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Die vier Finalisten von Jugend debattiert: Vytautas, Aleksander, Mascha und Annett. (Foto: Brammerloh/.rufo)
Die vier Finalisten von Jugend debattiert: Vytautas, Aleksander, Mascha und Annett. (Foto: Brammerloh/.rufo)
Sonntag, 23.10.2011

Jugend debattiert-Finale in Kiew: AKW Pro und Contra

Kiew. Beim Finale von „Jugend debattiert international“ in Kiew war Mascha Melnikowa für Russland am Start. Beim Thema Atomausstieg machte aber Annett Lymar aus Estland im Land der Katastrophe von Tschernobyl das Rennen.

2011 ist für das deutsche Schülerprogramm „Jugend debattiert“ ein Jahr der Jubiläen: Vor zehn Jahren wurde der Wettbewerb der Debattierkunst in Deutschland ins Leben gerufen, seit fünf Jahren gibt es „Jugend debattiert international“ für Oberstufenschüler mit erweitertem Deutschunterricht auch in Mittel- und Osteuropa.

Das jetzt durchgeführte 5. Internationale Finale in der Ukraine ruft ebenfalls die Statistiker auf den Plan. Ansgar Kemmann von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, einem der vier Projektpartner der Veranstaltung (die anderen drei sind das Goethe-Institut, die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, ZfA), findet den Austragungsort jedenfalls symptomatisch und zählt weitere Jahreszahlen auf:

„1991 brach die Ukraine in eine neue Zeit auf; für das, was 1941 geschah, stehen wir Ihnen hier sprachlos gegenüber; 2006 wurde Osteuropa in das Programm aufgenommen“, sagte er in seinem Grußwort am Freitagvormittag beim Finale im Audimax der Polytechnischen Universität von Kiew.

Annett Lymar hat den internationalen Debattierwettbewerb von Kiew gewonnen. (Foto: Brammerloh/.rufo)
Annett Lymar hat den internationalen Debattierwettbewerb von Kiew gewonnen. (Foto: Brammerloh/.rufo)
Den 25. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl erwähnte er nicht. Doch das Wort fiel gleich im ersten Satz der Debatte, zu der die vier Finalisten Annett Lymar (Estland), Vytautas Jankauskas (Litauen), Aleksander Brzozowski (Polen) und Maria Melnikowa (Russland) dann das Podium betraten.

Für und gegen den Atomausstieg


Das Thema der Schlussdebatte in Kiew – Zufall oder nicht – lautete nämlich: „Sollen alle Länder Europas gesetzlich festlegen, in absehbarer Zeit aus der Nutzung der Atomenergie auszusteigen?“ Nach den Spielregeln von „Jugend debattiert“ nehmen zwei Debattanten die „Pro“- und zwei die „Contra“-Seite ein.

In diesem Falle hatten Annett und Vytautas die „Pro“-Position, Aleksander und Maria argumentierten für „Contra“. Jeder Teilnehmer hat zunächst zwei Minuten für eine kleine Eröffnungsrede, in der die Hauptthesen dargelegt werden. In einer 12 Minuten langen „freien Aussprache“ diskutieren die Schüler im Anschluss ihre Thesen; im Schlusswort bleibt jedem noch eine Minute Zeit, um ein Fazit zu ziehen.

Obama-Verschnitt und Rechtsanwälte


Annett aus Viljandi, die mit der Mahnung an die Erfahrungen von Tschernobyl 1986 ihr Plädoyer für eine stufenweise Abschaltung der AKW begonnen hatte, erwies sich in den Augen der fünfköpfigen Jury, die unter den Kriterien Sachkenntnis, Überzeugungskraft, Ausdrucksvermögen und Gesprächskompetenz ihr Urteil fällen, als die stärkste Debattantin.

Vytautas aus Vilnius lag nach Punkten nur knapp hinter ihr. Er war der erklärte Liebling der etwa 200 Zuhörer im Audimax, jedenfalls stießen seine Äußerungen ein ums andere Mal auf großen Beifall und Gejohle. Nach dem Finale bekam er direkt im Saal ein Geburtstagsständchen zu seinem 18. vorgetragen, den er am selben Tag feierte.

Bei Russland-Aktuell
• Jugend debattiert: Mascha aus Moskau ist die Beste! (11.04.2011)
• Goethe-Institut SPb. aktiv für die deutsche Sprache (14.02.2011)
• Lern Deutsch! – Goethe-Institut SPb. stellt sich vor (11.02.2011)
Der Junge hat offensichtlich das Talent zum Politiker; seine Mimik und Gestik erinnert frappant an Barack Obamas Wahlkampfgebaren unter der Losung „Yes, we can!“ Kein Wunder, dass der junge Mann ernsthaft in Erwägung zieht, ein sechsmonatiges Praktikum im Deutschen Bundestag zu absolvieren.

Die ebenfalls 18-jährige Annett wirkt dagegen viel „vernünftiger“ und bodenständiger. Nach dem Abi möchte sie denn auch Jura studieren und Anwältin werden. Aleksander aus Szczecin ist 19 und möchte ebenfalls Rechtsanwalt werden: „An Jugend debattiert international nehme ich teil, weil man hier lernt, wie man seine Meinung äußern kann“, sagt er ganz folgerichtig.

Ein überraschender Blick aus dem Hotelfenster: Das neue Kiewer EM-Stadion. (Foto: Brammerloh/.rufo)
Ein überraschender Blick aus dem Hotelfenster: Das neue Kiewer EM-Stadion. (Foto: Brammerloh/.rufo)

Mascha mag eigentlich gar nicht


Mascha aus Moskau, die im April im russischen Landesfinale in St. Petersburg den Sieg davon getragen hatte (Russland-Aktuell berichtete), wirkte in Kiew ein wenig unmotiviert. Beim Nachfragen stellte sich heraus, dass sie eigentlich gar keine rechte Lust auf „den ganzen Trubel“ hatte.

Mascha ist 16 und träumt davon, in Westeuropa Straßentheater zu spielen. Nicht unbedingt in Deutschland, „weil da alles genehmigt werden muss, selbst wenn du nur Straßenpflaster bemalen willst“. Mascha interessiert sich mehr für Kunst und Musik – gesellschaftspolitische Themen, auf denen „Jugend debattiert“ basiert, sind ihr eher fremd.

Sie hat sich schlicht überreden lassen zur Teilnahme: „Es war einmal, da kamen zu mir zwei Lehrerinnen und sagten: Mascha, bitte… Ich habe in dem Moment von irgendwas geträumt und nickte, um wieder meine Ruhe zu genießen“, so die 16-Jährige.

“Es ist wie eine Droge“


Mögen vielleicht nicht alle Themen allen gleich gut gefallen, so betonen die 16 Teilnehmer (die jeweiligen zwei aktuellen Landesieger aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, Russland, Tschechien, der Ukraine und Ungarn), die bereits zu Beginn der letzten Woche zum Siegertraining in die ukrainische Hauptstadt gereist waren, wie phantastisch es doch ist, sich mit Altersgenossen aus anderen Ländern zu treffen und dabei Deutsch als gemeinsame Sprachbasis zu haben.

Im Internet
• Website von Jugend debattiert international
• Website des Goethe-Instituts in der Ukraine

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Galina Manjutina, die russische Landessiegerin von 2008, empfindet „Jugend debattiert international“ als „Droge“; man müsse einfach immer weitermachen. Polina Toritschnaja aus St. Petersburg, die am Donnerstag im Halbfinale ausgeschieden war, findet es „einfach toll“, zu dieser internationalen Gemeinschaft zu gehören.

“Boxen und Debattieren haben viel Gemeinsames“


Das 5. Finale in Kiew stand übrigens unter der Schirmherrschaft von Boxweltmeister Vitali Klitschko. Leider konnte er nicht selbst erscheinen, aber in einem Grußwort erklärte er, wie wichtig es sei, den Dialog zu üben und eine gemeinsame Sprache zu finden.

Kiew klassisch - die legendäre Sophienkathedrale. (Foto: Brammerloh/.rufo)
Kiew klassisch - die legendäre Sophienkathedrale. (Foto: Brammerloh/.rufo)
Der ukrainische Schriftsteller Jurko Prokhasko, der das Finale moderierte, meint übrigens, Boxen und Debattieren hätte viel gemein – hier wie dort ginge es um Wettbewerb nach festen Spielregeln, um ein Kräftemessen, das beides aus der Antike stammt.

Die Ukraine als Gastgeberland war im Finale leider nicht mehr vertreten. Die beiden ukrainischen Schülerinnen waren bereits in den Qualifikationsdebatten, die den Halbfinals vorausgehen, ausgeschieden.

Schweinegrippe ließ 2009 Kiewer Finale platzen


Kiew sollte den Wettbewerb übrigens schon im vorletzten Jahr austragen, aber die Schweinegrippe machte einen Strich durch die Rechnung und das Finale zog nach Prag, wo sich auch die Zentrale des Projekts für Mittel- und Osteuropa befindet.

Aber nichts für ungut – hätte Kiew-2009 stattgefunden, hätten die ganzen „runden Zahlen“ nicht so gut gepasst, von denen weiter oben berichtet wurde. Im nächsten Jahr findet das „Endspiel“ übrigens in der litauischen Hauptstadt Vilnius statt.



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