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Juri Gurshy mit der Russendisko in seinem Element. Nicht nur die Turntables laufen heiß. (Foto: Russendisko)
Juri Gurshy mit der Russendisko in seinem Element. Nicht nur die Turntables laufen heiß. (Foto: Russendisko)
Freitag, 21.01.2011

Russland rockt Deutschland I: Disko und Krawallgitarre

Berlin. Anfang der Neunziger ging ein Raunen durch Berlin und den ganzen deutschen Westen. Plötzlich waren die Russen da. Das hatten wir in Berlin zwar schon mal, nur diese hier kamen in einer ganz anderen Mission…

Sie wollten einfach nur Spaß und nebenher die Berliner Partyszene rundum reformieren. Nun, feiern können sie, die Russen, und die Polka hat schon jedes Tanzbein in Bewegung gehalten. Generationsbedingt durfte es natürlich etwas schräger sein. Die osteuropäische Volksmusik erfuhr ein turbulentes Upgrade, und gerade Berlin war das dankbarste Pflaster.

Rockmusik durfte es eigentlich nicht geben


Unseren Blick auf die russische Rockmusik sollten wir vielleicht mit einer Zeitreise beginnen. Zurück in die Zeiten der (guten?) alten Sowjetunion. Wie so üblich, bekam man davon außerhalb der UdSSR natürlich mal wieder überhaupt nichts mit und dennoch war was los, „da drüben“.

Denn: es gab sie, die Rockmusik, auch wenn es sie gar nicht geben durfte. Sowjetische Rockmusiker unterwanderten das Kulturmonopol des Staates und bezeichneten sich indes lieber als Künstler und Intellektuelle.

Eine russische Rockikone: Viktor Zoi (links) mit seiner Band Kino. (Foto: S. Letowa)
Eine russische Rockikone: Viktor Zoi (links) mit seiner Band Kino. (Foto: S. Letowa)
In der Tat war auch die Rockmusik der UdSSR mehr auf das literarische Niveau nivelliert, als auf den „Urschrei“ der mit ihrer Musik rebellierenden Jugend im Westen. Erst mit Beginn der 80er Jahre schien Rockmusik bei einer breiteren Öffentlichkeit Gehör zu finden.

Und zwar gleich so viel, dass der Staat vorsichtshalber einschritt. 1984 bis 1985 war Rockmusik in der Sowjetunion mit einem Bann belegt. Zugegeben, Bands wie Aquarium, DDT oder Kino waren auch nicht ausnahmslos wegen des Unterhaltungswertes ihrer Musik auf der Bühne. Es rumorte im Volk.

Die Zeit der „VIAs“


Erst in Zeiten von Glasnost erfährt das Genre die ihm gebührende Wertschätzung. Alben werden veröffentlicht und erreichen stellenweise innerhalb Stunden rekordverdächtige Verkaufszahlen. Ab da wurde auch Deutschland aufmerksam, logischerweise zuerst in der DDR.

Zwar kannte man dort durch den sozialistischen Jugendsender DT-64, das eine oder andere der „Gesangs- und Instrumentalensembles“ (russisch „VIA“), wie Bands so herrlich umständlich formuliert wurden, jedoch war der Blick in den Siebzigern und zu Beginn der Achtziger nur auf wenige gerichtet.

Man erfuhr von den „Singenden Gitarren“, gegründet 1966, von den „Edelsteinen“, die bereits in der UdSSR beim Rundfunk durchaus populär waren. Das Erfolgsrezept schien damals die Lichtorgel, die sogenannten „Lichteffekte“. Das kam an beim Publikum.

Man vernahm von Weißrussischen Combos und von Usbeken sowie Ukrainern. Die eigentlichen russischen Beats gingen im Schmelztiegel SU weitgehend unter. Dann kam schlagartig die Wende, und der Sozialismus war von heute auf morgen Geschichte.

Die Russen kommen!


In den meisten Fällen kamen „die Russen“ als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland. Die ersten damals noch nach Ost-Berlin. „Honecker nimmt Juden aus Russland auf!“ – diese Nachricht verbreitete sich in Windeseile, und jüdischer Abstammung zu sein kam quasi einem Freibrief gleich – hinaus in die weite Welt.

Wie schrieb es Wladimir Kaminer in seinem Bestseller „Russendisko“ so schön: „Die Emigration nach Deutschland war viel leichter als nach Amerika. Die Fahrkarte kostete nur 96 Rubel und für Ostberlin brauchte man kein Visum.“

Boris Grebenschtschikow, Frontmann von „Aquarium“. Eine Legende der russischen Rockmusik. (Foto: Grebenschtschikow)
Boris Grebenschtschikow, Frontmann von „Aquarium“. Eine Legende der russischen Rockmusik. (Foto: Grebenschtschikow)
Das dachten sich wohl viele, und wer ein Instrument beherrschte, verdingte sich als Straßenmusiker. Deutschland war inzwischen wiedervereint, und es wurde allmählich eng auf der Straße.

So mancher der Auswanderer nutzte die Möglichkeit auf ein Zubrot zum staatlichen „Taschengeld“. Viele stehen da heute immer noch bei Wind und Wetter. An ihrer Ausbildung und Qualität als Musiker gemessen gehören eigentlich die meisten von ihnen in einen Orchestergraben.

Die jungen Wilden indes nutzten ihre Chance und eroberten die Clubs der Stadt. Balkan-Rhythmen waren mit einem Mal angesagt, und die Russen waren mittendrin. Das „Kafe Burger“ in Berlin stellte die Kommandozentrale und die Welle schwappte über.

Russendisko allerorts!


Plötzlich war allerorts „Russendisko“ – bis in die tiefste Provinz. Das Rezept war relativ einfach: Man nehme je eine Prise „Russische Seele“, jüdischen Klezmer, Gypsie-Punk und Balalaika-Polka und mixt es kräftig durch.

Anschließend gibt man den Teig auf einen Turntable, lässt die Sau raus und gibt dem Gast einen Wodka. Und wenn der Laden kocht, gießt man Bier hinterher.

Wladimir Kaminer – eigentlich ist er Schriftsteller, Kolumnist und hält Lesungen – traf auf den ukrainischen Bassisten Juri Gurshy. Die beiden stellten aus ihrer Plattensammlung eine Party auf die Beine, um Berlin die russische Musik auf die Ohren zu geben: Das Menü war serviert.
Teil II unserer Reise durch das russische Berlin der Musik folgt am Montag.



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