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Menschenleere Straßen könnten in Zukunft nichts Besonderes mehr sein in Russland. Foto: Deeg/.rufo
Menschenleere Straßen könnten in Zukunft nichts Besonderes mehr sein in Russland. Foto: Deeg/.rufo
Freitag, 29.10.2004

Russland verliert jährlich eine Million Menschen

St. Petersburg. Die Demographen schlagen Alarm – alljährlich sinkt die Einwohnerzahl Russlands um eine Million Menschen. Sind es heute noch 143,7 Millionen, werden es 2025 nur noch 125 Millionen sein. Im Jahre 2050 bleiben laut Prognosen nur noch 100 Millionen Einwohner übrig. Der Rückgang betrifft vor allem die slawischen Nationalitäten, während die Zahl der kaukasischen und asiatischen Bevölkerungsgruppen stark zunimmt.

Die Statistiker von Roskomstat ziehen wahrhaft beeindruckende Schlüsse aus den Ergebnissen der letzten Volkszählung von 2002. Im Vergleich zur vorhergehenden Erhebung sind 11.000 Dörfer und 290 Städte von der Landkarte verschwunden. Eigentlich müssten weitere 13.000 Dörfer ersatzlos gestrichen werden, aber solange noch wenigstens ein Mensch dort gemeldet ist, verbietet dies das Gesetz.

Weniger Slawen, mehr Kaukasier

Laut Roskomstat ist ein Land nicht mehr lebensfähig, wenn jenseits seiner Grenzen das 50-Fache an Menschen wohnt. Östlich des Amur-Gebiets in Fernost kommen schon heute 350 Chinesen auf einen russischen Bürger. Tendenz steigend – oder fallend, von Russland aus betrachtet. Diese Entwicklung droht der Region mit völlig unvorhersehbaren Änderungen.

Eine ganz andere Gefahr birgt die Veränderung der nationalen Zugehörigkeit der Bevölkerung Russlands. Während die slawische Bevölkerung (Russen, Weißrussen, Ukrainer) abnimmt, legen die kaukasischen Völkerschaften mächtig zu. Inguschen, Aserbaidschaner und Armenier gibt es heute doppelt so viele wie 1989; um das Anderthalbfache stieg die Zahl der Tschetschenen, Awaren und Lesginen.

Leben in Russland heute 20 Millionen Moslems, sollen sie schon 2050 mit den Bürgern russisch-orthodoxen Glaubens gleichziehen. Wie sich dies auf Kultur und Selbstverständnis des Landes auswirken wird, ist eine ganz andere Frage. Die traditionelle Frage, ob Russland mehr dem Orient oder dem Okzident angehöre, scheint angesichts dieser Zahlen ihre Existenzberechtigung verloren zu haben.

Zu geringe Lebenserwartung, zu wenig Geburten

Russische Männer haben heute die für westliche Verhältnisse erschreckend geringe Lebenserwartung von 58 Jahren. Schlechte Arbeitsbedingungen, bewaffnete Konflikte und Alkoholismus werden als hauptsächliche Gründe dafür angeführt. Mediziner sind der Meinung, von den heute 18-jährigen jungen Männern würde nur knapp jeder zweite das Rentenalter erleben. Frauen erreichen dagegen ein durchschnittliches Alter von 72 Jahren.

Jede Frau im gebärfähigen Alter bringt statistisch gesehen 1,25 Kinder auf die Welt. Damit die Nation nicht ausstirbt auf die Dauer, müssten es aber wenigstens 2,15 sein. Dabei ist eine Erhöhung der Geburtenrate nicht in Sicht. Schuld an allem ist das allzu geringe Einkommen der Bevölkerung und die äußerst ungerechte Verteilung der finanziellen Mittel. Drei Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung kann gerade einmal sich selbst und vielleicht noch ein Kind unterhalten. Zu mehr reicht das Geld nicht.

Solange der Abgrund zwischen Arm und Reich so bleibt wie jetzt, wird es weiter abwärts gehen mit der Einwohnerzahl Russlands. Was helfen Aufschwung und Wirtschaftswachstum, wenn die Gewinne nur die Reichen immer reicher machen? Der Staat muss grundlegend umdenken, wenn er seine Menschen nicht verlieren will, die ja immerhin – so platt es auch klinkt, so wahr ist es doch – die Grundlage für seine Existenz stellen. (sb/.rufo)



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