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Dienstag, 24.06.2003

Kriminelle Polizisten machten Millionen

St. Petersburg. Innenminister Gryslow bläst zum Kampf gegen Korruption und Kriminalität: Prompt wurde gestern in Moskau eine Bande krimineller Polizei-Beamter ausgehoben. Die hochrangigen „Werwölfe in Uniform“ sollen Geschäftsleuten Rauschgift und Waffen untergeschoben haben, um sie zu erpressen. Wer sich nicht gefügig zeigte, wanderte ins Gefängnis. Aus der Kasse der Miliz-Mafia wurden 5 Millionen Dollar sichergestellt.

Russland hat seinen ersten Sommer-Skandal: Sechs hochrangige Polizei-Offiziere und ein General wurden am Montag in Moskau in einer gemeinsamen Großaktion von Polizei, Staatsanwaltschaft und Geheimdienst verhaftet. Dies war die größte – und zugleich am medienwirksamsten inszenierte – Säuberungsaktion in der Geschichte der russischen Miliz: Etwa 600 Einsatzkräfte waren morgens um 7 Uhr im Hof der Generalstaatsanwaltschaft angetreten. Dort erhielten sie ihre Einsatzbefehle in verschlossenen Umschlägen.

Die Presse war informiert und pünktlich zur Stelle. Doch wem die Operation galt, konnten die Ermittler bis zum Schluss geheimhalten: Pünktlich um 9.45 schnappten bei fünf Obersten und Oberstleutnants der „Abteilung zum Kampf gegen den illegalen Waffenhandel“ der Moskauer Kriminalpolizei die Handschellen zu. Ebenfalls verhaftet wurde ein Generalleutnant des Katastrophenschutzes sowie ein Milizoberst aus der Fahndungsabteilung der Moskauer Kripo, der zuletzt große Erfolge bei der Terroristenbekämpfung geltend gemacht hatte. Eine gute Stunde später verkündete Innenminister Boris Gryslow, die Bande hätte unbescholtenen Bürgern „Waffen, Munition und Rauschgift untergeschoben, um sie zu erpressen“. Etwa 100 Ermittlungsverfahren müssten jetzt neu aufgerollt werden.

Zahlreiche Menschen säßen wegen der von der Bande falsifizierten Beweise gegenwärtig im Gefängnis, so Gryslow. Diese Fälle sind aber wohl nur die Spitze des Eisbergs, denn das eigentliche Ziel der Mafia-Bande in Uniform war es, die fingierten Ermittlungsverfahren gegen üppige Schmiergeldzahlungen wieder unter den Tisch fallen zu lassen. In der Rolle des „Vermittlers“, der den Handel zwischen Kripo und Opfern abwickelte, soll General Wladimir Ganajew aufgetreten sein – seines Zeichens Chef der Sicherheitsabteilung des russischen Katastrophenschutzes und eigentlich zuständig für die Bewachung von Hilfstransporten und Lagerhäusern. Parallel wurden die Opfer erpresst, sich für die Zukunft der Dienste eines bestimmten Sicherheitsunternehmens zu versichern – in Russland die klassische Konstruktion eines „Mafia-Daches“, das so an den Umsätzen legaler Betriebe beteiligt ist.

Nach Berichten der „Iswestija“ kontrollierte die Moskauer Miliz-Mafia zwei Kaufhäuser, eine Bank, zwei Casinos und drei Restaurants. Für die Geldwäsche unterhielt sie einen „Sozialfonds zum Schutz der Kriminalpolizei-Veteranen“.

Ihre Geschäfte soll die von der Presse „Werwolf-Bande“ getaufte Miliz-Mafia über vier Jahre betrieben haben – ersten Indizien zufolge mit beträchtlichem Gewinn: Insgesamt wurden bei den Durchsuchungen von 40 Objekten etwa fünf Millionen Dollar in bar sichergestellt – sowie das interne „Buchhaltungsbuch“ der Gruppe. Einer der verhafteten Beamten trug eine 30.000-Dollar-Uhr am Handgelenk. Katastrophenschützer Ganajew hatte bei seiner Verhaftung 9400 Dollar in der Tasche, in seinem Bürosafe lagen weitere 50.000 Dollar.

Die Ermittler prüfen nun, ob ihre Kollegen auch noch andere Vergehen auf dem Kerbholz haben – bis hin zum Mord und dem Betrieb einer illegalen Waffenschmiede. Fündig werden kann man in den Reihen der russischen Ordnungshüter eigentlich immer: Nach Angaben der Zeitung „Wedomosti“ kündigen jährlich etwa 10 Prozent aller Beamten, weil sie sich zu viel zu Schulden haben kommen lassen. Bisher bevorzugten die nach Meinung von Experten hochgradig korrumpierten „Organe“, derartige rufschädigende Fälle im Stillen abzuwickeln.

Dass jetzt plötzlich Offiziere vor laufender Kamera verhaftet wurden, hat nach Meinung vieler Beobachter seinen eigenen Grund: Im Dezember sind Duma-Wahlen – und Innenminister Gryslow, zugleich Vorsitzender der an Popularitätsschwäche leidenden Kreml-hörigen Partei „Einiges Russland“, muss dringend eine starke Hand beweisen: Erst am Wochenende sagte er: „Die organisierte Kriminalität erwürgt Russland“. Kriminelle, Polizei, Gerichte und Staatsbeamte steckten häufig unter einer Decke. Dagegen müsse kompromisslos gekämpft werden. „Ämter und Titel sind bedeutungslos, es gibt keine Unantastbaren“, so der Innenminister.
(ld/.rufo)

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