Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Auch in Moskau sind Straßenhunde sogar an vornehmen Adressen wie hier auf dem Manege-Platz anzutreffen. In der Ukraine wird das Problem brutal bekämpft, kritisieren Tierschützer (Foto: svobodanews.ru)
Auch in Moskau sind Straßenhunde sogar an vornehmen Adressen wie hier auf dem Manege-Platz anzutreffen. In der Ukraine wird das Problem brutal bekämpft, kritisieren Tierschützer (Foto: svobodanews.ru)
Mittwoch, 26.10.2011

Tod im Feuer: Ukraine streitet um verwilderte Hunde

Kiew. Wenn es Nacht wird in der Ukraine, ziehen die Hundefänger los. Im Kampf gegen tausende herrenlose Vierbeiner greifen die Behörden zu drastischen Mitteln. Tierschützer werfen den Kommunen grausames Vorgehen vor.

Erst betäuben, dann einfangen, schließlich lebendig verbrennen: «Bestialischen Umgang» mit herrenlosen Hunden werfen Tierschützer in der Ukraine den Behörden der Ex-Sowjetrepublik vor. In mehreren Städten seien Streuner in «mobilen Krematorien» auf grausame Weise getötet worden, sagt Tamara Tarnawska von der Bürgerinitiative SOS der Nachrichtenagentur dpa in der Hauptstadt Kiew.

Erst nach internationalen Protesten sei die Praxis gestoppt worden - zumindest offiziell. «Keiner weiß, ob die Öfen tatsächlich abgeschafft wurden», betont Tarnawska. Die «Krematorien» waren 2009 angeschafft worden, laut Haushaltsplan als «umweltfreundliche Maßnahme».

Menschen fühlen sich durch Hundemeuten bedroht


Reaktionen aus der Bevölkerung etwa in den Städten Lisitschansk und Mariupol zeigen, dass die Mehrheit den kompromisslosen Kampf begrüßt. Aus Sicht vieler Menschen werden verwilderte Hunde, die Kinder angreifen und Passanten beißen, zunehmend zur Plage.

Bei Russland-Aktuell
• Konflikt um bis zu 100.000 Hunde auf Moskaus Straßen (10.06.2010)
• Straßenhunde: tollwütig oder friedlich in der Metro (28.12.2009)
• Ein humanes Leben für obdachlose Tiere? (21.09.2005)
• Fußball-EM-2012: UEFA sterilisiert streunende Hunde (20.07.2011)
• Platini erneut auf EM-Inspektionsreise in der Ukraine (26.09.2011)
In Kiew haben sich - wie in anderen ukrainischen Städten - die Straßenköter vor allem seit der Finanzkrise 2008 sprunghaft vermehrt. Allein in der Hauptstadt wird ihre Zahl mittlerweile auf 11.000 geschätzt. Viele Menschen setzten ihre Haustiere einfach aus, weil ihnen der Unterhalt zu teuer wurde. Heute suchen die ausgemergelten Vierbeiner sogar in dicht besiedelten Gebieten Kiews im Müll nach Fressen.

Pläne gibt es: Sterilisierung und Tierheimbau


«Seit 2007 gibt es in Kiew Projekte zur Sterilisierung von Hunden und Katzen», teilt eine Verwaltungssprecherin mit. Für 2011 stünden dafür rund 1,4 Millionen Euro bereit. «Zudem berät die Hauptstadt über den Bau eines Tierheims», betont sie. Ob es soweit kommt, ist unklar.

«Das Geld wandert in die Taschen der Politiker», vermutet Tarnawska. Sie hatte sich in einem scharfen Appell auch an die Europäische Fußball-Union (UEFA) gewandt, die 2012 in Polen und der Ukraine die Europameisterschaft veranstaltet. «Die EM wird auf Plätzen gefeiert, die mit dem Blut von wehrlosen Tieren besudelt sind», sagt die Aktivistin mit drastischen Worten.

Hundefänger mit mobilen Krematorien


Wenn es Nacht wird in der Ukraine, ziehen die Hundefänger nach Angaben der Bürgerinitiativen los. Zwei Männer fangen die Tiere, indem sie Köder mit Betäubungsmittel auslegen. Die oft ausgehungerten Vierbeiner sind in benommenem Zustand leicht zu fangen. Die Männer verpacken die Streuner in Kartoffelsäcke und werfen sie in einen Wagen.

Nachdem einige Stellen abgeklappert sind, werden die Hunde zu einer Sammelstelle gefahren, wo ein dritter Mann mit dem «mobilen Krematorium» wartet. Die Ladeklappe wird geöffnet und der Straßenköter ins Feuer geworfen, so die übereinstimmenden Recherchen der Tierschützer. Die Kommunen wollen sich dazu nicht äußern.

Tierschützer: Vorhandene Tierheime sind Vernichtungslager


Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurde in dem zweitgrößten Land Europas laut einer amtlichen Statistik kein einziges staatliches Tierheim gebaut. Die verbliebenen Einrichtungen seien «Sammelstellen», in denen die Vierbeiner systematisch getötet werden, kritisieren Bürgerinitiativen.

Tierschützer fordern die Kommunen auf, sich an Regelungen wie etwa in Deutschland ein Beispiel zu nehmen.

Für ein Sterilisierungsprojekt überwies die UEFA vor kurzem zwar rund 8600 Euro an den Co-Gastgeber der EM 2012. Für die Aktivisten ist dies aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

(Nina Jeglinski und Wolfgang Jung, dpa)


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Pan Ossendowski 06.12.2011 - 19:12

Nicht ganz so neu

Ich habe Hundejagden bereits in den 1970-er Jahren in der Sowjetunion erlebt. Damals zogen die Hundefänger sogar mit Schrotflinten durch Kleinstädte der Ukrainischen Sowjetrepublik und schossen mitten im Stadtzentrum auf streunende Hunde. Dir abgeschossenen Tiere wurden auf einen Lkw geworfen und zur Müllkippe gefahren. Augenscheinlich haben die Methoden sich etwas \"verfeinert\". Tierschutz scheint ein Fremdwort in den Ex-Sowjetstaaten zu sein. Ich denke mal, auch in Moskau wird man die Hunde, die nahe am Roten Platz friedlich rumlungern bald irgendwann vertreiben - wie auch immer.


Hajö 27.11.2011 - 01:34

Traurig, traurig ...

Es ist einfach katastrophal mit anzusehen, wie Rußland oder die Ukraine mit dem Leben umgehen. Das betrifft sowohl den Umgang mit den eigenen Bürgern als auch den Umgang mit unseren tierischen Mitbewohnern. Auf der einen Seite gibt es den unermeßlichen Reichtum einiger Oligarchen und Politiker und auf der anderen Seite Massen an armen, notleidende Menschen und wehrlosen Geschöpfen. Man ist einfach sprachlos ...


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Mittwoch, 26.10.2011
Zurück zur Hauptseite








Auf jedem guten russischen Dorfmarkt: Sauna-Mützen für die Ohren (Foto: mig/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 28. Mai
13:20 

Tatarstan: Innenminister steigt nach Folterskandal auf

10:22 

Orenburg wirft ausländische Studenten aus Wohnheim

08:51 

Opposition beantragt neuen Protestmarsch am 12. Juni

01:03 

Geschichte Russland: Rust landet auf dem Roten Platz

Sonntag, 27. Mai
01:03 

Russland Geschichte: St. Petersburg und Tsuschima

Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell





google.com
yahoo.com