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Heiße Spur für die Mafia-Connection? Dieses Business-Center in der Tambowkskaja-Straße gehört der SP AG ... (foto: ld/rufo)
Heiße Spur für die Mafia-Connection? Dieses Business-Center in der Tambowkskaja-Straße gehört der SP AG ... (foto: ld/rufo)
Montag, 05.04.2004

Deutsche Ermittler befragten Petersburger Paten

St. Petersburg. Deutsche Kriminalisten haben mit Hilfe russischer Kollegen zwei Tage lang die Petersburger „Wirtschafts-Autorität“ Wladimir Barsukow verhört. Es ging dabei um Geldwäsche-Ermittlungen gegen das Mörfeldener Unternehmen SP AG. Unter seinem früheren Namen Kumarin hatte Barsukow Anfang der 90er Jahre als angebliches Oberhaupt der Petersburger „Tambowskaja-Mafia“ einige Berühmtheit erlangt.

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Im Mai 2003 hatte das Bundeskriminalamt 28 Wohnungen und Büros der SP AG durchsucht. Das Pikante an dieser an der deutschen Börse inzwischen ins Bodenlose abgestürzten Firma, die offiziell Immobilienprojekte in St. Petersburg finanzieren wollte: In ihrem Beirat saß über Jahre der damalige Vizebürgermeister und spätere russische Präsident Wladimir Putin. Darüber, ob Putin etwas von illegalen Aktivitäten dieses Unternehmens wusste, sie deckte oder gar selbst daran mitgewirkt hat, lässt sich seitdem trefflich spekulieren. Wenn es dafür je Beweise gab, dann sind sie von russischen Geheimdienst FSB inzwischen ohnehin getilgt, vermuten Insider.

Nach damaligen Angaben von BKA und Staatsanwaltschaft Darmstadt wird den Verantwortlichen der Firma vorgeworfen, für eine mächtige Mafia-Gruppe aus St. Petersburg – es handelt sich um die Tambowskaja - mehrere Millionen Euro in den legalen Wirtschaftskreislauf geschleust zu haben. Die Gelder stammten laut BKA aus illegalen Geschäften wie Autoschiebereien, Menschenhandel, Alkoholschmuggel und Schutzgelderpressung. Die Ermittlungen hätten jedoch, so die Zeitung „Kommersant“ in ihrer heutigen Ausgabe, bislang nicht dazu geführt, dass gegen irgendjemand Anklage erhoben worden wäre.

Anfang März, so der „Kommersant“ in seiner heutigen Ausgabe, wurde im Rahmen der Ermittlungen Barsukow-Kumarin in St. Petersburg zwei Tage lang vernommen. Die Fragen wurden von russischen Beamten im Beisein der deutschen Ermittler und deren Dolmetschers gestellt. Die von den Deutschen vorgegebenen Fragen hätten dabei „reichlich allgemeinen Charakter“ gehabt, so Barsukow gegenüber der Zeitung: „Unter anderem fragte man mich, ob ich der Anführer der Tambowskaja-Verbrecher-Organisation sei und ob mein Spitzname Wowa sei. Ich antwortete, dass ich diejenigen, die mich so nennen, vor Gericht verklage und zeigte ihnen einige von mir gewonnene Klagen. Und in Sachen des Spitznamens erklärte ich, dass mich als Kind meine Mama so genannt hätte.“

Darüber hinaus seien Barsukow zahlreiche Fragen zu seinem Besitz und Privatleben gestellt worden. „Ich hatte den Eindruck, man ermittelt hier nicht, sondern sammelt Material für das nächste Buch von Jürgen Roth“, so der öffentlichkeitsscheue Geschäftsmann. In dem im letzten Herbst erschienenen Buch „Die Gangster aus dem Osten“ hatte der deutsche Journalist Roth ausführlich die Vorwürfe gegen die SPAG und deren Verbindungen zu Putin einerseits und Barsukow-Kumarin andererseits dargelegt. Barsukow hatte daraufhin auch Roth und seinem Verlag eine Verleumdungsklage angedroht.

In Kontakte mit der SPAG will er erst 1996 durch die Bekanntschaft mit dem ebenfalls in dieser Sache belasteten Liechtensteiner Treuhänder Rudolf Ritter gekommen sein. Als damaliger Vize-Präsident des Petersburger Mineralölkonzerns PTK sei er in den Vorstand der SP AG eingetreten, um zu prüfen, ob sich eine Beteiligung an deren Immobilien-Großprojekt „Snamenskaja“ gegenüber dem Moskauer Bahnhof lohne. „Dann beschlossen wir, dass es für uns einträglicher ist, Tankstellen zu bauen, und ich stieg aus dem Projekt aus“, so Barsukow.

Nach Deutschland habe er außer zu zwei Ärzten, die ihm nach einem Attentat Mitte der 90er Jahre „das Leben retteten“, keinerlei Kontakte, so der Unternehmer, der heute nach wie vor als eine der mächtigsten Figuren St. Petersburgs gilt. Der Vorwurf der Wäsche von russischen Mafia-Geldern beruhe überhaupt auf einem deutschen Fehlverständnis der russischen Geschäftsrealität, meint Barsukow: „Wozu soll man irgendwas waschen, wenn man bei uns Bargeld im Koffer anschleppen kann und niemand fragt, woher das ist?“

Wie der „Kommersant“ aus Petersburger Polizeikreisen erfuhr, haben die deutschen Ermittler inzwischen die richterliche Genehmigung zu einer Durchsuchung von Barsukows Wohnung erhalten. Ob sie dort allerdings wirklich Beweismaterial zu weit in den 90er Jahren zurückliegenden Vorgängen zu finden glauben? Zumal Barsukow, so kann man bei Roth nachlesen, gleich mehrere „Residenzen“ im Raum Petersburg hat und sich seit gut fünf Jahren von offen kriminellen Machenschaften und Personenkreisen fern hält.
(ld/.rufo)

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