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Weihnachtsbaum auf dem Schlossplatz von St. Petersburg (Foto: Deeg/.rufo)
Weihnachtsbaum auf dem Schlossplatz von St. Petersburg (Foto: Deeg/.rufo)

Geschenke zu Neujahr, Bleigießen an Weihnachten

Von Lothar Deeg, St. Petersburg. Nicht nur der abweichende Kirchenkalender, auch das russische Brauchtum zum Jahreswechsel mag für Russland-Neulinge etwas verwirrend wirken. Dabei ist alles ganz einfach: Russisch-Neujahr feiert man wie Europäisch-Weihnachten. Und umgekehrt. Alles klar? Dann wünschen wir hiermit frohes Neujahr und glückliche Weihnachten.

Weihnachten heißt auf russisch \"Geburt\" - \"Roschdestwo\". Begangen wird das seit einigen Jahren auch in Russland zum offiziellen Feiertag erklärte kirchliche Fest aber erst am 7. Januar. Die 13tägige Verspätung hat einen einfachen Grund: Die Orthodoxe Kirche hielt am alten Julianischen Kalender fest, den die Kommunisten nach ihrer Machtübernahme 1918 zugunsten des \"westlichen\" Gregorianischen Kalenders abschafften.

Wahrsagerei und Mummenschanz

Gegenüber dem deutschen \"Weihnachten\" ist zwar die Benennung etwas enger mit dem religiösen Hintergrund verknüpft. Anders jedoch die Art, wie dieses Fest gefeiert wird: Wahrsagerei, Mummenschanz und Volksfeste sind übliche Weihnachtsvergnügen. Dagegen erinnern die russischen Gepflogenheiten in der Neujahrsnacht eher an die im Westen üblichen Weihnachtsbräuche.

In den russisch-orthodoxen Kirchen werden in der Weihnachtsnacht festliche Gottesdienste begangen. Doch eigentlich gilt die Heilige Nacht den für Aberglauben sehr empfänglichen Russen als bestgeigneter Zeitpunkt für Wahrsagerei und spiritistische Sitzungen.

Religiöse Feiern lange unter Verbot
Das Feiern der christlichen Weihnacht war unter den Sowjets lange Zeit verboten. Alte Menschen erinnern sich noch daran, daß Weihnachtsbäumchen vor den Nachbarn versteckt werden mußten. Ende der 30er Jahre übernahmen die Sowjets dann jedoch mit Erfolg viele der bekannten Weihnachtssymbole und -bräuche zur Feier des religiös wenig belasteten neuen Jahresbeginns. Mit dem eigentlichen Weihnachten blieben dagegen die noch aus vorchristlicher Zeit bekannten Mythen der dunkelsten Tage des Jahres verbunden.

Weihnachten wird in Russland meist im Freundeskreis begangen. Die gleichzeitig mit aller Welt gefeierte Neujahrsnacht ist dagegen das unangefochten höchste Familienfest. Nicht zu Weihnachten, sondern zum Jahreswechsel stellt man geschmückte Tannenbäume auf. Auch Lichtergirlanden, leuchtende Sterne und anderer ganz vertrauter \"Neujahrsschmuck\" verändern in der zweiten Dezemberhälfte das Straßenbild. \"Väterchen Frost\", der ebenfalls bärtige, rot gewandete und Geschenke verteilende russische Weihnachtsmann, ist allgegenwärtig - live, in Schokolade, auf Plakaten oder Glückwunschkarten. Seine Begleiterin im weißen oder silbernen Glitzerkleid ist die liebreizende \"Snegurutschka\" - \"Schneeflöckchen\", eine auch zu Sowjetzeiten ideologisch einwandfreie und schon ein bißchen erwachsene Vertretung des Christkinds.

Kreml-Turmuhr läutet landesweit den Jahreswechsel ein

Nur Feuerwerke und Böllerei in der Sylvesternacht und das Gedränge in den Kaufhäusern unterscheidet sich vor dem Jahreswechsel wenig von westlichen Einkaufszentren. Denn auch das gegenseitige Beschenken ist ein fester russischer Neujahrsbrauch: Ausgepackt werden dürfen die unter dem Baum ausgebreiteten Gaben erst nach Mitternacht. Das Startsignal gibt das im Fernsehen übertragene Läuten der Moskauer Kreml-Glocken. In den Minuten zuvor wünscht traditionell der Präsident seinen lieben Landsleuten noch schnell alles Gute zum neuen Jahr.

Auswirkungen auf die eher von Wodka, Sekt und Essensfülle bestimmte Stimmung an den familiären Festtafeln hat dies in der Regel aber nicht mehr. Vorausschauende Mäßigung ist nicht nötig, denn der russische Bürger hat genug Zeit, sich von dem Gelage zu erholen: Analog zum westlichen Weihnachten wird Neujahr mit zwei arbeitsfreien Tagen begangen. Und auch danach ist zunächst keine Hektik angesagt. Mindestens bis Weihnachten ist das öffentliche Leben paralysiert, viele Firmen machen Betriebsferien und Zeitungen erscheinen auch nicht: Russland macht kollektiv Ferien. Normalität kehrt erst nach dem 13. Januar ein, wenn auch die Kirche nach ihrem Kalender das neue Jahr einläutet - und das feierfreudige Volk dies als letzte Gelegenheit genutzt hat, noch einmal im Freundeskreis kräftig auf das „alte neue Jahr“ anzustoßen.


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Es schneit und schneit und schneit. In der Petersburger Innenstadt mischt sich winterliches Weiß mit verwaschenen, lange schon nicht erneuerten Hauswänden. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)

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