Kaliningrad umgeht die litauische Blockade auf dem Seeweg. Fährschiffe, wie die Georg Ots, sollen einen Großteil der Transporte zwischen Kaliningrad und Russland abwickeln (Foto: Deeg/.rufo).
Dienstag, 29.08.2006
Kaliningrader Transit-Streit: Litauen wird umschifft
Kaliningrad. Die „Insel“ Kaliningrad ist auf die Eisenbahn-Transitstrecke über litauisches Gebiet nicht angewiesen und wird eine eigene Verbindung nutzen, um den Güterverkehr mit dem russischen „Festland“ abzuwickeln.
Diese Botschaft brachte Georgi Boos, Gouverneur des Kaliningrader Gebiets, von der Audienz bei Präsident Wladimir Putin in dessen Sommerresidenz in Sotschi mit. „Unsere Region wird sich stabil weiterentwickeln, auch wenn Litauen versucht, unsere Transitwege zu blockieren“, so Boos nach seiner Ankunft in Kaliningrad.
Statt auf dem Schienenweg soll das Gros der Güter- und Militärtransporte künftig über die Ostsee abgewickelt werden: auf der Strecke Baltijsk – Ust Luga bei St. Petersburg. Im komplett neu ausgebauten Baltijsker Fährhafen „Wostotschni“ entstand gerade ein modernes Gleis-Terminal, zwischen beiden russischen Häfen verkehren bereits große Frachtfähren. „Alles ist bereit“, sagt Gouverneur Boos. „Die Fährlinie Baltijsk – Ust Luga wird die Lücke im Güterverkehr zwischen Kaliningrad und anderen Regionen Russlands schließen.“
„Reparaturkrieg“ droht
Litauen droht, die Schienenverbindung zwischen Russland und der Enklave Kaliningrad wegen angeblicher Reparaturarbeiten zu sperren (Foto: Plath/.rufo).
Die Ostsee-Variante soll verhindern, dass Kaliningrad zum Opfer eines russisch-litauischen „Reparaturkrieges“ wird. Hintergrund: Weil Russland die Ölpipeline „Druschba“ (Freundschaft) auf einem Abschnitt erneuern will und damit die litauische Großraffinerie „Mazaiku Nafta“ von der Rohstoffzufuhr abklemmt, hat Litauen im Gegenzug angekündigt, die Eisenbahnstrecke zwischen den Grenzen Weissrusslands und des Kaliningrader Gebiets wegen dringender Reparaturbedürftigkeit zu sperren. Damit wäre die Haupttransitstrecke zwischen Russland und seiner Ostsee-Exklave auf längere Zeit dicht – vor allem für Gütertransporte und Militärgüter.
Politischer Schnellschuss
Die nun vollmundig propagierte Umschiffung der „unsicheren“ Baltenrepublik sieht freilich eher nach politisch motiviertem Schnellschuss aus als nach technisch gleichwertiger Alternative. Experten verweisen bereits darauf, dass die Fähren dem Bahntransit nicht das Wasser reichen können: die Transportzeiten sind länger, die Abfertigung aufwändiger. Im Winter, wenn die Ostsee vor St. Petersburg meist meterdick zufriert, sei zudem die Verkehrssicherheit gefährdet.
Die Kaliningrader Eisenbahn transportierte im vorigen Jahr nach eigenen Angaben 18,5 Millionen Tonnen Güter. Über 90 Prozent der Frachttransporte zwischen dem Kaliningrader Gebiet und dem russischen Inland entfielen somit auf den Schienenweg.
(tp/.rufo)
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)