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Viktor Tscherkessow sprach im Herbst 2007 vom Krieg der Geheimdienste in Russland (Foto: Archiv/.rufo)
Viktor Tscherkessow sprach im Herbst 2007 vom Krieg der Geheimdienste in Russland (Foto: Archiv/.rufo)
Aktualisiert 04.01.2012 17:46

Viktor Wassiljewitsch Tscherkessow

Ehemaliger Generalgouverneur und Leiter der Anti-Drogen-Behörde. Generaloberst.

Zitat: „Ich fühle mich nicht als Mann Putins.“

Geboren: 13. Juli 1950 in Leningrad.

Laufbahn: Tätigkeit bei der Leningrader Staatsanwaltschaft, danach beim KGB. Vize-Direktor des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Generalgouverneur für Nordwestrussland. Chef der russischen Drogenbehörde. Bis 2010 Leiter der staatlichen Agentur für Waffenlieferungen. Bei der Dumawahl 2011 tritt er für die Kommunisten an.

Freunde: Wladimir Putin, Sergej Stepaschin.

Feinde: Wladimir Jakowlew und Boris Beresowski. Mit Nikolai Patruschew gab es Kompetenzstreitigkeiten.

Skandale: Arbeitete in der 5. Abteilung des KGB, die sich mit Dissidenten beschäftigte. Leitet in den 90er Jahren die Ermittlungen gegen den Umweltschützer Alexander Nikitin

Familie: In zweiter Ehe verheiratet, zwei Töchter.

Hobbys: Theater. Lesen.

Viktor Tscherkessow ist seit Jahren ein treuer Wegbegleiter Putins (Foto: Archiv/.rufo)
Viktor Tscherkessow ist seit Jahren ein treuer Wegbegleiter Putins (Foto: Archiv/.rufo)
Laufbahn:

2011: Tscherkessow geht in die Opposition. Bei der Dumawahl lässt sich der ehemalige Putin-Vertraute von den Kommunisten aufstellen.

Juni 2010: Tscherkessow verliert seinen Posten als Leiter der staatlichen Agentur für Waffenlieferungen.

Mai 2008: Im Zuge der Regierungsumbildung in Russland verliert Tscherkessow seinen Posten als Chef der Drogenbehörde. Er wird zum Leiter der staatlichen Agentur für Waffenlieferungen. Politische Beobachter sehen in dem Abstieg eine Strafe dafür, dass er den Kompetenzstreit zwischen Geheimdienstorganen publik gemacht hat.

Oktober 2007: Zwei hochrangige Beamte der Drogenbehörde werden wegen Korruption verhaftet. Das ist ein harter Schlag gegen die einflussreiche Drogenbehörde, die sich beim Kampf gegen die Drogenmafia zahlreiche Kompetenzen anderer Sicherheitsorgane angeeignet hatte (u.a. Lauschangriffe, Ermittlungen wegen Waffenbesitzes und Menschenhandels). Tscherkessow spricht nach dieser Maßnahme von einem „Krieg der Geheimdienste in Russland“

11. März 2003: Ablösung vom Gouverneursposten und Ernennung zum Chef der russischen Drogenbehörde.

18. Mai 2000: Ernennung zum Vertreter des russischen Präsidenten im Nordwestlichen Föderalen Bezirk. Der Bezirk umfasst die Republiken Karelien und Komi, die Gebiete Archangelsk, Wologda, Kaliningrad, Leningrad, Murmansk, Nowgorod, Pskow, die Stadt St. Petersburg und den Autonomen Bezirk der Nenzen.

1998 - 2000: Erster Stellvertretender Direktor des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB.

1992 - 1998: Leiter der FSB-Verwaltung in St. Petersburg und des Verwaltungsgebietes Leningrad.

1984: Für seine Ermittlungen in einem Spionage-Fall wird Tscherkessow mit dem Orden „Roter Stern“ ausgezeichnet.

Seit 1975: Mitarbeiter des KGB in Leningrad. Tscherkessow durchläuft einen beruflichen Werdegang vom Einsatzleiter bis zum Leiter des Untersuchungsdienstes. Er macht er sich durch Ermittlungen gegen Dissidenten einen Namen. Dazu gehören die Strafsachen gegen Wladimir Poryschew, den Redakteur der religiösen Zeitschrift „Obschtschina“(1979); gegen Natalja Malzewa, eine Feministin aus Leningrad (1980); gegen die unabhängige Gewerkschaft SMOT (1981) gegen Michail Meilach, einen Philologen und Redakteur der im Ausland erschienen Werke der in den 20er Jahren verfolgten Schriftsteller Harms und Wedenski (1983).

1975: Tätigkeit bei der Leningrader Staatsanwaltschaft. Abschluss an der Staatlichen Universität Leningrad (Juristische Fakultät) an der er sich direkt nach dem Wehrdienst immatrikulierte.


Freunde und Team:

Tscherkessow gehört zum Team Putins. Putin lädt Tscherkessow nach seiner Ernennung zum FSB-Chef von St. Petersburg nach Moskau ein, um ihm den Posten seines Ersten Stellvertreters anzubieten.

Sergej Stepaschin, der Tscherkessow als Leiter der FSB-Verwaltung in Petersburg vorschlug.

Alexander Kusnezow, sein Stellvertreter bei der Drogenbehörde.

Der frühere Eisenbahnminister Nikolai Aksjonenko. Jewgeni Makarow, der frühere Gewerkschaftsführer, der bei Tscherkassows Drogenbehörde für die Pressearbeit zuständig war.

Nikolai Patruschew, der ehemalige FSB-Direktor und sein Vize Wladimir Schulz zählten lange Zeit zu den Verbündeten Tscherkessows. Wie er zählen sie zur Leningrader Clique. Doch ernsthafte Kompetenzstreitigkeiten im Herbst 2007 erschüttern diese Freundschaft Patruschew muss nun eher zu den Feinden Tscherkessows gezählt werden.


Feinde:

Der ehemalige Petersburger Bürgermeister Wladimir Jakowlew. Der Exil-Magnat Boris Beresowski.


Skandale:

Machte den „Krieg der Geheimdienste“ publik. Nachdem im Herbst 2007 zwei hochrangige Beamte seiner Drogenbehörde wegen Korruption verhaftet wurden, warf er seinen Geheimdienstkollegen vor,
einen Machtkampf um Geld und Einfluss in Russland vom Zaun zu brechen.

Arbeitete in der 5. Abteilung des KGB, die sich mit Dissidenten beschäftigte. 1984 bekam er den Orden Roter Stern für die Aufdeckung einer Spionageangelegenheit. Diese Tätigkeit hätte ihn später fast die Karriere gekostet. Die Abgeordneten des Leningrader Sowjets protestierten 1992 wegen Tscherkessows Vergangenheit gegen die Ernennung zum Leiter der FSB-Verwaltung in St. Petersburg. Tscherkessow gab an, dass er den Orden nicht für die Verfolgung von Dissidenten bekommen habe, sondern für die Arbeit gegen den Atomexperten Pawlow, der für die USA spionierte und dafür zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde.

1997 lässt Tscherkessow ein Verfahren gegen den Umweltschützler Alexander Nikitin eröffnet. Der FSB wirft Nikitin Spionage und die Übergabe von geheimen Dokumenten an die norwegische Umweltschutz-Organisation Bellona vor. Nikitin wird nach einem Jahre langen Prozess freigesprochen.

Die Beamten der Präsidentenverwaltung übergeben Tscherkessow als Amtssitz das historische Gebäude des Standesamts am Petrowski-Ufer in Petersburg. Das führte 2000 zu einer großen Protestaktion von Bräuten.


Familie und Eltern:

Tscherkessow stammt aus einer Arbeiterfamilie. Vater Wasili Wasiljewitsch und Mutter Maria Petrowna haben ihr Leben für eine Reederei gearbeitet. Tscherkessow ist verheiratet. Seine Ehefrau Natalja Tscherkessowa (Tschaplina) ist Journalistin und Chefredakteurin der Nachrichtenagentur Rosbalt. Früher leitete sie die Petersburger Zeitung „Tschas Pik“. Die Tscherkessows haben zwei Töchter.


Hobbies und Charakter:

Tscherkessow geht gerne mit seiner Frau ins Theater, selten verpassen die beiden eine Premiere. In der kürzesten Weißen Nacht in Petersburg fahren die Tscherkessows Jahr für Jahr mit dem Boot auf den Kanälen der Newa-Stadt. Tscherkessow gefallen die Gedichte von Pasternak.


Zitate:

„Als sie in den Abgrund stürzte, klammerte sich die postsowjetische Gesellschaft an den Haken Geheimdienst.“
„Ich fühle mich nicht als Mann Putins.“

„Der Kampf gegen die Korruption darf weder Kampagne noch Wahl-PR sein. Von seinem Ergebnis hängt das Schicksal des russischen Staates ab“

Über die Werke von Alexander Solschenizyn, dem Autor des Archipel GULAG: „Das ist nichts für mich!“

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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)



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