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Nach der Vorstandssitzung in Moskau: Dr. Peter Löscher (li) und Dr.Dieter Möller (re) (Foto: Ballin/.rufo)
Nach der Vorstandssitzung in Moskau: Dr. Peter Löscher (li) und Dr.Dieter Möller (re) (Foto: Ballin/.rufo)
Dienstag, 03.02.2009

Siemens sucht Glück in Russland, Atomgeschäft offen

Moskau. Einmalig in der Siemens-Geschichte: Gesamtvorstand tagt in Moskau und trifft Putin. Einmalig sollen die Ergebnisse sein: Trafofabrikbau, Expansion in Medizintechnik und Energieeffizienz. Und rein ins Atomgeschäft.

„Es ist ein historischer Moment für Siemens“, sagte Vorstandschef Dr. Peter Löscher bei der Presse-Konferenz. Erstmals hatte sich der gesamte erweiterte Vorstand des deutschen Technologie-Riesen im Ausland versammelt. Es sei kein Zufall, dass dies in Moskau geschehen sei, machte Löscher klar.

Allerdings: Russland war für Siemens immer wichtig. Der Aufstieg des Konzerns begann vor über 150 Jahren in St.Petersburg. Und das Russlandgeschäft wird heute bei Siemens als Anti-Krisenstrategie gesehen.

Energie-Effizienz steht hoch im Kurs bei Siemens und Russland


Fünf Verträge bringt Siemens von der Reise mit. Zukunftsweisend ist vor allem ein Pilotprojekt mit der Millionenstadt Jekaterinburg. Dort soll Siemens eine Energie-Eeffizienz-Studie ausarbeiten.

Das Thema Energiesparen ist aktuell für Russland. Experten schätzen das Potenzial auf 40 Prozent. Moskau hat längst erkannt, dass sich Energiesparen daheim lohnt; so kann mehr Öl und Gas exportiert werden. Laut Energieminister Sergej Schmatko rechnen sich Investitionen in Energieeffizienz 3 – 5mal schneller als die Erschließung neuer Rohstoffquellen. Siemens soll dabei helfen.

Bei Russland-Aktuell
• Petersburg: RZD präsentiert Hochgeschwindigkeitszug (26.12.2008)
• Russische Eisenbahn und Siemens schließen Vertrag (19.05.2006)
• Kauft Siemens 25 Prozent von Kraftmaschinen? (16.05.2005)
• Russland bestellt Siemens-Züge (11.04.2005)
• Siemens steigt bei Kraftmaschinen ein (26.07.2004)
Zunächst wird der Konzern in einer Studie das Potenzial des Energiesparens aufzeigen. In der zweiten Phase des Projekts werden diese Möglichkeiten dann realisiert. Über den Umfang der Finanzierung gibt es allerdings noch keine Angaben.

Aufbau einer Fabrik in Woronesch


Daneben baut der Münchner Technologie-Konzern im südrussischen Woronesch eine Fabrik für Hochspannungs-Transformatoren auf. Die Investitionen liegen bei 35 Millionen Euro, das Werk soll 2011 in Betrieb gehen und 400 Mitarbeiter beschäftigen, teilte Löscher mit.

Raus aus Frankreich - rein nach Russland?


Beim Thema Atomkooperation mit Russland ist der Siemens-Chef weniger gesprächig. Nach dem Ausstieg bei dem französischen Atomkonzern Areva wurde in den letzten Tagen intensiv über einen Einstieg beim russischen Staats-Konzern AtomEnergoProm spekuliert. Konkrete Ergebnisse kann Siemens aber noch nicht vorweisen, daher wolle er „Spekulationen nicht kommentieren“, so Löscher.

Bei Russland-Aktuell
• Siemens baut neue Russland-Zentrale (11.04.2003)
• Siemens sieht Perspektiven in Russland (27.09.2003)
• Siemens neues Hauptquartier am Leningradski Prospekt (12.09.2003)
• Siemens setzt auf lokale Hersteller (08.07.2003)

Siemens hat Interesse an Atomkooperation


Immerhin, soviel ließ er sich entlocken: „Die Kooperation mit AtomEnergoProm ist eine langfristige Angelegenheit“, sagte Löscher auf Anfrage von Russland-Aktuell. Siemens sei gewillt, „größere unternehmerische Verantwortung in Russland“ zu tragen, bekräftigte er.

Hinter den Kulissen dürfte die Zusammenarbeit im Atomsektor eines der wichtigsten Themen in Moskau gewesen sein; auch beim Treffen der Siemens-Führung mit Premier Wladimir Putin am Dienstagnachmittag nach der Pressekonferenz.

Unklarheit über Form der Zusammenarbeit


Das Problem: „Die Umrisse einer möglichen Kooperation sind noch gar nicht klar“, so ein Mitarbeiter des russischen Energie-Ministeriums anonym gegenüber Russland-Aktuell. AtomEnergoProm ist als staatlicher Konzern „strategisch wichtig“. Noch stehen die Gespräche über einen Einstieg daher ganz am Anfang.

So lange will Siemens die Verhandlungen nicht kommentieren. Immerhin haben die Münchner schon einmal schlechte Erfahrungen gesammelt in Russland.

Die geplante Übernahme des russischen Turbinenherstellers Kraftmaschinen (Power Machines) scheiterte vor einigen Jahren am Veto des Kremls. Der befürchtete den Kontrollverlust über ein strategisch wichtiges Unternehmen; Siemens hält daher heute nur noch einen Minderheitsanteil an dem Konzern.



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