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Gewohntes Bild: LKWs warten an der russischen Grenze. Die Staus an der lettisch-russischen Grenze sind jedoch ungewöhnlich lang (Foto: Ballin/.rufo)
Gewohntes Bild: LKWs warten an der russischen Grenze. Die Staus an der lettisch-russischen Grenze sind jedoch ungewöhnlich lang (Foto: Ballin/.rufo)
Montag, 23.07.2007

Super-Staus an lettisch-russischer Grenze

St. Petersburg. Aus Protest gegen die mehrtägigen Wartezeiten für Lkw an der lettisch-russischen Grenze haben litauische Fernfahrer auf vier Kilometer Strecke vorübergehend die Fernstraße Riga-Moskau blockiert.

Die Grenzübergänge sind dem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen, weil viele Transporteure mit Frachten aus der EU den kürzeren Weg über Weißrussland meiden. Die Verkehrsminister beider Länder vereinbarten die Öffnung eines neuen Grenzübergangs für den Güterverkehr.

Gigantische Staus an lettischer Grenze wegen Weißrussland



Rimantas Budravicius, Sprecher des litauischen Speditionsverbands, distanzierte sich von der Blockade „Die Aktion trug spontanen Charakter. Den Fahrern gingen einfach die Nerven durch angesichts der langen Warterei“.

Mitte Juli nahmen die Rückstaus wieder gigantische Ausmaße an – am Hauptgrenzübergang Terehova waren es über 1.000 Lkw, die Wartezeit vor der Abfertigung betrug bis zu 2,5 Tage. Viele der LKWs transportieren Transitgüter aus Litauen, Polen oder anderen EU-Staaten, meiden aber den eigentlich kürzeren Weg durch Weißrussland.

Bei Russland-Aktuell
• Haft u. satte Bußgelder für Verkehrssünder in Russland (06.07.2007)
• Glonass soll Staus an Russlands Grenzen abbauen (10.04.2007)
• Moskau erstickt in seinen Stauproblemen (15.12.2006)
• Lettlands Premier fordert Transitgebühren (15.09.2006)
• EU-Staaten erleichtern Transit für Russen (29.08.2006)
„Dies ist Folge der negativen Erfahrungen der vergangenen Jahre, als der weißrussische Zoll große Warenpartien beschlagnahmte. Deshalb meiden viele Frachtführer aus Gewohnheit den Weißrussland-Transit“, so Budravicius. Nur 15 bis 20 Prozent der in Lettland wartenden Lkw stammten aus Russland, sagte Antonina Kamtschatowa, Sprecherin des russischen Speditionsverbandes ASMAP gegenüber der russischen Eisenbahn-Fachzeitung „Gudok“.

Wahl zwischen Pest und Cholera



Russische Spediteure würden abwägen, was für sie den geringeren Verlust bedeutet: Unwägbarkeiten seitens der weißrussischen Behörden oder der schwer kalkulierbare Zeitverlust beim Umweg durch das Baltikum. „Jene Transporteure, für die dieser Leerlauf ein großes Hindernis bei der Einhaltung ihrer Fahrtplanung darstellt, wählen den Weg durch Weißrussland“, so Kamtschatowa.

Laut Valdis Trezins, dem Vorsitzenden des lettischen Speditionsverbands „Latvijas Auto“ müssten nicht nur auf lettischer, sondern auch auf russischer Seite die Straßen und Abfertigungsanlagen ausgebaut werden, um die Staus zu verringern. Litauen und Lettland wollen sich nun gemeinsam bei der EU für einen Ausbau der Grenzinfrastruktur einsetzen.

Modernisierung der Grenzübergänge gefordert



In Litauen macht man sich nämlich Sorgen darüber, dass die Letten – wie schon einmal im November 2006 geschehen – angesichts der ausländischen Lkw-Lawine ihre Grenzen für litauische Lastwagen einfach schließen könnten. „Wir sind davon überzeugt, dass die Abfertigungskapazität an der Grenze der EU zu Russland kein Argument für eine Einschränkung des freien Warenverkehrs auf dem EU-Binnenmarkt sein kann“, erklärte in Vilnius das litauische Außenministerium.

Als Vorbild könnte das Projekt des neuen Grenzübergangs Mamonowo-2 dienen, der jetzt an der Grenze zwischen Polen und dem russischen Gebiet Kaliningrad eingerichtet wird. Die russische Zollverwaltung unterzeichnete dieser Tage einen Vertrag mit einem Baukonsortium, das von dem moldawischen Unternehmen Badprim S.R.L. angeführt wird.

EU schießt Millionen für neuen Grenzübergang im Gebiet Kaliningrad zu



Finanziert wird das Projekt mit 13,3 Mio. Euro aus EU-Mitteln. Der Übergang wird auf der ehemaligen Reichsautobahn zwischen Elbing und Königsberg eingerichtet, die Teil des paneuropäischen Verkehrskorridors 1-A zwischen Riga und Danzig ist. Mamonowo-2 soll über eine Abfertigungskapazität von 2600 Pkw, 150 Bussen und 1250 Lkw pro Tag verfügen.

Vorerst wollen Lettland und Russland das Problem mit eigenen Kräften wenn schon nicht lösen, so doch zumindest mindern: Bei Regierungskonsultationen beider Länder wurde in Riga die Öffnung eines dritten Grenzübergangs für den Güterverkehr vereinbart. Der Übergang zwischen dem lettischen Ventuli und Ludonka im Gebiet Pskow soll bis Ende 2008 für täglich 150 Lastwagen ausgebaut werden – liegt aber abseits der Fernverkehrsrouten.

Verkürzung der Wartezeiten durch elektronische Zolldeklarationen?



Gegenwärtig können die beiden vorhandenen Checkpoints Terehova/Buratschki und Grebnova/Ubylinka an den Straßen in Richtung Moskau und St. Petersburg zusammen nur 650 Lkw täglich abfertigen. Zum Zeitpunkt des russisch-lettischen Ministergesprächs harrten dort aber 1.230 Lkw auf ihre Abfertigung.

Zudem wollen bis Oktober beide Seiten in gemeinsamen Gesprächen prüfen, inwieweit durch Hilfsmittel wie einer elektronischen Zoll-Vordeklaration die Wartezeiten gemindert werden können. Ein solches System wird schon an der russisch-finnischen Grenze angewandt.

Einen konstruktiven Ansatz zur Lösung des Problems wollen jetzt aber auch die „Schuldigen“ an der Stau-Misere leisten: Weißrussland kündigte eine Erleichterung der Zollabfertigung von Transitgütern an. Die in einem Erlass von Präsidenten Alexander Lukaschenko verfügten neuen Regeln entsprächen nun internationalen Standards, hieß es in Minsk.

(Lothar Deeg/.rufo/St. Petersburg)


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