Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Die Wolga – Mütterchen Russland. Ein Strom, eine Legende, ein Mythos. Wir betreiben Ursachenforschung im Sumpf. (Foto: Barth/.rufo)
Die Wolga – Mütterchen Russland. Ein Strom, eine Legende, ein Mythos. Wir betreiben Ursachenforschung im Sumpf. (Foto: Barth/.rufo)

Die ersten Meter eines Mythos – die Wolgaquelle

Wolgowerchowje. Die Wolga ist bestens bekannt. Doch wo entspringt dieser größte Strom Europas, der Inbegriff Russlands? Auf einer Landkarte ist dem Verlauf kaum zu folgen. Er verliert sich stets wieder im nächsten See.

Dem Kartenverlauf zu folgen, ist ein wirklich mühseliges Unterfangen. Jedes Mal, wenn man dem blauen Band, das sich über die Karte kringelt, folgt, verliert sich diese Wolga im nächsten See. Wo sie herauskommt, sieht man gleich. Nur wo fließt die Wolga hinein? Eine akribische Detektivarbeit beginnt.

Bei Russland-Aktuell
• Ostaschkow – verträumtes Tor in ein Naturparadies (20.05.2011)
• Waldai: Altes Zentrum der malerischen Waldai-Höhen (13.05.2011)
• Borowitschi – liebliche Provinzstadt im Waldai (06.05.2011)
Ostaschkow – hier beginnt unser Ausflug zur Wolgaquelle. Eine Kleinstadt im Waldai, nicht allzu viel hektisches Leben und eine Schotterpiste in eine herrliche Landschaft. Erst viel russische Weite und dichte Wälder, dann eher sumpfiger Urwald – die Wolga ist kaum zu erahnen, aber zu spüren. Fernab von allem geschäftigen Treiben.

Die Wolga aus Bilderbuch und Lexikon


Die Kreuzfahrten zwischen den beiden großen Städten St. Petersburg und Moskau erfahren nach Angaben von „Nicko-Tours“, dem größten deutschen Anbieter derartiger Reisen, eine Auslastung von durchschnittlich 90% jährlich.

Das sind entsprechend etwa 10.000 Teilnehmer alleine aus Deutschland. Hinzu kommen andere Nationen und nicht zu vergessen die zahlreichen inländischen Anbieter.

Heutzutage steht die Wolgakreuzfahrt im Fokus der Reiseveranstalter. Vormals waren es expandorische Gedanken. Die Waräger aus dem fernen Skandinavien nutzten die Wolga, um Byzanz zu gängeln und mit Bagdad Handel zu treiben. Andere wiederum wollten sich ein paar Jahrhunderte später durch sie „Lebensraum Ost“ aneignen.

Ein Strom mit launiger Geschichte


Wolgograd, von 1925 bis 1961 Stalingrad genannt, wurde zum Symbolbild einer blutroten Politik. Im Zweiten Weltkrieg wurden unselige Schlachten um die Wolga ausgefochten. Ein paar Jahre später wurden die sogenannten „Wolgadeutschen“, durch Katharina die Große ins Land geholt, unter Stalin in die Steppen im Osten deportiert.

Fotogalerie (Foto anklicken)
Erste Meter eines Heiligtums: Die Wolgaquelle
Nach und nach ließen dann die Störe in der Wolga wegen ihres „schwarzen Goldes“, dem Kaviar, ihr Leben. Dieser Panzerkreuzer unter den Fischen wurde inzwischen durch ein striktes Fangverbot unter Schutz gestellt. Nicht zuletzt leitet die Industrie gnadenlos ihre Abwässer hinein – die Wolga kann sehr viele Geschichten erzählen.

Pilger und keine Infrastruktur


Auf dem Strom ist, wie wir sehen, mächtig was los. Nicht so an der Quelle. Die will sich erfahren lassen, diese Wolga. Denn: die Wolga kommt irgendwie aus dem Nichts. Plötzlich ist sie da und ein Mythos erblickt das Licht der Welt. In Wolgowerchowje, unweit des Seligersees, beginnt im Twerskaja Oblast ganz schüchtern eine Legende.

Außer Pilgern und auf ihr Heiligtum stolze Russen mit ihren Kindern verirrt sich kaum jemand an deren Quelle. Es gibt keine touristische Infrastruktur in Wolgowerchowje, und wer nicht die Nacht im Freien verbringen will, wird nach kurzer Zeit wieder weitergefahren sein.

Alljährlich, am 29. Mai, dem Namenstags des heiligen Nikolaus, werden sie wieder zu Hunderten nach Wolgowerchowje pilgern, um der Prozession zu folgen.

Die Wolga unter der Obhut des hl. Nikolaus


Jedoch: Der Kraft des Nikolaus, des Schutzpatrons der Quelle, sollte man schon ein wenig innerlich lauschen; die Wucht der backsteinernen Erlöser-Verklärungs-Kathedrale auf sich wirken lassen. Erst dann mag man diese Stimmung begreifen, die von jenem Ort ausgeht – einem Tümpel, gerade so breit, dass man darüber springen kann.

Pilgerziel Wolgaquelle, eine Legende erblickt das Licht der Welt. Wenngleich auch anfangs etwas unscheinbar. (Foto: Barth/.rufo)
Pilgerziel Wolgaquelle, eine Legende erblickt das Licht der Welt. Wenngleich auch anfangs etwas unscheinbar. (Foto: Barth/.rufo)
Im Jahre 1649 wurde auf dem Hügel vor der Quelle bereits ein Männerkloster gegründet. Geweiht der Fürstin Olga, deren Enkel Wladimir 988 nach Christus die Kiewer Rus taufen ließ. Nun stehen an diesem Ort gerade noch die hölzerne Nikolaus-Kirche und die erwähnte Backsteinkathedrale. Und der Nikolaus hat inzwischen auch seine Statue bekommen.

Eine Kapelle mit einem Loch im Boden


Natürlich sucht jeder Neuankömmling zuallererst einen Quelltopf. Irgendetwas Aufregendes mit viel Wasser, das dem Boden entspringt. Stattdessen ist da eine aus Holz errichtete Kapelle, über einen Holzsteg zu erreichen. Ein Torbogen am Anfang der Anlage verkündet stolz die Wolgaquelle.

Hier ist es also, das Allerheiligste – der Ursprung der Wolga. Eigentlich nur ein düsteres kreisrundes Loch im Bretterboden, dessen Inhalt sich träge nach draußen schiebt, um sich verschämt unter einer dicken Schicht Entengrütze zu verstecken. Mächtig sieht irgendwie anders aus…

Anlässlich eines Besuchs des Patriarchen Alexij II. ist die Anlage seit 1995 wieder hergerichtet. Vorher war sie von deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.

Am Anfang nur ein schüchternes Bächlein


Nach wenigen Metern ist die Wolga aber fürs erste auch schon wieder verschwunden. Als wäre ihr der ganze Trubel um sie schon zuviel, kommt die Wolga erst wieder im dichten Wald zu Tage. Hier erobert sie sich allmählich ihr Revier. Urwald, Naturschutzgebiet – hier hat sie noch ihre Ruhe.

228 Meter über dem Meeresspiegel entspringt also dieser größte Strom Europas, 17 Meter darunter mündet er nach knapp 3.700 Kilometern ins Kaspische Meer. Die Wolga erblickt fast verschämt das Licht der Welt, um gemächlich auf ihrer weiten Reise ihre volle Pracht zu entfalten.

Sehen kann man es hier in Wolgowerchowje noch nicht, dass es einmal jene mächtige Wolga werden will – acht Kilometer weiter wird man bereits eines Besseren belehrt…



Artikel versenden Druckversion





nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Freitag, 01.07.2011
Zurück zur Hauptseite








Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)



Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 28. Mai
13:20 

Tatarstan: Innenminister steigt nach Folterskandal auf

10:22 

Orenburg wirft ausländische Studenten aus Wohnheim

08:51 

Opposition beantragt neuen Protestmarsch am 12. Juni

01:03 

Geschichte Russland: Rust landet auf dem Roten Platz

Sonntag, 27. Mai
01:03 

Russland Geschichte: St. Petersburg und Tsuschima

Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell





google.com
yahoo.com