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Donnerstag, 06.12.2007

Ungarn: Gazprom soll Pipeline „Nabucco“ beliefern

Budapest/Moskau. Der ungarische Energiekonzern MOL will in Südeuropa eine Gas-Transport-Gesellschaft gründen. Gazprom soll seine Pipline-Pläne aufgeben und das europäische Projekt „Nabucco“ beliefern.

Beim Wettlauf um eine Pipeline-Verbindung zwischen den Gas-Fördergebieten in Mittelasien und dem Iran und den Abnehmerstaaten in Westeuropa hat der ungarische Energiekonzern MOL gestern einen Vorschlag gemacht. Die Ungarn wollen das europäische Pipeline-Projekt „Nabucco“ vorantreiben und zugleich den staatlichen russischen Energie-Konzern Gazprom (Gasprom) dazu überreden, sein Konkurrenzprojekt „South Stream“ (Juschny potok) einzustellen. Stattdessen soll Gazprom „Nabucco“ mit Gas beliefern.

Gazprom als Zubringer?

MOL will mit den an „Nabucco“ beteiligten Energie-Konzernen in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Rumänien, Bulgarien und Österreich – durch diese Länder soll die Pipeline-gebaut werden – ein Joint Venture für den Gas-Transport gründen. Das Joint Venture mit dem Projektnamen „New Europa Transmission System“ (NETS) soll als einziger Partner die Verhandlungen mit den möglichen Gas-Lieferanten aufnehmen.

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• Torpedieren Russland und Ungarn EU-Pipeline-Pläne? (23.03.2007)
• Russland will von einer Erdgas-OPEC nichts wissen (31.01.2007)
• Griechenland beteiligt an Gaspipeline im Schwarzen Meer (26.06.2007)
• Usbekistan erhöht die Gaspreise ab Neujahr (29.11.2007)
Neben Verhandlungen mit den mittelasiatischen Staaten und dem Iran soll NETS auch Verhandlungen mit Gazprom führen. Die Verhandlungsposition eines Konsortiums dürfte besser sein, als wenn jeder Einzelstaat mit Gazprom verhandeln müsste.

Der Zusammenschluss NETS, das erwarten die Initiatoren von MOL, wird auch besser Investitionen auf den internationalen Finanzmärkten akquirieren können. Auch ein Börsengang wird als Möglichkeit gehandelt. Mit den gewonnen Geldern könnte der Bau von „Nabucco“ vorangetrieben werden.

Vom Iran nach Baumgarten

Die Pipeline „Nabucco“ soll vom Osten der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis ins österreichische Baumgarten an der March führen, wo das zentrale Verteiler-Zentrum des österreichischen Energie-Konzerns OMV beheimatet ist. Die Pipeline soll 3.300 Kilometer lang werden und einen Durchmesser von 1,42 Meter haben. Der Bau soll bis 2011 abgeschlossen sein.

Neben dem ungarischen Konzern MOL und dem österreichischen Konzern OMV sind an Nabucco die staatlichen Unternehmen Botas (Türkei), Bulgurgaz (Bulgarien), Transgas (Rumänien) beteiligt.

Weniger Abhängigkeit von Kiew und Minsk

Erst am 23. Juni 2007 hatte Gazprom mit dem italienischen Konzern Eni einen Vertrag über den Bau der Konkurrenz-Pipeline „South Stream“ unterzeichnet. Russland durchkreuzt damit die Pläne der Europäer, mehr Unabhängigkeit von den einseitigen Lieferverhältnissen zwischen Russland und der EU zu erreichen.

Die russisch-italienische Konkurrenz-Röhre soll über den Grund des Schwarzen Meeres laufen und den russischen Hafen Noworossijsk mit dem bulgarischen Warna verbinden. „South Stream“ soll bis Italien und Österreich verlängert werden.
Neben der direkten Konkurrenz zu „Nabucco“ verfolgt Russland mit dem Bau von „South Stream“ ein weiteres strategisches Ziel: Die Abhängigkeit von den Transitländern Weißrussland und Ukraine bei der Durchleitung von russischem Gas nach Europa soll vermindert werden.
Russische Analysten ordnen die ungarische Initiative als Antwort auf den Versuch Gazproms ein, „Europa in die Zange der Piplines North Stream und South Stream zu nehmen“. Ob die Initiative erfolgreich sein werde, hänge zu großen Teilen davon ab, ob sie von der Europäischen Kommission unterstützt werde.

Die hat bereits ihre Unterstützung zugesichert. Die ungarische Initiative sei sehr interessant, erklärte Ferran Tarradellas von der Europäischen Kommission. „Wir wünschen den Planer viel Erfolg und hoffen, dass das zu höheren Investitionen in die Infrastruktur des Pipeline-Netzes führt und so auch zu mehr Zuverlässigkeit und Sicherheit der Lieferungen. Und wir hoffen, dass durch die Initiative die Konkurrenz verstärkt wird“, so Tarradellas.
Auch die russische Seite hat bereits auf die Initiative reagiert: Stanislaw Zygankow, bei Gazprom zuständig für das internationale Geschäft, hielt sich gestern zu Verhandlungen in Budapest auf.

(cj/.rufo/Moskau)

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