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Jelena Baturina dürfte das Lachen vergangen sein (Foto: Kommersant/.rufo)
Jelena Baturina dürfte das Lachen vergangen sein (Foto: Kommersant/.rufo)
Montag, 16.02.2004

Aquapark gehörte der Bürgermeister-Gattin

Von Lothar Deeg, St. Petersburg. Am Montag rückten Bulldozer in die Ruinen des eingestürzten Badeparks "Transvaal" in Moskau ein. Der Katastrophenschutz entschied, die "Rettungsaktion" zu beenden. Ab sofort handelt es sich um eine "Suchaktion - sprich: es gibt keinerlei Hoffnung mehr, unter den Trümmern des Schwimmhallendaches noch Überlebende zu finden. Gleichzeitig wurde bekannt, dass das Freizeit-Zentrum indirekt der geschäftstüchtigen Frau des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow gehört. Damit wird die Katastrophe zum Politikum.

Neben den 25 am Wochenende geborgenen Todesopfern wird noch mit etwa 12 Leichen gerechnet, die noch unter dem Schutt liegen könnten. Innerhalb von zwei Tagen hoffen die Bergungsspezialisten, alle Fragmente des Daches abgeräumt zu haben. Parallel werden von der Staatsanwaltschaft und der Baubehörde Gosstroj Beweisstücke gesammelt, um die Unglücksursache zu ermitteln.

Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow sagte bei einer Visite der Unglücksstelle, Grund der Katastrophe sei mangelhafte Arbeit von Architekten und Baufirma gewesen. Dies schließt auch Gosstroj nicht aus: Sie annullierte vorläufig die Lizenzen des Moskauer privaten Planungsbüros "Sergej Kisseljow und Partner" sowie des türkischen Baukonzerns "Kocak Insaat". Beide Unternehmen erfreuten sich bisher allerdings eines tadellosen Rufes. Kisseljow gilt als einer der führenden Architekten des Landes und hat schon zahlreiche Prestige-Projekte verwirklicht: von Bürogebäuden für Weltkonzerne über Elite-Wohnhäuser bis hin zur Renovierung der Präsidenten-Residenz im Kreml.

Vom Transvaal-Park blieben nur Trümmer (Foto: NTW)
Vom Transvaal-Park blieben nur Trümmer (Foto: NTW)
Den dritten potentiellen Verantwortlichen nannte Luschkow nicht - und das wohl nicht unbeabsichtigt: Auch die Betreiber des Aquaparks können sich schuldig gemacht haben, wenn ihnen nachgewiesen werden kann, dass die Hallendecke durch falsche Sparsamkeit oder Unvermögen beim Betrieb des Bades in sich zusammen brach. Etwa, weil auf den Betrieb von Ventilatoren verzichtet wurde, mit denen die unter der Kuppel stehende Chlor-geschwängerte Warmluftblase permanent hätte zerstreut werden müssen: Bei einer Außentemperatur von minus 20 Grad bedeute dies einen Temperatur-Unterschied von 50 Grad - "eine kritische Größe für Metallkonstruktionen in unseren Breiten", so der Schwimmbad-Planer Valeri Goreglad zur "Iswestija". Bei einem früheren Besuch im "Transvaal" hätte er beobachtet, dass die Lüfter abgeschaltet waren.

Neben Strafen drohen den Badepark-Eignern nun auch große Schadenersatzforderungen der Opfer. Das Pikante daran: Wie die Moskauer Zeitungen "Kommersant" und "Wedemosti" unabhängig voneinander recherchierten, handelt es sich beim offiziellen Besitzer von "Transvaal" auf dem Papier um eine Schmieröl-Handelsfirma namens "Terra Oil". Hinter ihr steht jedoch der in Moskau wohlbekannte Baukonzern "Inteko" (Umsatz 2003: 740 Mio. Euro). Und dieser gehört wiederum zu 99 Prozent niemanden geringerem als Luschkows geschäftstüchtiger Ehefrau Jelena Baturina.

Die Ermittlungen der Unglücksursache und die Suche nach den Verantwortlichen werden damit zum Politikum. Ähnlich wie bei den Untersuchungen etwa zum Untergang der "Kursk" dürften die betroffenen staatlichen Behörden sich nun bemühen, ihre Funktionäre und Institutionen aus der Schusslinie zu holen.

Ihnen kommt entgegen, dass es im ansonsten so hochbürokratisierten Russland keine Baunormen für derartige Freizeit-Bäder gibt. Am Schluss trifft es dann - wie man in Russland sagt- - einen "kleinen Weichensteller" als Sündenbock. Es sei denn, Neider im Kreml nutzen jetzt die unerwartete Gelegenheit zu einem Schlag gegen Luschkows seit Jahren blühendes und notorisch korruptionsverdächtiges Familien-Imperium.

Für Baumängel kann "Inteko" und "Terra Oil" allerdings nicht verantwortlich gemacht werden. Sie erwarben den "Transvaal Park" erst im November 2003. Denn in den ersten anderthalb Betriebsjahren hatte das 40 Millionen Dollar teure Freizeitzentrum mit dem größten Badepark Osteuropas längst nicht soviel eingespielt wie erhofft. Sein privater Eigner drohte von Schulden erdrückt zu werden und verkaufte an die "stadtverwaltungsnahen Kreise" um Jelena Baturina. Die Stadt Moskau hatte schließlich ihr Renomee zu verteidigen: 2002 hatte sie das Spaßbad noch per Urkunde als "bestes Investitionsprojekt im Bereich Freizeit, Sport und Medizin" ausgezeichnet.

Bei Russland-Aktuell
• Aquapark: Ein „Erdbeben“ im Badeparadies (15.2.2004)
• Bilder von der Transvaal-Katastrophe
Obwohl ein Wiederaufbau machbar erscheint, wird das Unglücksbad jetzt wohl abgerissen. Den Moskauern dürfte der Spaß daran vergangen sein. Ohnehin stand der "Transvaal Park" unter einem schlechten Stern: Seine Wasserrutschbahn "Zyklon" kostete schon vorher drei Menschen das Leben: Noch vor der Eröffnung ertrank ein türkischer Bauarbeiter, der nicht schwimmen konnte. Später ereilte dann einen Mann in der Röhre der Herzschlag, ein anderer brach sich den Hals. Er war, Ironie des Schicksals, professioneller Stuntman. Allerdings waren beide Opfer alkoholisiert. Kein Wunder: In dieser russischen Tropen -Traumlandschaft gab es das Glas Wodka schon für 50 Rubel (1,35 Euro) - in der Bar, gleich am Beckenrand.

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