Waldbrände: Sümpfe sollen wieder geflutet werden
Schwitzende Moskauer erwartet Abkühlung und neue Hitze
Russland-Aktuell zur Statrseite machen


Putin ist tief gesunken - auf den Grund des Baikalsees in immerhin 1.400 Meter Tiefe (Foto: TV)
Putin ist tief gesunken - auf den Grund des Baikalsees in immerhin 1.400 Meter Tiefe (Foto: TV)
Montag, 03.08.2009

Wladimir Putin ist untergetaucht – im Baikalsee

Irkutsk. Premier Putin ist abgetaucht in die Tiefen des Baikals. Die trübe „Planktonsuppe“ am Grund durchschaute Putin mit messerscharfem Blick als Indiz einer intakten Umwelt. Darf eine Dreckschleuder deshalb weitermachen?

Eigentlich plädieren die Umweltschützer für einen sanften Tourismus am Baikalsee. Doch derzeit herrscht Hochbetrieb am Ufer des größten Süßwasserreservoirs der Erde; Promi-Massentourismus gewissermaßen:

Abgeordnete, Premiers und Rocker am Baikal


Am Wochenende tauchten der Duma-Abgeordnete Artur Tschilingarow und Premier Wladimir Putin in den Baikal ein. Nun ist die russische Rock-Legende Andrej Makarewitsch (Frontmann der Band „Maschina Wremeni“) auf Tauchstation gegangen. Milliardär Wladimir Grusdjew wartet noch am Ufer.

Bei Russland-Aktuell
• Deutscher Tourist am Baikalsee tödlich verunglückt (13.07.2009)
• Neue Expedition zum Grund des Baikalsees angelaufen (15.06.2009)
• Wellen der Empörung am Baikalsee schlagen hoch (08.06.2009)
• 60 Mio. Menschen in Russland in schlechter Ökologie (22.05.2009)
• Klimawandel: Hochzeitsbett der Baikalrobbe taut zu früh (18.05.2009)
Putin nutzte für den Tauchgang das Forschungs-U-Boot „Mir 1“, das schon die Unterwasseraufnahmen beim Film „Titanic“ machte, einen blauen Wärme-Kombi und dicke Socken. (Mit nacktem Oberkörper und in Badehosen posiert der Premier in Sibirien nur für die Boulevadzeitung „Komsomolskaja Prawda“ bei Angelausflügen mit monegassischen Prinzen.)

Putin „in der Suppe“


Eine Stunde dauerte es, ehe das Tauchboot den Grund in 1.400 Meter Tiefe erreichte. „Ich bin in eine Suppe aus Plankton geraten“, erklärte ein hörbar zufriedener Putin per Funk aus der Tiefe. Eine Stunde lang beobachtete der Premier am Seegrund Flora und Fauna des Baikals, ehe „Mir 1“ wieder mit dem Auftauchen begann.

Nach dem Ende der Expedition gab der Regierungschef dann Versprechen in alle Richtungen – sowohl den Umweltschützern, als auch den Arbeitern der Zellulosefabrik am Baikal. Die Meinung von Ökologen sei bei der Planung zu berücksichtigen, forderte Putin. Er verwies darauf, dass dies in der Vergangenheit u.a. bei der Planung einer Pipeline von Ostsibirien an den Pazifik getan worden sei.

Trübe Aussichten für Putin?! (Foto: TV)
Trübe Aussichten für Putin?! (Foto: TV)

Schutz des Baikals als Pilotprojekt der russischen Umweltschützer


Damals hatte zunächst der staatliche Ölriese Transneft die Trasse direkt am Ufer des Baikals verlegen wollen. Massiver Protest der Umweltschützer und schließlich Wladimir Putin selbst hatten den Plan am Ende gestoppt. Auch in Zukunft, versprach der Premier, werde er auf Umweltschützer, hören.

Einen Wermutstropfen oder vielleicht besser gesagt, einige Schwefelsäuretropfen, hatte Putin für die Umweltschützer aber auch. Seiner Ansicht nach ist der Baikalsee ökologisch intakt. Das habe er bei seiner Tauchfahrt mit eigenen Augen gesehen. Daher stellte er eine Wiederinbetriebnahme der umstrittenenen Zellulosefabrik in Baikalsk in Aussicht.

Schicksal der Zellulosefabrik wieder offen


Die Fabrik, die dem kremlnahen Oligarchen Oleg Deripaska gehört, musste Ende des Jahres schließen. Eine Umstellung des bis dahin größten Baikalsee-Verschmutzers auf ökologisch saubere Technologien war gescheitert. Das Kombinat arbeitete – insbesondere unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise – nicht mehr effizient genug. Tausende Angestellte der Fabrik haben ihren Job verloren.

Die Wiederaufnahme der Produktion könnte die sozialen Spannungen in der ostsibirischen Region Irkutsk entkrampfen (etwa die Hälfte der Arbeitsplätze im Städtchen Baikalsk hängt von der Fabrik ab), würde aber nach Ansicht der Ökologen zu einer weiteren Belastung des Baikalsees führen.

Noch gibt es kein Konzept der Regierung, wie die dieser Widerspruch zu lösen ist. Bisher scheint es so, dass der Schutz der Umwelt dem Schutz von Arbeitsplätzen gegenüber steht. Obwohl das Tourismuspotenzial des Baikalsees als hoch gilt, ist der Wirtschaftsfaktor Tourismus in der Region noch stark unterentwickelt.



Artikel versenden Leserbrief Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Montag, 03.08.2009
Zurück zur Hauptseite







(Topfoto: Archiv/.rufo)





Die populärsten Artikel der letzten drei Tage
Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Sechs Tote bei Unwetter: Trauriges Ende der Sommerhitze
Thema der Woche
Georgische Wirtschaftsministerin tanzt Striptease
Kopf der Woche
Menschenrechts-Beauftragte Pamfilowa gibt Posten auf
Moskau
Chimki: Molotow-Cocktails gegen die Wald-Rodung
Kommentar
Jugendparlament Jekaterinburg: Mut für Meinungsfreiheit
Kaliningrad
Kaliningrad: Zweite Amtszeit für Gouverneur Boos?
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Samstag, 31. Juli
00:03 

Russland Geschichte: Startschuss im Lenin-Stadion

Freitag, 30. Juli
18:28 

Neuer Skandal um Strip-Ministerin: Lebenslauf gefakt?

17:35 

Brandkatastrophen in Russland: Armee eilt zu Hilfe

16:39 

Mutterfluch: Google Earth stellt Jekaterinburg bloß

15:30 

Sechs Tote bei Unwetter: Trauriges Ende der Sommerhitze

14:28 

Nowgorod wird Hauptstadt des russischen Hansebundes

13:24 

Feuersturm vernichtet Dorf – Putin muss löschen

12:31 

Menschenrechts-Beauftragte Pamfilowa gibt Posten auf

11:15 

Waldbrände: Sümpfe sollen wieder geflutet werden

09:12 

Flugzeug-Kaperung in Domodedowo verläuft glimpflich

00:03 

Geschichte Russland: Kommunismus in 20 Jahren

Donnerstag, 29. Juli
19:00 

Sotschi: Inguschetische Milizionäre lassen die Sau raus

18:22 

Hitzerekord: Moskau wartet bei 38 Grad auf Regen

16:51 

Chimki: Molotow-Cocktails gegen die Wald-Rodung

16:33 

Schwerer Terroranschlag im Kaukasus verhindert

14:57 

Finale furioso: Neuer Hitzerekord in St. Petersburg

14:07 

Myschkin an der Wolga - eine Fotogalerie

13:43 

Waffendeal: Moskau liefert Abwehrraketen nach Baku

12:27 

Eine Tote bei Bombenanschlag in ukrainischer Kirche

11:12 

Schwitzende Moskauer erwartet Abkühlung und neue Hitze

10:18 

Hochzeitsgesellschaft im Kaukasus landet im Krankenhaus

09:02 

Chinesische Chemikalien landen erneut im Amur

00:03 

Russland Geschichte: Alfa-Kampfgruppe gegründet

Mittwoch, 28. Juli
18:23 

Ostseepipeline North Stream geht bei Wyborg an Land

17:27 

Frau angemacht - Massenschlägerei mit 600 Beteiligten

15:22 

Hitzerekorde in Moskau: Flügellahm und weichgekocht

14:03 

Eiszeit: mit Avangard Omsk gegen die Sommerhitze

13:06 

Moskau: Großbrand in Bürogebäude an Metro-Kreislinie

12:05 

Kirgisien bekommt 1 Mrd. USD internationale Finanzhilfe

10:59 

Fernsehwerk: In die Röhre gucken statt Rekorde feiern

10:05 

FBI vermutet High-Tech-Waffen-Schmuggel nach Russland

09:03 

Hitze löst Quallenplage an Russlands Pazifikküste aus

00:03 

Geschichte Russland: Sowjetunion wird WM-Vierter

Dienstag, 27. Juli
18:46 

Absturz Smolensk: Neue Erkenntnisse bei Entschlüsselung

17:26 

Russland steckt Unsummen in die Tourismusentwicklung

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell





google.com
yahoo.com