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Auf Russlands Automarkt ist mehr Platz als auf Moskaus Straßen - glauben jedenfalls Fiat und Sollers (Foto: tv/.rufo)
Auf Russlands Automarkt ist mehr Platz als auf Moskaus Straßen - glauben jedenfalls Fiat und Sollers (Foto: tv/.rufo)
Donnerstag, 11.02.2010

Fiat und Sollers wollen Russlands Automarkt stürmen

Kasan. Noch lahmt der russische Automarkt in der Krise – doch der bisherige krasse Außenseiter Fiat hat große neue Pläne: Gemeinsam mit dem russischen Konzern Sollers soll ein neues riesiges Autowerk entstehen.

„Der kluge Mann repariert seinen Schlitten im Sommer“ – wohl nach diesem alten russischen Sprichwort schmiedet der italienische Autokonzern Fiat gemeinsam mit einem einheimischen Partner große Pläne für einen neuen russischen Autoboom nach der Krise: Zusammen mit Sollers (bis 2008 „Severstalavto“), dem Produzenten der urrussischen UAZ-Geländewagen, will man bis 2017 ein Autowerk für jährlich 500.000 Personenwagen errichten.

Der in dieser Zahl enthaltene Optimismus ist beeindruckend, wurden doch 2009 in Russland nur 1,37 Millionen neue Autos verkauft. Ein Jahr zuvor war der Automarkt noch doppelt so ergiebig gewesen.

Fiat setzt in Russland nicht auf Kleinwagen


Gebaut werden sollen neun verschiedene Modelle aus der Produktpalette von Fiat und dessen neuer US-Tochter Chrysler – welche wurde noch nicht gesagt. Es soll sich um Fahrzeuge der Klassen C und D (wie etwa VW Golf und Passat) sowie um Allradautos handeln, die wohl von der Chrysler-Marke Jeep kommen dürften.

Bei Russland-Aktuell
• Fiat Ducato kommt in Lizenz aus Tatarstan (25.07.2006)
• Oka-Produktion in Nabereshnye Tschelny eingestellt (30.06.2006)
• Daimler kauft Anteile an Lkw-Bauer Kamaz dazu (11.02.2010)
• Russischer Kleinwagen Oka: Billiger gehts nimmer (24.01.2006)
• Petersburger Automobilindustrie kommt langsam in Fahrt (20.11.2009)
Am Donnerstag unterzeichnete in der Industriestadt Nabereshnyje Tschelny in Tatarstan in Beisein von Russlands Premier Wladimir Putin Fiat-Chef Sergio Marchionne (wie üblich im Pullover) eine entsprechende Vereinbarung. Wo bis 2006 das primitive und winzige Zweizylinder-Auto „Oka“ zusammengeschraubt wurde, soll nun eine komplett neue Autofabrik entstehen, deren Kapazität in Russland nur noch vom Lada-Hersteller Avtovaz in Togliatti übertroffen wird.

Russischer Staat zeigt sich spendabel


Das Investitionsvolumen für die Endstufe des noch namenlosen Joint-Ventures wurde mit 2,4 Mrd. Euro angegeben. Davon wollen die beiden Partner selbst je 150 Mio. in Form von Technologien und Produktionsanlagen einbringen. Der Rest soll kreditfinanziert werden – wobei Putin generös erklärte, der russische Staat könnte Garantien für die restlichen 2,1 Mrd. Euro übernehmen.

Bei Russland-Aktuell
• Liebesgrüsse aus Fernost: Patriot-Jeep für Berlusconi (29.12.2009)
• Der Opel-Shop – Selbstbedienungsladen für Patentklau? (11.09.2009)
• Kollaps am russischen Automarkt: Minus 58 Prozent (09.06.2009)
• Fiat oder Magna/GAZ: Vor der Entscheidung über Opel (20.05.2009)
• Auto-Krise: Lada-Werk bekommt massive Staatshilfe (31.03.2009)
Damit tritt Fiat-Sollers offen zum Gespann Avtovaz-Renault in Konkurrenz um die staatlichen Fördermittel für die siechende russische Autoindustrie. Bis zum Platzen des Opel-Magna-Deals hatte es noch so ausgesehen, als könnte der daran beteiligte russische Co-Finanzier Sberbank den Autohersteller GAZ zum zweiten Schwerpunkt der russischen Autobranche aufbauen.

Sollers - ein kleiner Auto-Privatkonzern


Sollers gehört zu 58 Prozent seinem Generaldirektor Wadim Schwezow. Neben der Geländewagenschmiede UAZ in Uljanowsk sowie einem Motorenwerk verfügt Sollers noch über ein zweites Werk in Tatarstan, wo der Kleintransporter Fiat Ducato und Isuzu-Lkw gebaut werden. Vor drei Monaten wurde noch ein Montagewerk für Geländewagen in Wladiwostok eröffnet.

Am Standort des jetzt beschlossenen neuen Werkes fertigt Sollers schon in Lizenz die Fiat-Modelle Albea und Doblo sowie Geländewagen der koreanischen Marke Ssangyong. Beide Marken spielten 2009 in Russland mit jeweils 9.000 Verkäufen aber nur eine Außenseiterrolle: Für mehr als die Plätze 25 und 26 in der Zulassungsstatistik reichte es nicht. Und Chrysler und seine Töchter Dodge und Jeep genießen mit zusammen 1.200 Verkäufen in Russland überhaupt Exotenstatus.

Fiats dritter Anlauf in 45 Jahren


Für Fiat ist das neue Projekt bereits der dritte Einstieg in den russischen Markt: Mitte der 1960er Jahre verkaufte der Turiner Konzern dem Kreml eine Lizenz für den damals hochmodernen Fiat 124 – der dann als Lada weit über die Sowjetunion hinaus Karriere machte. In modifizierter Form wird der kantige Oldie noch bis heute von Avtovaz gebaut.

In nachsowjetischer Zeit vereinbarten die Italiener dann mit GAZ ein Joint-Venture zum Pkw-Bau. Das Projekt „Nizhegorod Motors“ blieb aber auf dem Papier: Es überstand die Krise nach dem Rubel-Crash 1998 nicht – und Fiat überließ den bald darauf wieder boomenden russischen Automarkt kampflos der Konkurrenz.



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