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Montag, 22.01.2001

In 5 Jahren Berlin-Tokio-Express via Moskau

Gespräch mit dem russischen Eisenbahnminister Nikolai Aksjonenko über Tunnelbau nach Alaska, Sachalin und Japan, die Transsib, Piraterie zu Wasser und zu Lande, die Seidenstrasse und Russland als Drehscheibe zwischen Europa und Asien.

Von Gisbert Mrozek (Moskau) Schon in fünf Jahren könnte es einen Berlin-Tokio-Express und Containerzüge von Amsterdam nach Japan geben.

Bis dahin könnten zwei Eisenbahntunnel gebaut werden, die vom fernöstlichen Festland bis zur Insel Sachalin und von dortaus weiter auf das japanische Hokaido reichen. Damit wäre eine neue strategische Verkehrsader eröffnet, die Europa und den asiatischen Fernen Osten schnell und kostengünstig verbindet, erklärt in einem Gespräch mit der rUFO der russische Verkehrsminister Nikolai Aksjonenko.

Eher zum Mars als nach Alaska

Die Pläne, einen Eisenbahntunnel von Kamtschatka nach Alaska zu bauen, nannte Aksjonenko hingegen „Schaumschlägerei“. „Wir werden eher zum Mars fliegen, als mit dem Zug von Berlin nach Washington fahren können“, sagte Aksjonenko. Das Problem sei dabei nicht nur der Tunnelbau unter der Behringstrasse, sondern auch, dass auf beiden Seiten noch über 1.000 km Schienenanbindung auf Permafrostboden gebaut werden müssten.

Die Direktverbindung von Europa nach Japan aber sei eine Frage der allernächsten Zukunft. Noch in diesem Jahr werde es den ersten Spatenstich zum Bau des russischen Sachalin-Tunnels geben, sagte Aksjonenko, anschliessend könnte dann der Tunnel von Japan nach Sachalin in Angriff genommen werden. „Die Japaner warten darauf, dass wir anfangen. Sie werden uns dann schnell entgegenkommen.“

Das Projekt sei nicht nur für die Europäer, sondern auch für die Japaner ausserordentlich interessant, weil es eine bessere Anbindung an den rohstoffreichen russischen Fernen Osten schafft. Durch die Tunnel sollten nicht nur eine Schienenverbindung, sondern auch Strassen, Gas- und Ölpipelines laufen. Die Finanzierung des Sachalin-Tunnels aus staatlichen Mitteln sei gesichert, sagte Aksjonenko. Möglicherweise würden sich aber auch Privatinvestoren beteiligen.

Neue Seidenstrasse

Die Tunnels sind offenbar ein für die russischen Eisenbahnen strategisch wichtiges Bindeglied, um Russland als kürzesten, besten und schnellsten Transitweg zwischen Europa und Asien anzubieten. Russland als Drehscheibe zwischen Europa und Asien.

Keine Taifune und Piraten

„Das ist sowohl für Europa wie auch für den Osten sehr wichtig. Wir bieten allerhöchste Sicherheitsgarantien beim Warenverkehr. Wir garantieren Lieferfristen. Alles geht erheblich schneller und sicherer als auf dem Seewege, denn wir haben keine Taifune und keine Piraterie“, sagte Aksjonenko in dem Gespräch.

Der russische Eisenbahnminister versicherte, dass die Transsib und die russischen Güterfernverbindungen heute entscheidend besser sind, als ihr Ruf noch vor wenigen Jahren. Im vergangenen Jahr seien beispielsweise auf dem gesamten russischen Schienennetz Güter im Werte von nur insgesamt 170.000 DM verschwunden. Es habe im ganzen Jahr 2000 nur fünf kleinere Unfälle im Güterverkehr gegeben. „Wir haben auf der Transsib ein automatisiertes Zugleitsystem, das es in Deutschland noch nicht einmal gibt“, sagt der Minister nicht ohne Stolz.

Transsib im Monitor

Wer seine Waren mit der Transsib transportieren lässt, könne den gesamten Weg bis nach Wladiwostok vom heimischen Sessel aus auf dem Monitor verfolgen, wenn er will. Jeder einzelne Container habe mittlerweile eine elektronische Diebstahlsicherung. Und selbstverständlich fahre die Bahn auch bei Frost von minus 60 Grad fahrplanmässig wie immer. Das Ergebnis sei eine einzigartige Zuverlässigkeit und Sicherheit. „Zeigen Sie mir erstmal solche Ergebnisse in Deutschland, den USA oder Frankreich.“

Abkommen mit Siemens

Im Laufe dieser Woche will Aksjonenko ein Abkommen mit Siemens unterschreiben, nach dem pro Woche schliesslich regelmässig 500 Container mit Siemens-Ausrüstung und Anlagen nach Japan rollen sollen. „Das werden wir im Laufe der Zeit realisieren können.“ Natürlich könne Russland nicht den gesamten Güterverkehr bewältigen. „Wir werden aber versuchen, vielleicht ein Sechstel des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien und Südostasien an uns zu ziehen.“ Gespräch mit dem russischen Eisenbahnminister Nikolai Aksjonenko über Tunnelbau nach Alaska, Sachalin und Japan, die Transsib, Piraterie zu Wasser und zu Lande, die Seidenstrasse und Russland als Drehscheibe zwischen Europa und Asien.

Von Gisbert Mrozek (Moskau) Schon in fünf Jahren könnte es einen Berlin-Tokio-Express und Containerzüge von Amsterdam nach Japan geben.

Diesem strategischen Ziel dient auch die von Aksjonenko angestrebte Partnerschaft mit Siemens. Ein Rahmenabkommen über Aufträge im Umfang von „einigen hundert Millionen Dollar“ will Aksjonenko dieser Tage unterzeichnen. Es gehe dabei auch um Zugleitsysteme, das Kommunikationsnetz des Ministeriums, den Bau von Passagier-Waggons, E-Loks und Triebwagen.

Keine Hochgeschwindigkeitszüge - jetzt

Nicht auf der Tagesordnung stehe aber gegenwärtig der Bau von Hochgeschwindigkeitszügen. Das ehemals geplante Projekt eines französisch-russischen TGV zwischen Moskau und St.Petersburg sei jenseits der finanziellen Möglichkeiten.

Aksjonenko hofft aber natürlich auch auf private Investoren. Eine Privatisierung des Schienennetzes sei zwar „nicht vorgesehen“. Nach der Entwicklungskonzeption des Eisenbahnministeriums, die im Laufe der nächsten Monate Putin zur Entscheidung vorliegt, solle die gesamte Infrastruktur und Tarifpolitik in den Händen einer Aktiengesellschaft mit 100 Prozent Staatsanteil sein. Auf den staatlichen Schienen könnten aber zu staatlichen Tarifen durchaus auch private Züge rollen.

Schienen staatlich, Züge privat

„Siemens oder Volkswagen könnten durchaus ihre Anlagen mit eigenen Waggons in den Fernen Osten schaffen.“ Schon jetzt seien 21 Prozent aller Güterwaggons in Privatbesitz. Es sei durchaus üblich, dass Metallurgie-Kombinate, Ölgesellschaften und Forstwirtschaften ihre eigenen Güterzüge einsetzen, die ihren Bedürfnissen flexibler angepasst sein können. Es sei auch nichts dagegen einzuwenden, wenn eine Privatgesellschaft eine neue Strecke bauen und betreiben wolle.

Offenbar hat Aksjonenko einiges auch mit dem Vorstand der Deutschen Bundesbahn zu besprechen, mit dem er sich Anfang dieser Woche in Berlin treffen wird.

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