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Stromleitungen können nicht nur technisch, sondern auch politisch ein kompliziertes Geflecht darstellen (Foto: ld/.rufo)
Stromleitungen können nicht nur technisch, sondern auch politisch ein kompliziertes Geflecht darstellen (Foto: ld/.rufo)
Dienstag, 01.12.2009

Zentralasien verliert gemeinsames Energie-Netz

Taschkent. Usbekistan ist heute aus dem sog. „Zentralasiatischen Energiering“ ausgeschieden. Damit bricht das noch aus Sowjetzeiten stammende System der gemeinsamen Stromversorgung für fünf GUS-Staaten zusammen.

Besonders betroffen von dem usbekischen Alleingang dürften vor allem Gebiete im Norden Tadschikistans und Kirgisistans sein, die bisher vor allem von Usbekistan mit Strom versorgt wurden.

Usbekistan begründete die vor einem Monat bereits angekündigte Entscheidung mit der Gewährleistung seiner Energiesicherheit. Das Land hat letzte Woche eine Nord-Süd-Hochspannungsleitung in Betrieb genommen, die es erlaubt, alle Landesteile über eigenes Territorium zu versorgen.

Tadschikistan soll Leitungen angezapft haben


Als Begründung für die Maßnahme klingt durch, dass vor allem von Tadschikistan immer wieder Energie illegal aus dem gemeinsamen System entnommen wurde. „Das Fehlen eines übergeordneten Zentrums führte zum unkontrollierten und ungesühnten Abzweigen von Elektroenergie, was Konfliktsituationen provozierte und sich negativ auf die Sicherheit des Energiesystems selbst auswirkte“, so Usbekistans Botschafter in Tadschikistan, Schoislam Schokasimow.

Der von einer Schaltzentrale in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gesteuerte Energiering vereinte bislang 83 Kraftwerke in Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgisistan. Die beiden letztgenannten Staaten sind dabei wegen ihrer Wasserkraftwerke Hauptlieferanten.

Alte Symbiose bei Energie und Wasser geht zu Ende


Wie der russische Fernsehsender Vesti berichtete, wurden die Stromlieferungen der Bergrepubliken mit günstigen Bedingungen für die Bereitstellung von Kohle, Öl und Gas kompensiert. Auch die Frage, wie viel Wasser in den Stauseen im Winter zurückgehalten oder im Sommer zur Bewässerung an die Nachbarn im Tiefland abgegeben wird, spielte in dem sich nun auflösenden Beziehungsgeflecht eine wichtige Rolle.

Durch die verschlungenen Grenzen zwischen den mittelasiatischen GUS-Republiken, die in der Sowjetzeit keine Rolle beim Bau der Infrastruktur gespielt hatten, sind in allen Staaten einzelne Landesteile auf Lieferungen seitens der Nachbarn angewiesen.

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Kasachen und Kirgisen kooperieren für sich


Auch Kasachstan hatte schon mit einem Ausstieg aus dem Gemeinschaftssystem gedroht, wenn Tadschikistan nicht mit dem „Energiediebstahl“ aufhöre. Nachdem Usbekistan diesen Schritt ankündigte, einigte sich Kasachstan mit Kirgisien dann Anfang November auf ein neues bilaterales Schema zur Sicherung der Energieversorgung. Es sieht unter anderem kasachische Kohlelieferungen als Gegenleistung für die kirgisischen Stromexporte vor.

Usbekistan beteuerte, dass es mit seinem Schritt zur Autonomie keineswegs die Energieversorgung Tadschikistans gefährde. Schließlich könnte das Nachbarland ja jetzt den bisher von ihm exportierten Strom selbst verbrauchen. Auch sei man bereit, neue Absprachen zu treffen.

Tadschikistan fühlt sich erpresst


Allerdings ist fraglich, ob das Leitungsnetz in der ärmsten der fünf zentralasiatischen Republiken eine entsprechende Reorganisation der Energieströme verkraftet – erst recht im Winter, wenn es auch früher schon Engpässe gab. In Tadschikistan spricht man deshalb von einer politischen Entscheidung, mit der Taschkent Druck auf den kleinen Nachbarn ausübt.

Im Winter war der Norden Tadschikistans bisher auch auf Strom-Lieferungen aus Turkmenistan angewiesen, die im Transit durch Usbekistan liefen.

Das Gebiet hängt jetzt energetisch allein an einer neuen tadschikischen Nord-Süd-Stromleitung mit 500 Kilovolt Kapazität, die erst vor zwei Tagen in Betrieb genommen wurde.



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