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Gas ist der sauberste aller konventionellen Energieträger (Foto: Archiv)
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Mittwoch, 07.12.2005

Nicht teurer, aber sicher: Ostseepipeline-Baustart

Moskau. Am Freitag legt Wirtschaftsminister Glos die erste Naht an der Ostsee-Pipeline. Die Pipeline ist für alle Europäer da, meint Stephan Kohler von der Dena. Auch polnische Investoren wären willkommen, sagt Gazprom.

Beim feierlichen Baustart für die neue Ostseepipeline, die von Putin und Schröder vereinbart wurde, werden auf deutscher Seite außer Bundeswirtschaftsminister Michael Glos auch die Großinvestoren E.ON Ruhrgas und BASF-Wintershall dabei sein. Bis der Bau der maritimen Strecke von Vyborg (Wyborg) bis Greifswald beginnt, könnte sich allerdings der Kreis der Beteiligten noch erweitern.

Bei Russland-Aktuell
• Deutsche Banken steigen in russisches Gas ein (8.12.2005)
• Gazprom verkauft sündige Öl-Tochter Gazpromneft (22.12.2004)
• Für Gazprom: Deutsche Bank-Kredit ohne Sicherheit (08.12.2004)
• Wintershall vertieft Zusammenarbeit mit Gazprom (16.03.2005)
• Gasstreit Moskau-Kiew wertet Ostseepipeline auf (07.12.2005)
Offen für alle Beteiligungen

„Wir sind offen für alle Beteiligungen“, sagt Gazprom-Sprecher Sergej Kuprianow zu Russland-Aktuell. Auch wenn polnische Investoren kämen, stünden die Türen für Gespräche offen. Auch Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur (Dena) erklärt, die neue Gasleitung durch die Ostsee richte sich keineswegs gegen Dritte im allgemeinen oder gegen Polen im besonderen.

Tatsächlich werde der Gastransit durch Polen über die bereits bestehende Leitung – und damit auch die polnischen Einnahmen aus dem Transit – von gegenwärtig 22 Milliarden Kubikmeter pro Jahr auf 33 Milliarden bereits im Jahre 2006 steigen. Die Ostseepipeline sei zur Deckung zusätzlichen Bedarfes.

Mehr Gas für Europa - mehr Transitgebühren für Polen

Der deutsche und auch der europäische Bedarf an Erdgas werde in den kommenden Jahren rasant steigen, meint Kohler – während gleichzeitig die eigenen Resourcen schwinden. So ist der ehemalige Gasexporteur Groß-Britannien bereits jetzt zum Gas-Importeur geworden. Auch die Briten sollen darum an die Ostsee-Leitung angeschlossen werden.

Dass der Anteil des Erdgases am Primärenergieeinsatz auf insgesamt 22 Prozent ansteigen wird, sieht Kohler positiv, da Erdgas unter den konventionellen Energieträgern die niedrigsten CO-2-Emissionen produziert. Von diesen 22 Prozent werden wiederum 36 Prozent aus Russland stammen.

Erdgasanteil steigt auf 22 Prozent

Werden in Deutschland gegenwärtig 140 Mrd Kubikmeter verbraucht, so werden es in 2020 schon 200 Milliarden sein. Der Jahresbedarf in Europa steige im gleichen Zeitraum von jetzt 515 Mrd auf etwa 700 Mrd an. Die neue Ostsee-Pipeline werde auch in der zweiten Ausbaustufe ab 2020 nur etwa 20 Prozent des deutschen und europäischen Bedarfes decken können, sagt Kohler.

Je höher der Gasbedarf, desto wichtiger werden nach Meinung des Dena-Geschäftsführer die Versorgungssicherheit und die Diversifizierung des Gas-Pipelinenetzes, das in Zeiten des internationalen Terrorismus eine der Achillesfersen der Industriegesellschaft sein kann.

Mehr dazu im Internet
• www.energieforum.ru

aktuell.RU ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.
Europa ist nicht alleine auf dem Welt-Energiemarkt

Für den strategischen Ausbau der Pipelines sprechen laut Kohler auch die Perspektiven auf dem internationalen Energiemarkt. War bisher Europa fast der einzige, privilegierte Abnehmer für Erdgas aus Russland, wo etwa 60 Prozent der Weltvorräte lagern, so werden bereits in wenigen Jahren die USA und Japan dank Gasverflüssigung zu Großabnehmern werden.

Auch das energiehungrige China sei an russischen Gaslieferungen stark interessiert, sagt Kohler. Europa werde darum in Kürze einem härtesten Wettbewerb auf dem Energiemarkt ausgesetzt sein und müsse darum jetzt am Ausbau der Pipelines arbeiten.

Bei Russland-Aktuell
• Die Ostsee-Gaspipeline wird teurer als geplant (2.12.2005)
Baukosten für die Ostsee-Pipeline steigen für Europäer nicht

Die Kosten für den Bau der etwa 2.000 km langen Strecke werden entgegen anderslautenden Meldungen für die europäischen Partner doch nicht wesentlich höher als projektiert ausfallen. Gazprom-Sprecher Kuprianow erklärt gegenüber Russland-Aktuell, zwar werde die Landstrecke etwas teurer. Dieser Abschnitt werde aber vollständig von Gazprom finanziert.

Der Streckenabschnitt von Vyborg bis Greifswald werde wie projektiert etwa vier Milliarden Euro kosten. Dabei seien auch notwendige zusätzliche Kompressorstationen auf der langen Unterwasserstrecke mit berücksichtigt.

Für Gazprom sei an dem Projekt auch wichtig, dass erstmals Gazprom und die beiden deutschen Partner E.ON Ruhrgas und BASF-Winterhall an der gesamten Strecke von der Förderung bis zum Gastherme zusammenarbeiten. Bisher war Ruhrgas nur Abnehmer des Gases gewesen.

Gisbert Mrozek (gim/.rufo)


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