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Marinesko wurde posthum zum Helden der Sowjetunion erklärt
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Montag, 31.01.2005

Gustloff: U-Boot Kapitän bis heute ein Kriegsheld

Moskau. Der U-Bootkapitän Alexander Marinesko wird auch 60 Jahre nach dem Untergang der „Wilhelm Gustloff“ in Russland als Nationalheld gefeiert. Damals seien „3800 deutsche Seeleute und 6000 Offiziere samt Familien“ vernichtet worden, schreibt die Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“ heute. Nur eine Legende behaupte, dass es sich um zivile Flüchtlinge handelte.

Gustloff-Kapitän unterschrieb eigenes Todesurteil

Kapitän Petersen habe das Todesurteil der „Wilhelm Gustloff“ selbst unterschrieben, als er die Hecklichter einschalten ließ, sagte die Tochter des U-Bootkapitäns, Leonora Marinesko der Zeitung in einem Interview. Sie ist Dozentin an der Marinehochschule in Odessa, wo ihr Vater studiert hatte und die seinen Namen trägt. Es sei eher ein Zufall gewesen, dass er das deutsche Kreuzfahrtschiff entdeckte. Dass es ihm gelang, nach der Versenkung seine deutschen Verfolger abzuhängen, war aber nur sein Verdienst.

Nach den Worten der Marinesko-Tochter erzählte der Vater äußerst ungern über den Untergang der „Gustloff“, jedoch nicht weil er jene Attacke bereute. Vielmehr hatte sie seine Militärkarriere gerettet, wenn auch auf eine aus sowjetischer Sicht zwielichtige Art und Weise.

Torpedo-Angriff wog Liebesaffäre auf

Am 31. Dezember 1944 feierte der Kapitän zusammen mit Kameraden von seiner S-13 „Stalinez“ Neujahr in einem Lokal des finnischen Hafens Hanko und lernte dort die schwedische Wirtin kennen, die ein gutes Russisch sprach. Es kam zu einer Schlägerei zwischen russischen Seeleuten und ortsansässigen Finnen. Die russischen Seeleute wurden auf Befehl des Brigadenkommandeurs sofort zurückgerufen wurden. Nur der Kapitän blieb entgegen des Befehls bei der schönen Schwedin.

Nach der Versenkung des Schiffs mit den „Hitleristen“ wurde von einem Disziplinärverfahren abgesehen, die Affäre mit einer Ausländerin vergab man Marinesko aber nicht. Er wurde nur mit einem zweitrangigen Orden dekoriert. Die Besatzung ging überhaupt leer aus. Marinesko habe damals „herumgetobt“, so Leonora. „Meinetwegen sollen sie mich bestrafen; was hat die Mannschaft aber damit zu tun?“, zitierte sie ihren Vater.

Trinkgelage und Degradierung

Laut Leonora war Marinesko entgegen der verbreiteten Meinung kein Trunkenbold gewesen. Er habe „nicht mehr, aber auch nicht weniger getrunken, als andere“. Durch die aus seiner Sicht ungerechte Behandlung nach seiner „Heldentat“ beleidigt, stürzte er sich jedoch in Trinkgelage und Liebesabenteuer. Da er nicht daran dachte, sie zu verheimlichen, wurde der Korvettenkapitän zum Oberleutnant degradiert.

In ihrem Interview verriet Marinesko-Tochter einige vertrauliche Einzelheiten der Tragödie. Nach den Worten ihres Vaters fragte die „Gustloff“ in der deutschen Signalsprache nach der Identität des U-Boots. Der zuständige Matrose war ratlos. Da sagte Marinsko angeblich, er solle auf gut russisch antworten, „Sie sollen uns mal...“. Auf der „Gustloff“ gab man sich damit zufrieden, weil man offenbar froh war, dass überhaupt eine Anwort kam, erzählte Leonora Marinesko.

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Diebstahl sozialistischen Eigentums

Wenig bekannt ist die Tatsache, dass der Ex-Kapitän nach seiner Entlassung von der Kriegsmarine wegen echten oder vermeintlichen „Diebstahls von sozialistischem Eigentum“ (es ging um Kohlebriketts für seine Mitarbeiter) zu drei Jahre Lagerhaft verurteilt wurde und anderthalb davon auf der Halbinsel Kolyma im Hohen Norden verbüßte.

Sterbehilfe a la russe

Alexander Marinesko starb 1963 an Kehlkopfkrebs. Einen Tag vor seinem Tod erlaubten ihm die Ärzte, bei einer Flasche Kognak von seinem besten Freund und früheren Schiffskameraden Michail Wanstein im Krankenzimmer Abschied zu nehmen. Es war eine sehr russische Sterbehilfe. Damit ging ein kurioses, abernteuerliches Leben zu Ende, aber nicht die Geschichte des U-Bootkapitäns Marinesko. 1990 verlieh der erste und letzte Präsident der UdSSR Michail Gorbatschow ihm posthum den Titel „Held der Sowjetunion“ – 45 Jahre nach dem Untergang der „Wilhelm Gustloff“.

(adu/.rufo)


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