauer Immobilienkonzern MIAN macht pleite und weiter

Moskau. Ein neuer Fall Yukos? Angeblich steht MIAN, eins der größten Immobilien-Unternehmen Russlands, wegen Steuerschulden vor der Pleite. Ein Insolvenzverwalter wurde bereits bestimmt. Doch MIAN stört das kaum.

Die Probleme für das Unternehmen haben bereits im vergangenen Jahr begonnen, als die Steuerbehörden von dem Unternehmen eine Milliarde Rubel (rund 27 Millionen Euro) Nachzahlungen forderten. Knapp die Hälfte der Summe besteht aus verschiedenen Strafzahlungen. Mit der gleichen Methode wurde damals auch bei Yukos die Schuldensumme schnell in astronomische Höhen getrieben.

Gewinn gegenüber der Steuer gedrückt


Der Vorwurf der Finanzbehörden: MIAN habe bei den Wohnungsverkäufen von seinen Kunden Wechsel genommen, die auf MIAN-Tochterunternehmen ausgestellt waren. Diese Wechsel hat der Konzern dann unter Wert berechnet und somit gegenüber der Steuerbehörde seinen Gewinn nach unten gedrückt.

MIAN gilt zwar als Vorreiter dieses „Steuersparmodells“, aber Expertenschätzungen zufolge wurde zwischen 2004 - 2006 etwa die Hälfte aller Wohnungsverkäufe in Russland mit Hilfe solcher Wechselschemen abgewickelt. Es war also eine gängige Praxis.

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Gericht setzt Insolvenzverwalter ein


Gegen die Strafzahlungen hat MIAN trotzdem Berufung eingelegt. Erfolglos, denn nun hat das Oberste Schiedsgericht von Russland die Klage abgelehnt. Schon im Mai hatte, wie sich jetzt herausstellte, ein Gericht in unterer Instanz entschieden, einen Insolvenzverwalter bei der Aktiengesellschaft MIAN einzusetzen.

Zugleich klagten mehrere Gläubiger auf die Rückzahlung ihrer Kredite. Die Außenstände der AG MIAN haben sich damit binnen kurzem auf vier Milliarden Rubel (rund 110 Millionen Euro) erhöht.

Bankrottverfahren sorgt für Schock


Die Unternehmensgruppe MIAN weist einen Immobilienbesitz von einer Million Quadratmetern auf. Die Aktiva von MIAN werden auf umgerechnet mehr als 800 Millionen Euro geschätzt. Somit wären die Schulden tragbar, wenn auch unangenehm.

Dementsprechend geschockt reagierte die Branche auf die Nachricht eines Bankrottverfahrens. Einige russische Medien sprachen gar von einem neuen Yukos-Fall. Doch es gibt eine Feinheit: MIAN ist nicht gleich AG MIAN.

AG MIAN pleite, Unternehmensgruppe finanziell gesund


MIAN hat gar kein Interesse, die Schulden zu tilgen. Denn wie die Unternehmensgruppe nun mitteilte, wurde die AG MIAN bereits 2006 still und heimlich aus dem Unternehmensverband ausgegliedert. „Seitdem arbeitet die AG MIAN nicht mehr, hat keine Mitarbeiter und befindet sich derzeit tatsächlich im Bankrottverfahren entsprechend der bestehenden Gesetzgebung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Unternehmensgruppe.

MIAN selbst hingegen gehe es finanziell gut, versicherten Firmensprecher. Mit den Gläubigern will sich die Gruppe gütlich einigen. Wer die Strafzahlungen übernimmt, ist hingegen offen. Doch kein Fall Yukos, aber immerhin ein Paradebeispiel für die Irrungen und Wirrungen des russischen Rechtssystems.



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