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Polina Daschkowa
Polina Daschkowa

Polina Daschkowa:
Krimi- Autorin mit psychologischem Anspruch

Von Caroline Uhlig, Moskau. Die 1960 in Moskau geborene Polina Daschkowa gehört zu den populärsten KrimiautorInnen in Russland. Und ohne Zweifel zu jenen Talenten, deren Begabung und Interesse für Literatur früh erkannt und gefördert wurden. Schon im zarten Alter von sieben Jahren schrieb sie ihr erstes Gedicht, mit 16 wurden die ersten Gedichte veröffentlicht.

Als einziges Kind der Familie wurde sie von Seiten ihrer Eltern in die klassische Poesie und Prosa eingeführt. Sie machte sich mit der Poesie Josef Brodskys vertraut, las Solschenizyn, Below und Rasputin. Schon früh entwickelte sie ein Gespür und Verständnis für klassische Literatur und konstruierte daraus ihre persönlichen literarischen Anschauungen. Noch bevor 1979 am Moskauer Gorki-Literaturinstitut im Fachbereich Poesie ihr Studium begann, besuchte sie regelmäßig die Versammlungen der literarischen Vereinigung. Neben ihren Studien war sie als Journalistin und Literaturberaterin bei der Zeitschrift „Selskaja Molodjosch“ („Landjugend“) tätig. In eben jenem Magazin, wie auch in „Junostj“, erschienen ihre Gedichte. Eindrücke, die sie erst in Gedichten, später in Prosa verarbeitete, fand sie auf Reisen und im Alltag.

Ihre Karriere als Krimiautorin hatte zwei Gründe. Zum einen gab es da eine Diskussion mit einer Freundin. Die Frage, ob es überhaupt möglich sei gute russische Krimis zu schreiben, wurde aufgeworfen. Bei Polina Daschkowa entstand der Antrieb dies zu beweisen. Hinzu kam ein reales Ereignis, welches sie sofort zum Thema ihres ersten Romans „Das Blut des Ungeborenen“ verarbeitete. Veröffentlicht wurde diese erste Arbeit 1997 beim Moskauer Eksmo-Verlag. Schon mit diesem ersten Streich enterte sie die russische Bestsellerliste. Mittlerweile hat sie eine ganze Reihe von Kriminalromanen geschrieben, die in Auflagen von bis zu zehn Millionen Exemplaren erscheinen.

Daschkowas literarischer Anspruch ist nicht schwer zu beschreiben. Sie möchte keine primitiven, blutigen Romane schreiben, keinen Krimi im herkömmlichen Boulevard-Sinn. Vielmehr entstehen Psycho-Thriller. In ihren Geschichten ist weniger wichtig, wer wen auf dem Gewissen hat, sondern vielmehr, warum der Mord passiert. Der Umgang mit dem Thema „Tod“, von seiten des Täters wie auch des Opfers ist für Polina Daschkowa interessant.

„Beeinflusst von der Angst vor dem Tod kann der Mensch geniale künstlerische Werke schaffen, oder er kann zum Mörder werden. Die Furcht vor dem Tod ist ein mächtiges Gefühl.“

Die Figuren von Polina Daschkowa bewegen sich im chaotischen Alltag der Gegenwwart zwischen Moskaus städtischer Glamourwelt und der Provinz, zwischen Prostituierten, Mafia und ganz gewöhnlichen Menschen.

„Ich möchte endlich mal einen Bösewicht erschaffen.“ Daschkowa nimmt sich viel Zeit ihre handelnden Personen vorzustellen, deren Persönlichkeiten zu entwickeln. Meist verlieren ihre Täter nach und nach die Liebe zum Leben und beginnen sich und ihre Umwelt zu zerstören. Sie zeichnet Charaktere, die scheinbar normaler nicht sein könnten, die aber den Schritt in die Kriminalität gehen. Polina Daschkowa folgt damit der Theorie, dass jede Persönlichkeit auf Erfahrungen beruht- guten oder schlechten. Dem Einzelnen obliegt die Entscheidung, wie diese sich im Lebenslauf auswirken.

Bereits auf Deutsch erschienen sind die Romane „Die leichten Schritte des Wahnsinns“ (2001) und „Club Kalaschnikow“ (2002). Polina Daschkowas dritter Roman „Russische Orchidee“ erschien soeben im Aufbau-Verlag. Polina Daschkowa auf der Frankfurter Buchmesse: siehe Autorenlesungen und Veranstaltungskalender (uc/.RUFO)

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