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Der Klimawandel lässt grüßen: In ganz Zentralrussland qualmt und lodert es (Foto: MTschS)
Der Klimawandel lässt grüßen: In ganz Zentralrussland qualmt und lodert es (Foto: MTschS)
Mittwoch, 04.08.2010

Wälder in Flammen, Qualm und Quallen in Moskau

Moskau. Die russischen Nachrichten von der Waldbrand-Front erinnern immer mehr an Kriegsberichterstattung. Wie 1941 steht wieder ein mächtiger und unheimlicher Feind vor den Toren der Hauptstadt - das Feuer.

Seit Mittwoch Morgen spürt jeder in Moskau den heißen Atem des Feindes – nicht im Nacken, sondern in der Kehle: Erstmals hüllte dichter Qualm die gesamte russische Hauptstadt ein.

Obwohl eigentlich strahlendes Sommerwetter herrscht, sank die Sichtweite stellenweise auf 100 Meter, in den östlichen Vororten auch auf 20 Meter. Der beißende Geruch der tückischen Torffeuer im Osten der Stadt hängt inzwischen nicht nur in der Luft, er wird auch von den Zügen durch die Tunnels der Metro geschoben.

Bei Russland-Aktuell
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Die Moskauer verbarrikadieren sich


Russlands Megalopolis ist auch sonst kein Luftkurort – aber nun wurden die Grenzwerte für Kohlenoxyde und Feststoffe in der Luft bis um das Sechsfache überschritten. Die Bevölkerung ist aufgefordert, die Fenster zu schließen – und dies im heißesten Sommer seit Menschengedenken mit Tageshöchsttemperaturen von 35 bis 39 Grad.

In der Moskwa gedeihen jetzt sogar Quallen


In Moskau ist es so warm, dass im Moskwa-Fluss dieser Tage erstmals Quallen entdeckt wurden – ein Omen?

Medwedew sieht die Klimakatastrophe kommen


„Die Folgen des Klimawandels sind offensichtlich. Wir müssen uns für die Zukunft darauf einstellen“, mahnt Russlands Präsident Dmitri Medwedew. Fast täglich schiebt er neue Maßnahmen für einen besseren Brandschutz im Land an – seien es Löschteiche in Datscha-Siedlungen und Dörfern oder die Anschaffung 10.000 modernen Feuerwehrfahrzeugen oder von Löschflugzeugen BE-200 en gros.

Moskau: In der Hitze wird häufiger gestorben


In Moskau sollen unterdessen Asthmatiker, Allergiker und Herzkranke am besten ihre Häuser nicht verlassen, warnt die Moskauer Umweltbehörde. Schon während der bisher heißesten Tage Ende Juli fuhr der Notarztdienst pro Tag 2.500 Einsätze mehr als üblich. Doch damals war der Himmel noch klar über Moskau.

Bei Russland-Aktuell
• Marinelager abgebrannt, Medwedew feuert Spitzenmilitärs (04.08.2010)
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• Waldbrände: Atomwaffenschmiede Sarow in Gefahr? (03.08.2010)
Nun steigen die Temperaturen wieder an die 40-Grad-Grenze – aber im dichten Smog. Durch die seit einem Monat anhaltende Hitzewelle gibt es mehr Todesfälle als üblich – aber noch keine amtlichen Daten über die erhöhte Sterblichkeit: „Vor dem Krematorium stehen die Beerdigungsprozessionen Schlange“, so jedenfalls der Mitarbeiter einer Bestattungsfirma gegenüber der Zeitung „Kommersant“.

Keine weiteren abgebrannten Häuser, aber neue Tote


Offiziell gilt gegenwärtig nur die Zahl von 48 Toten, die bei den in zwölf russischen Regionen wütenden Waldbränden umgekommen sind. Nach den letzten Daten sind 1.940 Häuser abgebrannt, 3.500 Menschen obdachlos geworden. Doch jeden Tag werden in den Ruinen abgebrannter Dörfer neue Tote gefunden.

Die einzige positive Nachricht im täglichen Frontbericht des Katastrophenschutzministeriums war am Donnerstag, dass nirgendwo in Russland weitere Häuser abgebrannt seien. Es gelänge momentan, alle bedrohten Siedlungen zu verteidigen. Darunter sind auch Großstädte wie Woronesch und die Autobauerstadt Togliatti an der Wolga.

Der Wind frischt auf: Neue Feuerstürme?


Doch die Zahl von 810 aktuell registrierten Waldbränden, davon 53 großen mit einer Gesamtfläche von 126.000 Hektar, zeigt, dass der Kampf gegen das Feuer noch lange nicht gewonnen ist – zumal nach einigen ruhigen Tagen jetzt wieder mit stärkerem Wind zu rechnen ist.

Böen können jedoch die am Boden lodernden Brände enorm anfachen – dann jagt das Feuer mit Gebrüll durch die von der Hitze ausgetrockneten Baumkronen. „Wir dachten, jetzt kommen Löschflugzeuge, aber es war der Wald, der brannte“, berichtete der Bewohner eines vernichteten Dorfes im Moskauer Umland.

Mit derartigen Feuerstürmen seien sie das erste Mal konfrontiert, gestehen erfahrene russische Brandschützer. „Das Feuer hat selbst einen 250 Meter breiten See übersprungen, als wäre es eine Pfütze“, so Katastrophenschutz-Minister Sergej Schoigu, der inzwischen 155.000 Mann im Einsatz dirigiert.

Russlands Atom-Schmiede vom Feuer bedroht


Ein Brennpunkt des überregionalen Löscheinsatzes ist inzwischen die unter einem Mantel der Geheimhaltung liegende Stadt Sarow (früher: Arsamas-16) im Gebiet Nischni Nowgorod: Dort ist Russlands Atomwaffen-Entwicklung lokalisiert. Auch innerhalb des geschlossenen Gebietes brenne es bereits auf 300 Hektar Fläche, so Schoigu.

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Bis zum nächsten „Objekt“ seien es aber noch vier Kilometer, unmittelbare Gefahr für die Bewohner und die Atom-Infrastruktur bestehe nicht. Die Brände sollen unter Kontrolle sein.

Laut Sergej Kirijenko, dem Chef der Atombehörde RosAtom, sind in Sarow 3.000 Mann im Löscheinsatz, Tendenz steigend. Nun werde auch schwere Technik des Militärs hinzugezogen, um Brandschneisen in die Wälder um die Atombomben-Schmiede zu schlagen. Innenministeriumstruppen in Divisionsstärke schwingen die Spaten.

Auch vier Löschflugzeuge und vier Helikopter verteidigen Sarow – sowie ferngesteuerte Roboter, die eigentlich für Reaktorkatastrophen bereit gehalten werden.

Militär lässt ganzen Stützpunkt abbrennen


In Sarow muss um jeden Preis verhindert werden, was der russischen Flotte letzte Woche passierte – und dann Tage lang unter Verschluss blieb: Bei Kolomna, 80 Kilometer südöstlich von Moskau, wurde eine großes Militärdepot zerstört. 13 Lagerhallen mit Ausrüstungsgegenständen und 17 Abstellflächen mit – angeblich ausgemusterten – Militärfahrzeugen wurden ein Raub der Flammen. Auch der Stab, das Casino und die Buchhaltung der Einheit brannten nieder - bestätigt die Staatsanwaltschaft bisher.

Russische Medien hatten berichtet, in den Lagerhallen seien auch 200 Flugzeuge und Hubschrauber verbrannt.

Die Militärs hatten offenbar die aus dem Wald nahende Gefahr lange ignoriert. Dmitri Medwedew feuerte deshalb jetzt wegen „verbrecherischer Schlamperei“ fünf hochrangige Marineoffiziere. „Ich habe die Armee angewiesen, beim Löschen zu helfen und die Bevölkerung zu schützen – aber es zeigt sich, dass sie sich manchmal nicht mal selbst schützen kann“, schimpfte der Präsident. Der gesamten Marinispitze erteilte er strenge Dienstverweise und warnte: wenn sowas nochmal irgendwo passiert, würden alle zur Verantwortung gezogen.

Das Ende der Hitze – mit neuem Schrecken?


Die katastrophale Hitze wird Zentralrussland noch einige Tage lang im Würgegriff halten. Erst für den 10. oder 11. August wird Abkühlung erwartet.
Doch Russlands Meteorologen warnen schon jetzt: Bei dem Wetterumschwung sind möglicherweise extreme Unwetter zu erwarten.



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