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Hacker-Regisseur - oder nur ein vorgeschobenes Gesicht? Der Hamster-Sprecher Bolonkin (Foto: homyachki.com)
Hacker-Regisseur - oder nur ein vorgeschobenes Gesicht? Der Hamster-Sprecher Bolonkin (Foto: homyachki.com)
Montag, 13.05.2013

„Netz-Hamster“ gestehen Hacker–Attacken auf Medien

St. Petersburg. Mehrere unabhängige Petersburger und russische Internet-Medien wurden am Siegestag durch eine DDos-Attacke lahmgelegt. Zu dem Hacker-Angriff bekannten sich „Hamster“, denen diese Medien prinzipiell missfallen.

Hacker-Attacken gegen Online-Medien scheinen in Russland zu einem neuen Methode der politischen Kriegsführung zu werden: Im April wurde bereits einmal die Web-Seite der betont Kreml-kritischen „Nowaja Gazeta“ lahmgelegt.

Am Donnerstag, dem arbeitsfreien „Tag des Sieges“, traf der Schwall einer DDos-Attacke zahlreiche Medien-Seiten, bevorzugt in St. Petersburg. Die führende Online-Stadtzeitung Fontanka.ru mit ihren Satelliten-Seiten war für einen Tag lahmgelegt, aber auch lenizdat.ru, die russische Seite von Forbes, der Net-TV-Sender Rain.tv. Auch der Radiosender Echo Moskwy sowie erneut die Nowaja Gazeta wurden angegriffen, hielten den Attacken aber stand.

Hacker betreiben PR in eigner Sache


Ungewöhnlich an der Hacker-Attacke war, dass zeitgleich bei den Redaktionen ein Bekennerschreiben einging: Für die „Abschaltung“ der Medien seien die Netz-Hamster verantwortlich, hieß es da – und sie verwiesen auf ihre Seite www.homyachki.com.

Dort hing dann sogar eine Videobotschaft, in der ein gestriegelter junger Mann erklärte, dass seine Initiative auf diesen Weg den Siegestag begehe – und auf die Unterstützung durch alle „echten Patrioten“ hoffe.

Die „Hamster“ geben sich dabei nach außen betont unbedarft und unpolitisch - aber doch entschlossen, gegen „bestellte Artikel und Lügen in den Medien“ zu kämpfen und „die informative Korrektheit und Sauberkeit des Wortes in unserem Land“ zu unterstützen.

Als Hacker outen sich die Hamster dabei nicht direkt: Sie behaupten einfach, sie würden die angegriffenen Webseiten so intensiv aufrufen, dass diese zusammenbrechen würden. "Wir nagen ihnen die Leitungen durch", verkündet in einem Video ein animiertes possierliches Hamster-Tierchen.

Braver Student outet sich als Netz-Moralwächter


Der Blondschopf, der in dem Bekennervideo seine patriotische Tat preist, stellte sich zwar nicht persönlich vor, wurde von Netz-Usern und der fontanka-Redaktion inzwischen identifiziert: Es handelt sich um den 22 Jahre alten Maxim Bolonkin, einem Studenten der Petersburger Telekommunikations-Universität Bontsch-Burewitsch.

Die Journalisten der für ihre guten Kontakte in den Polizeiapparat bekannten Net-Zeitung recherchieren auch schnell den Lebenslauf des Hamster-Sprechers und befragen dessen Bekannte: Wie sich zeigt, ist Bolonkin ein ganz normaler, offensichtlich cleverer Technik-Student, etwas extrovertiert, aber bis dato mit politischen Aktionen oder Äußerungen nicht aufgefallen.

Vorübergehend engagierte er sich bei einer Freiwilligen-Initiative namens „MIR“, beim Studenten-Humor-Wettbewerb KWN, gründete einen Jugend-Internet-TV-Kanal und mit einem Kommilitonen auch eine PR-Agentur. Aus all diesen Projekten soll sich Bolonkin aber in den letzten Monaten zurückgezogen haben. Selbst aus dem Studenten-Wohnheim zog er zeitgleich aus.

Der Hamster sitzt in seinem Bau - und schweigt


Aus seinem Umfeld verlautet fast unisono, dass man nicht verstehe, warum er das mache – und das er persönlich wohl kaum derjenige sei, der eine solche breit angelegte Hacker-Attacke finanziell wie technisch bewerkstelligen könne.

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Ein Gesprächsangebot von fontanka.ru hat Bolonkin bislang abgelehnt: Die Web-Zeitung beteuert, sie sei ernsthaft interessiert, genauer zu erfahren, was an ihrem Journalismus denn so verabscheuungswürdig "dreckig" und falsch sei. Auch für die Ideologie der Web-Hamster würde man sich interessieren – wenn es denn eine gibt. Doch der Hamster-Sprecher schweigt bisher.

Vermutlich wird er sich alsbald aber gegenüber Ermittlern und auch seiner Uni-Leitung etwas näher darlegen müssen: Das Behindern der Arbeit von Massenmedien ist in Russland nämlich eine Straftat.

Die Geldgeber? Es riecht nach "einflussreichen Kreisen"


Ob dabei allerdings die echten Hintermänner dieser Aktion ans Tageslicht kommen werden, ist ungewiss: Die Schlagrichtung der so frisch und fröhlich daherkommenden Web-Hamster passt zu gut in die aktuelle patriotisch-konservative Generallinie der russischen Politik, die sich vor allem durch neue Gesetzesprojekte in der Duma und Ermittlungsverfahren manifestiert.

Schwulen-Demos sollen landesweit verboten werden, das Fluchen in den Massenmedien ist es schon. Putin spricht sich dafür aus, Schuluniformen wieder einzuführen. Politisch tätige NGOs werden von der Staatsanwaltschaft extrem pingelig unter die Lupe genommen – und auch vor Gericht gebracht. Und kritischen – und populären - Geistern wie Alexej Nawalny hängt man trotz dünner Beweislage Strafprozesse wegen angeblich Jahre zurückliegender Mauscheleien an.

Die Netz-Hamster passen bestens in diese Reihe: Sie sollen offenbar unter jüngeren Leuten die Ansicht verbreiten, dass die verbliebenen großen nicht-staatlichen Medien samt derer Journalisten allesamt vaterlandslose, käufliche und vertrauensunwürdige Gesellen sind – und dass man eine gute Tat tut, wenn man deren Arbeit lahmlegt.

Damit dann nur niemand lautstark protestiert, wenn dies eines Tages einmal von Amts wegen passieren sollte.


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